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Wichtig ist, dass es funktioniert

Ein bislang beispielloser Flexibilisierungsprozess kennzeichnet die Arbeitswelt von heute. Auslöser sind einerseits die gravierenden Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und andererseits die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie.

Einzelbüro oder Großraumbüro? Je nach Tätigkeit waren das jahrzehntelang die gängigen Büromuster. Heutzutage verändert sich die Bürowelt mit der Technik rasanter und die Frage nach einem oder mehreren Tischen stellt sich gar nicht mehr. Zu unterschiedlich sind die Arbeitsanforderungen, zu schnell bewegt sich die Technik. In Deutschland gaben zum Beispiel etwa 32% der Befragten aus Unternehmen mit 100 bis 250 Mitarbeitern an, mindestens einmal pro Tag an einer Telefonkonferenz teilzunehmen. 46% mindestens einmal in der Woche. Viele Arbeitnehmer kommen in Zukunft nicht mehr jeden Tag ins Büro. Einige werden gar keinen festen Arbeitsplatz mehr haben. Schon heute sitzen nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation nur 39% der Arbeitnehmer immer am selben Schreibtisch. 22% arbeiten von zu Hause oder an wechselnden Tischen in der Firma. „Ein genereller Trend ist, dass die Mitarbeiter an der Leistung gemessen werden und nicht daran, wann sie ins Büro kommen und wieder gehen“, erklärt Garry Gürtler, Geschäftsführer von Regus in Österreich, der Schweiz und CEE/SEE.

Veränderte Arbeitsprozesse

Wir befinden uns in einer sich stetig verändernden Arbeitswelt und was gestern gegolten hat, gilt heute nicht mehr und was heute seine Berechtigung hat, das wird vielleicht in der Zukunft keinen Platz finden. So wie sich die Aufgaben ändern, so ändert sich auch das Arbeitsumfeld und in diesem Prozess stellt sich heraus, dass der Arbeitsplatz mehr ist als der Tisch, an dem man sitzt. „Der Arbeitsplatz ist nicht nur eine Fläche, auf der man schreibt, sondern die gesamte Infrastruktur des Büros mit allen Zonen und Bereichen“, erklärt Wolfgang Neubert, Vorstand Bene AG: „Es wird nicht ein– oder das– Büro der Zukunft geben, sondern eine Vielfalt unterschiedlich gestalteter Büros und eine Vielzahl von Orten der Arbeit– auch innerhalb eines Büros.“

Das Büro der Zukunft existiert nicht

Das Büro der Zukunft zeichnet sich auch für Sandra Böhme, geschäftsführende Gesellschafterin der Firma aconsea in Stuttgart, nicht ab: „Es gibt in jedem Unternehmen andere Arbeits- und Organisationskonzepte und alles konzentriert sich auf ergebnisorientiertes Arbeiten. Man kann das nicht über einen Kamm scheren.“ Wichtig ist in diesem Zusammenhang die zukünftige Entwicklung einer Firma. Die Chefetage muss einfach wissen, wohin der Weg geht. Böhme: „Wie möchte sich das Unternehmen zukünftig aufstellen, wo entwickeln sich Geschäftsprozesse hin, was bedeutet das für die Arbeitsabläufe und was bedeutet das für die Anforderung an das Bürokonzept?“ Die Unternehmen begegnen den beruflichen Entwicklungen je nach Notwendigkeit mit unterschiedlichen Mitteln. Man versucht die Arbeitsweise der Arbeitswelt anzupassen– und damit ändern sich auch die Vorgaben. Auch innerhalb der jeweiligen Büros.

Kommunikation der Mitarbeiter

Zahlreiche große Konzerne gehen zunehmend in Richtung Multispace-Bürowelten und offene Strukturen. Aus wirtschaftlichen Gründen und wegen der Kommunikation der Mitarbeiter untereinander. Auch „desk sharing“ und Homeworking werden in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Laut internationalen Studien sind in Unternehmen die Arbeitsplätze zwischen 43 und 60% der Zeit belegt. In der übrigen Zeit sind sie leer. Wenn die Mitarbeiter im Büro sind, ist es aber wichtig, dass sie sich sehen und kommunizieren. Dafür sind offene Lösungen gedacht. Wer alleine arbeitet, bringt nach Angaben des US-Wissenschaftsmagazins „Nature“ bis zu 60% weniger Leistung. Die Zusammenarbeit in Projektteams wird künftig noch wichtiger. Kollegen, die gerade gemeinsam an Projekten arbeiten, sollten deswegen dicht zusammensitzen, raten Experten.

Schnittstelle für alle Formen der Arbeit

Die Münchner Zentrale der Boston Consulting Group ist zum Beispiel dahingehend ausgerichtet. Es gibt voll verglaste Büros mit Schnittstellen für Notebooks und hochmoderne Telefonanlagen. Transparenz und Offenheit sind hier oberstes Gebot. Die meisten der 500 Mitarbeiter haben keinen festen Arbeitsplatz, sind aber in 13 Abteilungen organisiert, um den Workflow zu erhalten und die Kommunikation zu fördern. Zudem sind die Wege innerhalb des Münchner Büros so organisiert, dass sich die Menschen möglichst häufig begegnen. Weil ein Aufzug ohne Türen diesem Prinzip entspricht, verbindet ein Paternoster die Büro-Etagen. Ein anderes Konzept beschreibt aconsea-Geschäftsführerin Böhme: „Ein Kunde von uns, ein US-amerikanisches Unternehmen, hat nur noch eine kleine Zentrale, die anderen Standorte wurden angemietet und die Mitarbeiter arbeiten von ihren Home-Office aus.“ Bei den angemieteten Standorten in zentraler Lage gibt es einen öffentlichen und einen nicht-öffentlichen Bereich für Kunden und Mitarbeiter. „Das ist auch eine Variante“, so Böhme.

Miteinander und Wohlfühlen

Egal, in welcher Form und wo die Mitarbeiter arbeiten, ein weiterer wichtiger Aspekt beziehungsweise einer, der immer wichtiger wird, ist die soziale Komponente. Damit ist einerseits das Miteinander gemeint, andererseits auch der Wohlfühlfaktor im Büro. Die Firmen haben erkannt, dass das Wichtigste in der Krise ist, dass das Team und die Zusammenarbeit stimmen. Da wird dann auch Geld investiert. Wer sich am Arbeitsplatz wohlfühlt, ist nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) um bis zu 54% produktiver. Zum Wohlfühlen gehört auch gelegentliche Entspannung. „Deshalb sollen die Angestellten ab und zu in Sitz- und Stehlandschaften rumlümmeln, brainstormen oder Projekte besprechen können“, sagt Jörg Kelter vom IAO.

Vom realen und vom fiktiven Standort

Wer professionell Büroflächen zur Verfügung stellt und damit sein Geld verdient, der macht sich natürlich auch seine Gedanken über die Zukunft. So auch bei REGUS. Geschäftsführer Garry Gürtler: „Traditionell war der Büromieter unser Hauptkunde. In der Zwischenzeit haben wir unser Produktportfolio sehr erweitert mit Dienstleistungen, Virtual Offices und mit Kunden, die als Homeworker oder mobil arbeiten.“ In dem Segment, in dem Leute ein virtuelles Büro nutzen, ist das Unternehmen in der letzten Zeit am stärksten gewachsen. Die Treiber hinter der Entwicklung sind ganz klar: die teuren Büroquadratmeter, vor allem diejenigen, die ungenutzt sind, und natürlich der Kostendruck auf die Unternehmen, der immer mehr zunimmt. Gürtler: „Uns kommen natürlich der Trend zum portablen Arbeitsplatz und die Technik sehr zugute.“ Auch Verkehrsknotenpunkte werden seiner Meinung nach als Arbeitsplatz immer wichtiger: „Es werden auch viel mehr Business-Lounges in den Bahnhöfen entstehen– davon gehen wir aus und das ist auch eines unserer Ziele.“

Artikel aus dem Immobilien Investment Österreich/Oktober 2011

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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