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Immobilien im Klimawandel

Egal, ob die Wetterveränderungen vom Menschen gemacht sind oder einer natürlichen Temperaturentwicklung der Erde in einem Kreislauf von 10.000 bis 15.000 Jahren entsprechen– sie werden in den nächsten Jahren einen massiven Einfluss auf die Immobilien haben.

Gebäude benötigen 40% der weltweiten Energie und verursachen 40% der schädlichen Treibhausgase– in Städten sogar bis zu 70%. Gebäude haben nicht nur ein Klima, sie schaffen es auch, weil in ihnen sehr viel Energie gebunden ist. Es muss daher nachhaltig gebaut werden. Das ist die eine Seite. Die andere Seite: Welche Auswirkungen haben ein steigender Meeresspiegel, längere Hitzeperioden oder andere Wetterextreme auf Immobilien und ihren Standort? Ein steigender Meeresspiegel könnte zum Beispiel die einst teuersten Plätze direkt am Wasser unbrauchbar und unverwertbar machen. Aber nicht nur einzelne Immobilien sind betroffen, sondern auch ganze Städte und sogar Länder.

Steigender Meeresspiegel

In den Niederlanden leben zwei Drittel der Bevölkerung unterhalb des Meeresspiegels, und die Regierung wendet jährlich etwa 1% ihres Haushalts für das ausgeklügelte System aus Deichen, Dünen und Strandmauern auf. Seit 2003 wird eine Philosophie des „Lebens mit Wasser“ verfolgt: Tausende Kanäle werden miteinander verbunden, sodass das Land wie ein einziger großer Schwamm plötzlich einströmende Wassermassen absorbieren kann.

Auch in New York wappnet man sich gegen Wetterextreme. Aus einer Untersuchung zu den Folgen der Erderwärmung ging hervor, dass der Meerespegel rund um New York City in den nächsten 40 Jahren um mindestens 60 Zentimeter steigen könnte. Die Zahl der besonders heißen Sommertage wird sich verdoppeln oder sogar verdreifachen– Stürme wie „Sandy“ könnten dann fast zum Alltag gehören. In einem 400-seitigen Maßnahmenkatalog zur „Rettung New Yorks“ vor dem drohenden Klimawandel werden rund 20 Milliarden Dollar veranschlagt, um die Ostküstenmetropole mit Deichen, künstlichen Stränden und Investitionen in die Energieinfrastruktur gegen steigende Pegel und immer heißer werdende Sommer zu rüsten. Das ist eigentlich wenig, wenn man bedenkt, dass der Hurrican „Sandy“ einen Schaden von rund 19 Milliarden Dollar verursacht hat.

Es könnte noch heißer werden

Auch die Klima-Prognosen für den Mittelmeerraum sehen nicht gut aus. Wo heute noch Sonne, Sand und Meer locken, könnte es– so die Wissenschaftler– in den nächsten 15, 20 oder 25 Jahren so heiß werden, dass niemand mehr dort wohnen will. Wenn man, zumindest tagsüber, nur noch im Innern des Hauses mit Klimaanlage sitzen kann, sinkt der Erholungswert, und der Reiz, eine Immobilie im Süden sein Eigen nennen zu können, geht spürbar zurück. Die gleiche Wertverlust-Entwicklung könnten im Übrigen auch die heute noch so angesagten Chalets in den einschlägigen Wintersportgebieten unseres Kontinents ereilen. Dies gilt überhaupt insgesamt für die Wintertourismus-Immobilien. Sollten, wie Klimaforscher sagen, heiße Gegenden noch heißer werden, dann könnten natürlich auch Städte in der Wüste relativ schlechte Karten haben– zumal schon ihre Erhaltung in einer unwirtlichen Klimaklimazone und Umwelt äußerst schwierig ist. Steigen die Erhaltungskosten, so stellt sich schnell die Frage der Rentabilität.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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