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Von wegen „schwaches“ Geschlecht!

Von wegen „schwaches“ Geschlecht!

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Beim Immobilienkauf von Paaren entscheiden die Frauen, wo es langgeht beziehungsweise wo gewohnt wird, und weniger der Mann. Bei den Details und bei der Einrichtung geht dann die Schere erst richtig auseinander.

Frauen und Immobilien sind eine vielschichtige Angelegenheit und alte Wertvorstellungen kann man gleich über Bord werfen. So hat die klassische Rollenverteilung beim Immobilienerwerb schon ausgedient: In Deutschland werden rund 60% aller Auswahlentscheidungen für Immobilien von Frauen getroffen. In Ostdeutschland ist die weibliche Dominanz dabei am größten, was mit der alten staatlichen Struktur und der starken Gleichberechtigung in der DDR von Mann und Frau zu tun hat. Hier beruhen 90% aller Kaufentscheidungen auf den Wünschen des weiblichen Geschlechts. In Österreich dürften sich die Werte eher an denen der alten deutschen Bundesländer orientieren und werden so bei rund 60 Prozent angesiedelt sein.

Je älter, desto mehr Einfluss

Bei Immobilien-Käufern im fortgeschrittenen Alter lässt sich laut Studie einer deutschen Bank nochmals deutlich ein Anstieg der Frauendominanz in der Entscheidungsfindung beobachten: Vier von fünf Entscheidungen bei den über 60-Jährigen werden von Frauen getroffen. In ähnlicher Weise geht es dann weiter, wenn es um die Details wie Inneneinrichtung und Gestaltung der Immobilie geht. Ob modern, puristisch, gemütlich oder rustikal: 86% der Frauen kümmern sich um die Möblierung des neuen Heims. Auch in gestalterischen Fragen liegt das weibliche Geschlecht vorn: Über Ausstattungsgegenstände wie Gardinen, Tapeten, Bodenbeläge und Armaturen entscheiden 78,9% der Frauen.

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Aus dem Bauch heraus

Der Immobilienkauf wird bei den Frauen viel stärker als bei den Männern „aus dem Bauch heraus entschieden“, wie eine repräsentative Umfrage der deutschen comdirect Bank ergab. Trotz Wirtschaftskrise ist also nicht nur die Höhe des Preises kaufentscheidend, auch die „inneren Werte“ zählen bei der Suche nach den eigenen vier Wänden.

Bei 85% der Frauen ist das Bauchgefühl beim Immobilienkauf entscheidend, was heißt, die Wohnung oder das Haus müssen auf den ersten Blick gefallen. Bei Männern fällt die Entscheidung etwas rationaler aus; „nur“ 77% kaufen nach eigenen Angaben aus dem Bauch heraus. Bei diesem Kaufverhalten, das vermutlich viele Immobilienmakler bestätigen können, entscheiden Kunden schon nach einem Blick und ohne weitere technische Details zu kennen, ob sie diese Immobilie kaufen wollen oder lieber weiter nach der perfekten Traumwohnung suchen.

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Lage kommt an zweiter Stelle

Wenig überraschend spielt neben der „Liebe auf den ersten Blick“ auch die Lage eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung: 46% der Frauen finden eine Top-Lage wichtig und 37% der Männer schließen sich laut der repräsentativen Umfrage der comdirect Bank hier an. Die Nähe zu den eigenen Eltern oder erwachsenen Kindern finden rund 49% der Frauen und 37% der Männer wichtig für ihre Entscheidung. Für 46% der Frauen (Männer: 37,5%) ist zudem das Wohnumfeld ein weiteres entscheidendes Kriterium. Wenn sich die Frau nicht wohlfühlt in der neuen beziehungsweise zukünftigen Umgebung, dann wird auch von Paaren nicht gekauft oder gemietet. Prinzipiell fällt auf, dass immer mehr Paare ein getrenntes Zusammenleben mit jeweils eigenständig, autonom geführten Haushalten bevorzugen. Vor allem beruflich ambitionierte Frauen schätzen ein „living apart together“, denn Belastungen im Privatbereich, insbesondere die Auseinandersetzung um die Aufteilung der Haushaltsarbeiten, entfallen. Das heißt, wann und ob überhaupt ein gemeinsames Leben geführt wird, entscheidet in den letzten Jahren immer stärker die Frau.

Objekt muss auch im Alter passen

Einigkeit herrscht dann aber wieder bei den langfristigen und finanziellen Aspekten des Immobilienkaufes. Männern (80,4%) wie Frauen (81,3%) ist es fast gleichermaßen wichtig, dass das erstandene Objekt noch im Alter die Wohnansprüche erfüllen kann. So wird das Augenmerk auch auf Schwerpunkte wie altersgerechtes Wohnen gerichtet. Daneben ist beiden Geschlechtern aber auch die Immobilie als langfristige Kapitalanlage und Altersvorsorge wichtig.

Gruppe wächst weiter

Vor allem bei Frauen sind Immobilien als Finanzvorsorge fürs Alter beliebt. Ob sich eine Investition jedoch wirklich lohnt und die eigene Wohnung oder das eigene Haus tatsächlich die beste aller Geldanlagen ist, hängt vom Einzelfall ab. Freilich, noch bilden Frauen auf dem Immobilienmarkt eine kleine Käuferschicht. Noch seltener treten sie als Bauherrinnen auf. Doch das könnte sich ändern. Schließlich steigt nicht nur die Zahl der Single-Haushalte, sondern auch die berufliche Qualifikation der Arbeitnehmerinnen samt Einkommen, und damit wächst die Gruppe der potenziellen Immobilienerwerberinnen.

Nur in Europa? Weit gefehlt!

2010 waren 10,2% aller Eigentumswohnungen in China im Besitz unverheirateter Frauen, wie eine Studie der Beijinger Agentur Centaline Property belegt. 2009 lag die Zahl noch bei 8%. Das Eigenheim vermittelt Chinas Frauen ein Gefühl von Selbstwert, Unabhängigkeit und Sicherheit. Auch gilt es als Langzeitinvestition mit Gewinnaussichten. Der Anteil weiblicher Wohnungseigentümer wird kontinuierlich steigen, da Chinas Frauen immer unabhängiger werden. Eine Marktstudie von Ernst Young, einem der weltweit größten Consultingunternehmen, zum Kaufverhalten chinesischer Konsumentinnen zeigt, dass 23% der verheirateten Frauen selbst die Entscheidung treffen, wenn es um den Kauf von Immobilien und Autos geht. Die restlichen 77% gaben an, die Kaufentscheidung mit ihrem Partner auszudiskutieren. Sicher ist, dass die Vorlieben und Abneigungen der Ehefrauen eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung zum Kauf spielen. Nicht nur in China.

Ein Beitrag von:

Walter Senk Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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