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Hinter den Kulissen

Die Immobilienbranche– vor allem Makler und Hausverwalter– hat in der Öffentlichkeit manchmal einen schlechten Ruf. Hinter den Kulissen allerdings erfolgt ein großer Paradigmenwechsel, dessen Ziel ein neues positives Image ist. Die Kunden nehmen diese Entwicklung noch nicht so wahr, aber sie verändert die gesamte Branche nachhaltig.

Noch nie gab es in der Immobilienbranche so viele Initiativen und neue Wege, um das Image der gesamten Branche zu verbessern. Egal, ob Qualitätssiegel oder Zertifizierungen, Nachweise oder Mieterpässe. Der Kunde sieht von all diesen Dingen recht wenig, da sie sich doch und noch innerhalb der Branche bewegen, aber es herrscht viel Dynamik bei offiziellen Stellen und auch in privaten Unternehmen. Oliver Brichard, Fachgruppenobmann von Wien: „Ich glaube, dass im Augenblick in weiten Teilen der Branche viele Kollegen die Bereitschaft haben, an den Rahmenbedingungen zu drehen.“ Den Verantwortlichen liegt sehr viel daran, diese neuen Ideen weiterzutragen. „Die Honorargrundlage basiert auf Leistungsinhalten und der Makler entwickelt sich von der Namhaftmachung von Objekten zum versierten Dienstleister.“

Der IMMY

Seit 2006 gibt es auf Initiative der WKO Wien den IMMY. Die Wiener Makler werden von anonymen Testkunden („Mystery Shoppers“) auf Fachkompetenz und Servicequalität überprüft. Die Besten werden jedes Jahr von einer Jury ausgezeichnet. Brichard: „Konkret geht es dabei um Kriterien wie die Reaktionsgeschwindigkeit auf Anfragen, die Qualität und Vollständigkeit der schriftlichen Unterlagen zu einem Objekt, die Freundlichkeit der Mitarbeiter, Verbindlichkeit und Termintreue.“

Die Immocard

Die Immocard– eine Initiative der WKO– ist ein weiterer Schritt quer durch Österreich, um einen hohen Standard bei Maklerunternehmen zu halten. Mit der Immocard kann jeder Makler nachweisen, dass er eine breite Ausbildung genossen hat und profunde Auskunft geben kann. Thomas Malloth, Fachverbandsobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder: „Ich sehe die Immocard zusammen mit einem verschärften und modernisierten Standesrecht. In Wien haben wir das Pilotprojekt gestartet, derzeit haben wir sie auch in Niederösterreich, Steiermark und Burgenland und im Herbst folgen die anderen Bundesländer. Ich habe Ende Mai die Immocard den Mitgliedstaaten der Europäischen Union vorgestellt, weil wir davon ausgehen, dass die anderen europäischen Staaten unsere Idee übernehmen wollen.“ (Gesamtes Interview unter: Tische, Anachronismen, Maklergebühren Co.)

Der Mieterpass

Die Hausverwaltung Rustler hat sich gemeinsam mit größeren und kleineren Immobilienbesitzern Gedanken gemacht, wie man ordentliche und pflichtbewusste Mieter belohnen beziehungsweise unterstützen kann. Martin Troger, Geschäftsführer der Hausverwaltung Rustler: „Die Idee ist, ordentlichen Mietern einen positiven ,Mieterpass‘ auszustellen. Der Mieterpass ist vergleichbar mit einem Arbeitszeugnis. In der Berufswelt ist das ein ganz alltäglicher Vorgang, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein Zeugnis ausstellt. Dieser Mieterpass kann, analog zum Arbeitszeugnis, für die zukünftige Wohnungssuche dem Vermieter vorgelegt werden. Diese Vorgehensweise ist in einigen Ländern Europas bereits zum Standard geworden. Will man in Deutschland eine Wohnung mieten, wird man nahezu ausnahmslos nach einem positiven Mieterzeugnis gefragt.“ Die Kriterien, um diesen Mieterpass zu erhalten: eine pünktlich bezahlte Miete und eine ordentlich hinterlassene Wohnung. Es wird von einigen Eigentümern bereits laut darüber nachgedacht, Mietinteressenten, die einen positiven Mieterpass besitzen, als Vertragspartner bei Vermietungen zu bevorzugen und ihnen auch bei der Kautionshöhe entgegenzukommen.

Das Qualitätsmaklerprogramm

Mit einer weiteren Initiative setzt die Immobilien-Plattform FindMyHome.at neue Akzente. Das Interesse am „FindMyHome.at Makler Qualitätsprogramm“ ist groß. Alleine im letzten Monat haben sich 30 Unternehmen angeschlossen, erklären die beiden Geschäftsführer Bernd Gabel-Hlawa und Benedikt Gabriel.

Können Sie in kurzen Worten Ihr Qualitätsmakler-Programm beschreiben?

Gabriel: Die Idee des „FindMyHome.at Makler Qualitätsprogramms“ ist, unseren monatlich über 150.000 Immobiliensuchenden einen Überblick zu verschaffen, bei welchen professionellen Immobilienbüros man überdurchschnittliche Betreuung bei der Suche nach Immobilien bekommt. Unsere Bewertungen wurden so ausgelegt, dass der jeweilige Makler von der Kontaktaufnahme bis zur Kundennachbetreuung nach der Besichtigung beurteilt wird.

Gabel-Hlawa: Neben dem Immobiliensuchenden soll das Qualitätsmaklerlisting auf der Startseite von FindMyHome.at auch potenziellen Abgebern, sprich Vermietern und Verkäufern, einen Überblick über aktuelle Top-Player verschaffen.

Was war die Idee hinter der Initiative?

Gabel-Hlawa: Bei unserem Qualitätsprogramm bewertet in erster Linie der Kunde: Jeder FindMyHome.at-User hat die Möglichkeit, nach der Besichtigung des angefragten Objekts den Makler mithilfe von 10 Fragen zu bewerten. Ergänzend hierzu gibt es ein Mystery Shopping, das in Zusammenarbeit mit der FH Immobilienwirtschaft durchgeführt wird.

Erfolgt die Bewertung subjektiv oder nach einem vorgegebenen Schema?

Gabriel: Die Beurteilung erfolgt nach einem vordefinierten Bewertungssystem. Natürlich wird nach dem subjektiven Eindruck des jeweiligen Kunden bewertet.

Besteht hier nicht auch die Gefahr, allfällige negative Ergebnisse zu veröffentlichen und dann dem Maklerimage wieder zu schaden?

Gabel-Hlawa: Nein, da sich die Maklerkunden zu unserem Qualitätsprogramm anmelden. Das Büro erhält auf Wunsch einen Zugang zu unserem Servicetool, mit dem man jederzeit Einblick in den Beurteilungsreport als Gesamtauswertung erhält.

Gabriel: Jene Maklerbüros, welche die Punkteanzahl nicht erreicht haben, erhalten einfach kein Siegel. Es gibt daher keinerlei öffentliche Negativbewertung. Der Report ist anonym, und das Büro hat ein Jahr später erneut die Möglichkeit, sich für das Qualitätssiegel zu qualifizieren.

Das heißt, es geht umgekehrt auch, man kann sich disqualifizieren.

Gabriel: Ja. Die Karten werden jedes Jahr neu gemischt. Wenn bei der nächsten Beurteilungsaktion die Punkte nicht erreicht werden, wird das Siegel entzogen und der Makler wird im Qualitätsmaklerlisting nicht mehr angezeigt.

Welchen Vorteil hat das Maklerbüro davon?

Gabel-Hlawa: Es erhält eine kostenfreie Bewertung des Unternehmens– die Vielzahl an Kundenfeedbacks ist die beste Grundlage, um Verbesserungspotenzial zu erkennen. Durch das Qualitätssiegel wird von Anfang an eine Vertrauensbasis zwischen Kunden und Unternehmen geschaffen. Dies hilft, Interessenten wie auch Abgeber vom Unternehmen zu überzeugen.

Gabriel: Die Makler sehen diese Vorteile auch, denn alleine im letzten Monat haben sich 30 Unternehmen dem „FindMyHome.at Makler Qualitätsprogramm“ angeschlossen.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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