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Viermal im Leben

Was für US-Amerikaner gang und gäbe ist, ist es für Europäer nicht: nämlich übersiedeln. Das ist für die meisten Europäer sogar ein seltenes Ereignis, obwohl es auch da gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt.

Betrachtet man den europäischen Durchschnittsbürger, so stellt man fest, dass dieser viermal in seinem Leben den Wohnort oder zumindest die Wohnung wechselt. Das ergibt eine aktuelle RE/MAX-Europe-Umfrage über die Wohnverhältnisse in 16 europäischen Ländern. Dabei sind die Unterschiede sehr groß, denn während ein Fünftel der Befragten höchstens einmal den Wohnort gewechselt hat, hat fast ein Viertel den Wohnsitz mehr als sechsmal verlegt. Die Österreicher stellen sich beim Wohnsitzwechsel als Durchschnittseuropäer heraus– das heißt: fast, denn im Schnitt hat ein Europäer 3,9 Wohnungswechsel hinter sich, und in Österreich sind es 4,0.

Ein kurzer Blick auf die Nachbarländer zeigt, dass die Österreicher auch in diesem Umfeld Durchschnitt sind. Die Deutschen erweisen sich mit 4,5 Wechseln als deutlich mobiler, ebenso die Schweizer mit– ganz entgegen dem Klischee– 5,6 Umzügen. Deutlich sesshafter sind dagegen die Tschechen mit 3,3 Übersiedlungen und die Slowaken mit 2,2– ähnlich die Italiener mit 2,4 Standortwechseln in ihrem bisherigen Leben.

Mobilität ist nördlich oder teuer

„Im Vergleich zu Kanada oder den USA, wo die Menschen sehr oft übersiedeln, bleiben Europäer länger an einem Ort und suchen sich tendenziell nur dann neue Wohnmöglichkeiten, wenn sich die Lebensbedingungen ändern, zum Beispiel durch einem neuen Job oder Familienzuwachs“, sagt Michael Polzler, Geschäftsführer von RE/MAX Europe. Jedoch scheint es einen Unterschied zwischen den Ländern im Norden und denen im Süden und Osten Europas zu geben: Während Spanier, Slowaken und Polen im Schnitt nur gut zweimal übersiedeln, verändern Finnen, Schweden und Schweizer rund sechsmal ihren Wohnort, also fast dreimal so oft.

Am mobilsten sind die Finnen mit 6,1 Umzügen und die Schweden mit 5,7. Am anderen Ende der Statistik, bei den Nesthockern, finden sich die Spanier mit 2,4 Wohnungswechseln, während ihre Nachbarn, die Portugiesen, mit 3,1 Übersiedlungen etwas flexibler sind.

Umzug vor 50!

Wie nicht anders anzunehmen, steigt die Umzugsrate mit dem Alter: Wer länger gelebt hat, hatte öfter die Chance oder die Notwendigkeit zu übersiedeln. Das stimmt grundsätzlich für alle Jahrgangsgruppen unter 50. Mit steigendem Alter entwickelt sich die Anzahl der Wohnortwechsel der Österreicher wie im Lehrbuch– sie steigt ziemlich konstant mit einer Übersiedlung in zehn Jahren: 20- bis 29-jährige Österreicher haben 2,8 Wohnungswechsel hinter sich; 30- bis 39-jährige dagegen 3,9; 40- bis 49-jährige sind 4,5-mal gesiedelt. Dann kehrt offensichtlich Sesshaftigkeit und Ruhe ein, denn zwischen 50 und 59 gibt es kaum Veränderungen. Das gilt übrigens nicht nur für Österreich, sondern auch für unsere deutschen Nachbarn.

Kein Wohnsitzwechsel

Unabhängig vom Alter sind nach der RE/MAX-Studie 5% der Österreicher noch nie übersiedelt, 13% einmal und 16 zweimal– zusammengerechnet ist das immerhin ein Drittel der Bevölkerung. Diese geringen Wohnsitzwechsel betreffen vor allem die ländlichen Gegenden. Während die Hälfte der österreichischen Bevölkerung am Land bis zum 59. Lebensjahr maximal zweimal übersiedelt, ist die andere Hälfte in Kleinstädten und im Speckgürtel dreimal und in Wien viermal übersiedelt. Dabei sind im Kontrast zu anderen Ländern übrigens keine geschlechtsspezifischen Unterschiede feststellbar.

Mieter übersiedeln öfter

Wer eine Wohnung oder ein Haus gemietet hat, hat seinen Lebensmittelpunkt deutlich häufiger verändert als Wohnungs- oder Haus-Eigentümer: Ein typischer Mieter übersiedelte bisher im Schnitt fünfmal im Leben, ein typischer Eigentümer nur dreimal.

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