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Für morgen statt von gestern

Die einzig gültige Antwort auf die Frage, wie viel Energie verträglich ist, muss sein: weniger Energie. Österreichweit könnte durch die energetische Optimierung von Wohnflächen jährlich rund eine Milliarde Euro an Energiekosten eingespart werden. Beim Klimaschutz kommt der Immobilienwirtschaft daher eine wichtige Bedeutung zu. Die Branche ist sich dieser Herausforderung bewusst - beim Altbau und beim Neubau.

Denn im Jahr 2010 wurden mehr klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen als je zuvor, teilt die International Energy Agency (IEA) in ihrem aktuellsten Bericht mit. Unabhängig von irgendwelchen Emissionszahlen, die nur stellvertretend für ein Problem stehen, wird es immer mehr Menschen wichtig, durch ihr persönliches Verhalten einen entscheidenden Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Beim Klimaschutz kommt der Immobilienwirtschaft zweifellos eine wichtige Bedeutung zu. Wohn-, Büro- und Geschäftsimmobilien verbrauchen rund 40% der gesamten Energie innerhalb der EU, in Österreich entweichen 20% des Klimabgases CO2 alleine aus Wohngebäuden. Der verantwortungsvolle Umgang mit Energieressourcen betrifft zwar jeden Einzelnen, die Bau- und Immobilienbranche kann dabei jedoch Vorreiter sein. Heizungstechnik, Wärmedämmung, Klimaanlagen, die Vielzahl an Elektrogeräten, 24-Stunden-Beleuchtung und Hintergrundmusik in Einkaufszentren sind nur einige der vielen Energiefresser. In keinem anderen Sektor bieten sich derart wirtschaftlich attraktive Einsparungspotenziale.

Eine Milliarde Einsparungspotenzial

Österreichweit könnte durch die energetische Optimierung von Wohnflächen jährlich rund eine Milliarde Euro an Energiekosten eingespart werden, geht aus einem kürzlich erschienen Report der silberpfeil-architekten hervor. Dieses Ergebnis basiert auf der Annahme einer sanierungsbedürftigen Wohnfläche von 160 Millionen Quadratmetern mit einem durchschnittlichen Energiekosten-Einsparpotenzial von 6,50 Euro pro Quadratmeter. „Maßnahmen zur Energieeffizienz sind zudem die kostengünstigste und sicherste Option, die gerade in diesem Bereich explodierenden Energiepreise abzufedern“, so Walter Wittmann, Vorstand der Premium Immobilien AG. „Hiobsbotschaften aus der Energiewirtschaft sind aufgrund verschiedener Bürden der fossilen Energie mittlerweile unser täglicher Begleiter.“ Der Erfolgsschlüssel zur Kostenoptimierung der explodierenden Energiekosten liegt schon in der energetischen Konzeption eines jeden Projektes. „Die Kombination aus moderner, energiebewusster Bautechnik und der Nutzung erneuerbarer Energie, wie etwa Fernwärme, macht aus verfallenen Gründerzeithäusern wieder gefragte und leistbare Wohn(t)räume“, ergänzt Michael Baert, Geschäftsführer der Premium Bauträger GmbH. „Bei den 150 von Investoren erworbenen und durch die Stadt Wien geförderten Wohnhaussanierungen von Premium konnte dadurch der Heiz- und Wärmeaufwand um durchschnittlich zwei Drittel reduziert werden.“

Beim Neubau keine Frage

Während in Asien die höchsten Wolkenkratzer und größten Shoppingcenter am Reißbrett entstehen, besinnt sich Europa vermehrt auf die Erhaltung des Bestands. Aufgrund demografischer und ökologischer Faktoren liegen Sanierungen und Revitalisierungen und der damit verbundene Werterhalt beziehungsweise die Wertsteigerung am Immobilienstand mehr im Trend als vollständige Neuerrichtungen. Neubauten werden heute schon nach den neuesten energetischen Standards errichtet und Österreich gilt in dem Bereich als großer Vorreiter. Die EU fordert in der Gebäuderichtlinie sogar, dass ab 2020 alle neuen Gebäude nahezu energieautark sein müssen. Ein neu errichtetes Gebäude bereitet für sich alleine gesehen in puncto Energieeffizienz wenig Sorge.

Was machen mit dem Altbestand?

Die weit größere „Baustelle“ betrifft die bereits vorhandenen Immobilien, die durch Modernisierung oder Abriss mit Neuaufbau energieeffizient saniert werden können. Letzteres ist aber nur in der Theorie eine Option. Zumindest in Wien würde ein Abrisstrend bei den aus den verschiedenen Bauepochen stammenden Altbauten das charakteristische Stadtbild gänzlich zerstören. Gebäudesanierungen haben daher in der Bundeshauptstadt, wo rund 50% der Wohnhäuser vor 1960 errichtet wurden, eine besonders große Bedeutung. Förderungen durch das 1984 beschlossene Wohnungssanierungsgesetz ermöglichen in der Weltmetropole die umfassende Revitalisierung bewohnter Wohnungen und Wohnhäuser und bieten dadurch große Chancen umfassender Modernisierungen mit einer ansehnlichen Reduktion des Energieverbrauchs in Gründerzeitbauten.

Österreich hat Vorbildwirkung

Deutschland nimmt sich dabei ein Beispiel an Österreich. Die Grünen fordern die Bundesregierung nun auch zu einer Energiesparoffensive mittels erhöhter Förderprogramme zur Gebäudesanierung auf, durch die der Energieverbrauch bei Gebäuden bis zum Jahr 2020 um 40% gesenkt werden soll. Die energetische Gebäudesanierung soll zudem stufenweise ab 2020 einen Energieverbrauch von höchstens 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr erreichen und die Fördermittel der EU sollen verstärkt für Energieeffizienzmaßnahmen genutzt werden. Zur Erreichung der hochgesteckten klima- und energiepolitischen Ziele der EU kommt der Minimierung des Energieverbrauchs durch Sanierungen also eine Schlüsselposition zu. Kein Wunder, dass die Immobilienbranche deshalb längst einen Wandlungsprozess durchläuft, der beispielgebend ist. „Man darf gar nicht mehr nicht-ökologisch bauen“, meint etwa Reinhard Schertler, Vorstand der s+b Gruppe, die nicht nur in Österreich, sondern auch in Osteuropa für ihre nachhaltigen Projekte bekannt ist. Nachhaltigkeit steht in der Baubranche für gesellschaftliche Verantwortung, und ethisches und effizientes Denken hat für Bauherren bereits in der Planung und folgend im Bau und bei der Bewirtschaftung mittlerweile eine hohe Bedeutung. Immerhin können mindestens zwei Drittel des Energieverbrauchs durch energetische Modernisierung eingespart werden. Und Österreich gilt dabei als Paradebeispiel in Europa, denn das kleine Land im Herzen des Kontinents verzeichnet die höchste Passivhausdichte.

Neubauten und Platzbedarf

Neubauten tragen aber nicht per se zu einer positiveren Ökobilanz bei. Besonders deutlich wird dies bei der Schaffung neuer Wohngebiete. Denn neben der eigentlichen Errichtung müssen in neuen Wohnquartieren sämtliche Infrastruktureinrichtungen (Kindergärten, Weiterbildungseinrichtungen, Einkaufszentren usw.)– deren Aufbau ebenfalls erhebliche Energieressourcen verbraucht– geschaffen werden. Zudem nutzen Bewohner in Randlagen aufgrund des oftmals weniger gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetzes verstärkt den eigenen Pkw. Die Betrachtung einzelner Gebäude ist damit zu einseitig, denn nur die Addition der verschiedenen Faktoren lässt die Frage „Sanierung oder Neubau?“ ökologisch objektiv beurteilen.

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Über den Autor

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Vera Sieder

Marketing-/Kommunikationsprofi in der Immobilien-/Finanzbranche und verantwortet das Marketing der SIGNA (v.sieder@signa.at)

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