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„Silver Society“ – der prägendste Megatrend der kommenden drei Jahrzehnte

Österreich entwickelt sich, wie alle europäischen Länder, zu einer „Silver Society“, in welcher der 50. Geburtstag die Mitte des Lebens markiert. Mit „Betreutem Wohnen“ hat das Unternehmen Silver Living auf diesen steigenden Markt gesetzt. Geschäftsführer Walter Eichinger im Interview, warum für ihn in Zukunft dieses Segment das größte Entwicklungspotenzial hat.

Warum steigt der Bedarf an Betreutem Wohnen?

Eichinger: Ende 2030 werden mehr als drei Millionen Österreicher den 60. Geburtstag hinter sich haben, und 23 Prozent werden älter als 65 Jahre sein, die Anzahl der Hochbetagten wächst noch dynamischer. Internationalen Experten zufolge nehmen bereits heute zehn Prozent der über 70-Jährigen Betreutes Wohnen in Anspruch. Das wären im Jahr 2030 rund 160.000 Personen. Wenn man davon die am Markt vorhandenen „seniorenorientierten Serviceimmobilien“ (Betreutes Wohnen, Seniorenresidenzen etc.) abzieht, werden immer noch mehr als 100.000 Einheiten benötigt werden. Die demografische Entwicklung bedingt somit, dass die über 50-Jährigen die zahlenmäßig stärkste Nachfragegruppe am Wohnungsmarkt sein werden und Seniorenimmobilien die bestimmende Assetklasse der nächsten 50 Jahre sein werden.

Können Sie schätzen, wie viele Projekte es in Österreich derzeit gibt?

Eichinger: In Österreich liegt die Bauleistung im Bereich Betreute Wohnungen bei rund 1.300 Einheiten im Jahr. Das entspricht zwar nur einem Anteil von rund drei Prozent am gesamten Neubau, bedeutet aber einen enormen Anstieg gegenüber den Vorjahren. Insgesamt steht heute ein Bestand von rund 15.000 Betreuten Wohnungen zur Verfügung, im Vergleich zu ca. 80.000 Heimplätzen.

Was kostet das Wohnen in diesen Residenzen?

Eichinger: Silver Living versucht die Kosten so transparent wie möglich zu gestalten, das heißt, dass wir trotz der unterschiedlichen Preisgestaltungssituationen in den Bundesländern die Kostenkomponenten einheitlich halten und diese mit einem Richtwert kommunizieren. Zu den Standardkomponenten bei den monatlichen Kosten gehören die Miete, die Betriebskosten, die aliquote Beteiligung am Gruppenraum und das Betreuungsentgelt. Je nach Standort und Förderungsbestimmungen variieren die Mietpreise inkl. Betreuungsentgelt für Wohnungen, beginnend bei ca. 350 Euro in der Steiermark bis zu ca. 800 Euro in Mödling.

Was brauchen Senioren zum sorgenfreien Wohnen?

Eichinger: Betreutes Wohnen spricht zum Großteil selbstbewusste, aktive ältere Menschen um die 70 Jahre an, die aufgrund verschiedener Lebensumstände ihre aktuelle Wohnsituation verändern möchten. Menschen, die es gewohnt sind, beruflich und privat sehr aktiv zu sein und die keine bzw. kaum Pflege benötigen. Sie möchten weiterhin selbstbestimmt bleiben, ein soziales Netzwerk haben und auf organisatorische Unterstützung im Alltag zählen. Sie entscheiden selbst, wann sie sich mit anderen Menschen treffen und wann sie sich zurückziehen wollen.

Weitere Anreize, um autonom agieren zu können, sind die zentrale Lage unserer Häuser sowie die Möglichkeit, niederschwellige optionale Dienstleistungen jederzeit in Anspruch nehmen zu können.

Als wichtigsten Aspekt sehen wir aber die Bildung von guten Hausgemeinschaften in unseren Häusern, die den Menschen Sicherheit und Rückhalt geben, was in dieser Lebensphase ein wichtiger sozialer Aspekt ist.

Was werden die wesentlichen Faktoren beim Betreuten Wohnen in der Zukunft sein?

Eichinger: Die strenge Trennung von „ambulant“ und „stationär“ wird es künftig nicht mehr geben. Alle europäischen Betreuungs- und Pflegekonzepte gehen ganz klar in diese Richtung – ein erster Ansatz sind eben „Betreute Wohnanlagen“. Wir werden uns daher verstärkt auf „Hybridmodelle“ konzentrieren müssen, beispielsweise Tages- oder Kurzeitpflege im Erdgeschoß, in den Obergeschoßen Betreute Wohneinheiten und im Dachgeschoß eine Seniorenwohngemeinschaft oder eine ambulant betreute Wohngemeinschaft.

Im städtischen Bereich werden wir uns vermehrt mit „Campus- und Leuchtturmkonzepten“ auseinandersetzen müssen, das bedeutet barrierefreie Wohnungen in einem barrierefreien Umfeld mit entsprechender Infrastruktur und einem „Stützpunkt“.

Das ganz große Thema wird künftig der Umgang mit neurokognitiven Störungen, also Demenz, sein. Und die Frage wird dabei nicht sein, ob eine Versorgungslücke entsteht, sondern wie wir diese Versorgungslücke fachlich, gesellschaftlich und sozialpolitisch in den kommenden Jahren gestalten, ausfüllen oder reduzieren.

Wo entstehen die nächsten Projekte?

Eichinger: Auch als Projektentwickler sind wir uns unserer gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung bewusst. Der Fokus von Silver Living liegt daher nicht nur auf der Entwicklung von Seniorenwohnanlagen in den wirtschaftlich starken städtischen Gebieten, sondern vor allem auch auf den ländlichen oder von Abwanderung bedrohten respektive investitionsschwachen Regionen. „Betreute Wohnformen“ auch in kleineren Gemeinden verhindern die Abwanderung sowie den Verlust wichtiger Infrastrukturen und führen letztlich zu einer Stärkung der jeweiligen Region.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

2 Kommentare

    Walter Eichinger trifft den Punkt: Was wir brauchen ist die Verabschiedung von starren Strukturen, Aufbrechen in die Welt modular gestalteter, an den individuellen Bedarfen der Menschen orientierter und damit auch wirtschaftlich effizienter Angebotsmodelle – nicht zuletzt wegen des allgemeinen Ressourcenmangels (nicht nur Finanzen, v.a. auch Personal!). Aus der konzeptionellen Begleitung von Investoren und Betreibern in Mittel- und Südeuropa kann ich nur sagen: nicht erst in den nächsten drei Jahrzehnten, sondern bereits heute! Der Trend ist nicht mehr Schimäre, sondern große Betreiber und Investoren haben sich bereits auf den Weg begeben. Zwar gilt auch hier „per aspera ad astra“, aber der große Unterschied zu anderen Branchen ist eben der, dass wir es mit einem wachsenden Markt zu tun haben.

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