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Wohnen wir bald im „Hotel“?

Hotels und Apartmenthäuser durchlaufen eine unglaubliche Entwicklung, und vermutlich zeigen sie bereits heute die nächste Stufe des Wohnens auf.

Die Apartment-Industrie entwickelt immer neue Konzepte und spricht damit unterschiedliche Zielgruppen an. In den vergangenen Jahren hat sich diese Wohnform erst einmal in unseren Breiten etabliert, jetzt kommen die unterschiedlichen Ausformungen. Im extrem wachsenden Serviced-Apartment-Segment orientieren sich die Marktbeteiligten in ihren Konzepten immer weniger an den klassischen Zielgruppen als vielmehr an Lebensstilen, Neigungen und Werten.

Auflösung der Grenzen

Dadurch vermischen sich die Apartmentkonzepte in einer unabsehbaren Dynamik und mit einer nie dagewesenen Markenvielfalt. „Die einst starren Grenzen zwischen Serviced Apartments, Wohnwirtschaft und Hotellerie haben sich aufgelöst“, erklärt Anett Gregorius, Gründerin und Inhaberin von Apartmentservice. Und das äußerst Spannende: „Aktuelle Wohnen-auf-Zeit-Konzepte werden auch zu einem Maßstab für künftige Wohnmodelle.“ Hier wird sozusagen am lebenden Objekt geforscht. Learning by doing. Denn was in der Serviced-Apartment-Welt seine Berechtigung hat, das kann durchaus auch in die weite Welt des Wohnens expandiert werden.

Man weiß, wen man wo trifft

„Auffallend ist, dass sich die Akteure immer stärker an Lebensstilgruppen orientieren, die man von den Sinus-Meta-Milieus kennt“, erklärt Gregorius. (Die Sinus-Meta-Milieus existieren übergreifend in mehr als 40 Ländern und fassen Menschen zusammen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln – Anm. d. Red.) „Neue Brands wie Sylc., Joyn (Corestate) und The Fizz (International Campus) oder Hotelmarken wie R.evo (Vienna House) richten sich mit ihren Konzepten heute nicht mehr allein an den klassischen Zielgruppen der Geschäftsreisenden, Berufsanfänger, Städtereisenden oder Studenten aus, sondern mixen die Elemente, um primär Milieus wie die „Established“, „Performers“, „Sensation-Oriented“ oder die „Digital Avantgarde“ zu bedienen, meint Gregorius. Also kein Mix mehr der Menschen, sondern die Gäste wissen, wen sie treffen: ihresgleichen sozusagen.

Revolution und Evolution

In dem angesprochenen Konzept von Vienna House wird die klassische Hotelkategorisierung gesprengt. „Das neue Konzept der Vienna-House-Gruppe ist etwas zwischen Hotelrevolution und -evolution, das sich daran orientiert, wie Menschen heute leben und arbeiten wollen“, sagt Rupert Simoner, Vorstandsvorsitzender von Vienna House. „Die Technologisierung hat uns verändert, und es wird Zeit, dass wir diesen neuen Lebensmodellen den passenden Raum bieten.“ Im Vienna House R.evo können Gäste oder Bewohner für eine Nacht, mehrere Monate oder auch nur für einen halben Arbeitstag einchecken. Sie haben die Wahl zwischen Hotelzimmern, komplett ausgestatteten Studios, sogenannten Friends- oder Family-Rooms, wo alle zusammen und dennoch mit viel Privatsphäre übernachten, oder sie können sich einfach einen Arbeitsplatz mieten.

Urlaub, Freizeit, Arbeit, Wohnen

Urlaub, Freizeit, Wohnen oder Arbeit? Man weiß es nicht, aber das Konzept kommt an. Die komplette Technik und der Service sind vorhanden, inklusive der einen oder anderen Überraschung, da mit unterschiedlichen Unternehmen und Pop-ups im Umkreis zusammengearbeitet wird – sei es die Bäckerei, der Scooter- oder Fahrradverleih, der Designer oder Gastronomiebetriebe. Es gibt ein durchdachtes Konzept, aber kein starres Korsett. Individualität und Kleinteiligkeit sind vor allem bei der jüngeren Generation up to date. Aus dem „klassischen“ Hotel, das man im Urlaub besuchte, wird eine komplett neue Wohnform. Und es ist anzunehmen, dass diese neuen Konzepte bereits das Wohnen der Zukunft abbilden.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

1 Kommentar

    Ich habe auch bemerkt, dass sich die Grenzen zwischen Wohnungen und Hotels auflöst. Ich wohne in einer Großstadt und sehe hier immer mehr neue Wohnkonzepte entstehen. Ich finde das gut, denn das es immer mehr Singles gibt ändern sich auch die Wohnbedürfnisse der Gesellschaft.

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