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Weiter weg und doch am Arbeitsplatz

Weiter weg und doch am Arbeitsplatz

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Wesentlich für die Immobilienpreise wird in den Regionen um die Ballungsräume nicht die Entfernung vom Arbeitsplatz sein, sondern die Breitband-Anbindung.

In Waidhofen an der Thaya kostet der Quadratmeter Ackerland noch mehr als das Bauland. Abseits der großen Städte mit ihren Arbeitsplätzen gelten noch andere Prioritäten. Doch das könnte sich sukzessive ändern. Vielleicht nicht unbedingt in Waidhofen, aber das Umland der großen Ballungsräume wird als Wohnort immer beliebter. Laut einer Studie des market Instituts im Auftrag von Wienerberger wünschen sich drei von vier Österreichern ein eigenes Haus im Grünen oder am Stadtrand. „Neben Familie, Gesundheit und beruflichem Erfolg gehört für viele Österreicher auch ein Eigenheim zu einem erfüllten Leben“, so Birgit Starmayr, Institutsvorstand von market. Das hat grundsätzlich einmal mit den Preisen für Bauland zu tun. Immobilien in den Städten sind vielleicht für Singles oder Paare leistbar, aber für Familien ist es mittlerweile sehr eng geworden. Im Umland der Städte lassen sich die Wohnträume eben noch verwirklichen.

 

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Akzeptanz von entfernteren Wohngegenden

Der Arbeitsplatz rückt zwar in weite(re) Ferne, aber das wird in der digitalen Welt immer weniger wichtig. „Die Technik führt dazu, dass Immobiliensuchende auch bereit sind, Lagen zu akzeptieren, die vom Arbeitsplatz weiter entfernt sind“, erklärt WKO-Fachverbandsobmann Georg Edlauer: „Lagen, die vor vielleicht zehn Jahren uninteressant gewesen wären, gewinnen immer mehr an Bedeutung.“

Die Digitalisierung macht dies möglich, denn wenn man zwei Arbeitstage zu Hause verbringt und sich eventuell noch die Arbeitszeiten einteilen kann, dann hat die kurze Distanz zum Arbeitsplatz nicht mehr oberste Priorität. „Wenn ich zwei Arbeitstage habe, die ich zu Hause verbringe, dann wird die Entfernung erträglicher“, meint Edlauer. Laut einer Studie von IWG, dem Mutterkonzern der Workspace Provider wie Regus und Spaces, arbeiten bereits rund 42 Prozent der Österreicher mindestens einmal pro Woche außerhalb des Büros. Dabei steht die Entwicklung bei uns erst am Anfang, denn die IWG-Studie zeigt, dass der Schnitt in den 96 untersuchten Ländern fast doppelt so hoch ist wie hierzulande. Laut dieser größten jemals durchgeführten Umfrage zum Thema „Flexibles Arbeiten“ sind 70 Prozent der Arbeitnehmer mindestens einen Tag pro Woche nicht im Büro. 53 Prozent, also knapp mehr als jeder Zweite, arbeiten sogar mindestens die Hälfte der Woche aus der Ferne, und mit elf Prozent befindet sich mehr als jeder Zehnte fünfmal pro Woche außerhalb des Hauptbüros seines Unternehmens. Der seit Generationen übliche Büroalltag von acht Stunden an fünf Tagen die Woche an einem festen Standort löst sich auf, und damit verändert sich die Nachfrage nach Immobilien.

Potenzial nach oben

Michael Pisecky, Geschäftsführer von s REAL, sieht eine solche Entwicklung bereits im eigenen Unternehmen und ist überzeugt, „dass sich diese Situation in den nächsten Jahren noch verstärken wird“. Es ist nämlich nicht nur das Einfamilienhaus in stadtnahen Bereichen gefragt, sondern zunehmend auch das „etwas weiter weg“ liegende. Kein Wunder, dass laut dem Immobilienpreisspiegel der WKO österreichweit die Baugrundstücke für Einfamilienhäuser mit 6,9 Prozent plus die stärkste Veränderung erfahren haben.

So sind in den günstigen Gegenden rund um Wien – und das betrifft Teile von Niederösterreich, vor allem aber das Burgenland – die Preise für Grundstücke stark gestiegen sind. „Bemerkenswert ist, dass im Burgenland im Gegensatz zu den Vorjahren vor allem auch im Süden des Landes die Preise durchwegs angezogen haben“, stellt Fachgruppenobmann Günter Buchinger für das Burgenland fest.

Die Digitalisierung macht es möglich

Dieser Trend zeigt sich allerdings nicht nur in Österreich. Laut dem deutschen F+B-Wohnindex weichen Privathaushalte mit mittleren Einkommen zunehmend auf die Umlandgemeinden der Metropolen und Ballungsräume aus. „Der vielbeschworene Drang in die Innenstädte für wohneigentumsbildende Familien ist dort immer weniger realisierbar, sodass Ausweichbewegungen in das Umland unausweichlich sind“, erklärt F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner. Was vor Jahren bedeutete, dass die Arbeitnehmer zumindest einen Arbeitstag in der Woche im Auto versitzen, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen, hat seinen Schrecken verloren. Die digitale Anbindung ist für diese Regionen DAS Thema. Beim deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) ist man sich sicher, dass der zukünftigen digitalen Versorgung der Regionen eine wesentliche Bedeutung bei der Nachfrage nach Baugrundstücken oder Einfamilienhäusern zukommt.

Ein Beitrag von:

Walter Senk Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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