Sickereffekt

Wer von einer größeren Stadtwohnung in den Speckgürtel ziehen möchte, findet leicht Nachmieter. Und auch auf deren vorherige Domizile wartet oft schon jemand. Wie wirkt sich dieser Reigen auf den Wohnungsmarkt aus?

Walter Senk:

Vom Sickereffekt spricht man, wenn durch die Schaffung von hochwertigem Wohnbau – egal ob Miete oder Eigentum – durch den Neubezug weitere Umzüge nach unten hin ausgelöst werden.

Dieser Effekt wurde jetzt durch eine Studie von empirica im Auftrag der LBS West in Deutschland bestätigt. Und dürfte bei uns in Österreich sehr ähnlich ausfallen.

empirica hat in Köln, Dortmund und Münster nachverfolgt, welche Wohnungen durch den Bezug eines Neubau-Eigenheims frei wurden. Gut verdienende und etablierte Familien ziehen in eine Immobile am Stadtrand oder im Speckgürtel der Stadt.

Dadurch wird eine größere gemietete Immobilie frei. Das kann ein Haus, aber auch eine Wohnung sein.

Diese wird von Paaren bezogen, die selbst wieder einen größeren – und doch noch günstigen – Wohnraum benötigen. Vielleicht, weil schon Kinder da sind oder noch kommen. Durch deren Umzug werden kleine, zentrumsnahe Wohnungen für Singles oder gerade zusammengezogene Paare frei.

In Zahlen betrachtet, profitieren 3,33 Haushalte von jeder neuen größeren Immobilie, die errichtet wird. Das ist zwar eine interessante Entwicklung, aber der Wohnungsnot wird man dadurch natürlich nicht Herr.

Denn so viele teurere Wohnungen oder Häuser werden gar nicht errichtet, wie nach unten hin neuer Wohnraum benötigt wird. Das heißt, der Preisdruck im unteren Segment wird weiterhin anhalten, womit der Sickereffekt auch nur eine beschränkte Wirkung hat.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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