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Wohnbedarf im Wandel: Generation Wachtel oder Pinguin?

Mit spannenden Fragen, die für die Immobilienwirtschaft über kurz oder lang von Interesse sein werden, beschäftigte sich der diesjährige „Tag des Eigentums“, der alljährlich zum Gedenken an die Erklärung der Menschenrechte im Jahr 1948 durch den Österreichischen Haus- und Grundbesitzerbund veranstaltet wird: Wie will die Jugend von heute, morgen wohnen? Wie weit sind junge Menschen an Eigentum interessiert? Worauf soll sich ein Vermieter oder Verkäufer künftig einstellen? Zwei Experten im „Vater-Sohn-Gespräch“ brachten dabei einige interessante Erkenntnisse zum Vorschein.

Mit der Überschrift „Wachtel oder Pinguin“ ist kein Ausflug in die Welt der Ornithologie beabsichtigt, sondern es handelt sich dabei um eine Typisierung der „Next Generation“ von jemanden, der es wissen muss: Mag. Philipp Ikrath ist von Beruf Jugendforscher und beschäftigt sich am Institut für Jugendkulturforschung mit Themen dieser Art. Wachteln sind Nestflüchter und verlassen innerhalb weniger Stunden das Nest. Pinguine hingegen sind klassische „Nestbauer“. Entsprechend unterschiedlich sehen auch die Behausungen der jeweiligen Vertreter der menschlichen Nachkommenschaft aus: Die Vertreter der „Wachtel“ leben mitunter noch behelfsmäßig aus dem Umzugskarton. Für diese hat Eigentum – zumindest noch – keine Priorität, um die eigene Mobilität nicht einzuschränken. Bei Vertretern der Spezies „Pinguin“ hingegen ist das Zuhause eine dritte Haut. „Pinguine“ haben ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis und streben daher nach Eigentum oder haben langfristige Mietverträge vor Augen.

Eigentum für Wachteln braucht eine gute Verpackung

Die „Generation Ego“ – wie Ikrath junior diese Altersstufe zu bezeichnen pflegt – zeichnet sich durch eine starke Orientierung auf das eigene Leben aus und neigt zu Hedonismus und Ästhetik. Um dieser Spezies Eigentum schmackhaft zu machen, bedarf es laut Philipp Ikrath einer guten „Verpackung“.

Einig sind sich Vater und Sohn darin, dass der Jugend das Selbstvertrauen früherer Generationen fehlt. Mag. Michael Ikrath erinnert sich, dass Eigentum anno dazumal viel pragmatischer gesehen wurde als heute: Eigentum ermöglicht wirtschaftliche Unabhängigkeit sowie Unabhängigkeit vom Staat. Ikrath senior, selbst ehemaliger Banker, Justizsprecher der ÖVP und heute Mitglied des Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU beobachtet einen deutlichen Paradigmenwechsel und stellt fest, dass junge Menschen ohne Aussicht auf ein Erbe es heutzutage schwer haben, Vermögen aufzubauen. Und wenn der Vermögensaufbau gelingt, wird das, was man sich erarbeitet hat später wegbesteuert. Österreich ist schon jetzt ein Hochsteuerland.

Eigentumsfeindliche Tendenzen aus der Politik

Politik ist heute von populistischen und opportunistischen Motiven getrieben, agiert unter dem Deckmantel der „sozialen Verantwortung“ und hat vielfach eine falsch verstandene „Verteilungsgerechtigkeit“ vor Augen. Ikrath senior resümiert, dass sich eigentumsfeindliche Tendenzen daher nicht ohne Weiteres aufhalten lassen werden. Jedes Bemühen Privateigentum zu begründen ist heute gesellschaftspolitisch zu rechtfertigen, obwohl Privateigentum als Gesellschaftsmodell nach wie vor eine wesentliche Säule darstellt. Umso wichtiger sind nach seiner Ansicht daher Einrichtungen, die im Interesse ihrer Mitglieder staatliche Eingriffe auf Grund und Boden verteidigen.

A propos Populismus: Der jüngst von SPÖ-Chefin Dr. Pamela Rendi-Wagner vorgeschlagene Entfall der Umsatzsteuer für Mieteinnahmen ist als eine nicht zu Ende gedachte Phantasterei zu qualifizieren ohne Berücksichtigung der vielschichtigen Mechanismen unseres Steuersystems. Die damit ausgelösten Folgewirkungen werden jedenfalls nicht jenen Effekt haben, der marktschreierisch in die Öffentlichkeit getragen wurde, um Wählerstimmen zu gewinnen. Investitionen, Wohnbau und Vorsorgewohnungen wären nicht mehr zu finanzieren. 

Die einzige Lösung liegt in einer Erhöhung des Angebots

Allein die nach Angaben der Arbeiterkammer auf Wiens Gemeindebauten schlummernden rund 130.000 Wohnungen bieten einiges Potential. Es ist daher höchst an der Zeit für ein liberaleres Mietrecht, um Neubautätigkeiten, Nachverdichtung und generelle Investitionen in qualitativ hochwertigen Wohnraum zu eröffnen.

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Über den Autor

Martin Prunbauer

Dr. Martin Prunbauer übt seit 1991 diverse Vorstandsfunktionen im Bereich der Interessenvertretung von Haus-, Grund- und Wohnungseigentümern aus. Seit 2012 ist er Präsident des Österreichischen Haus- und Grundbesitzerbundes, einer bundesweit tätigen Interessenvertretung zum Schutz und zur Verteidigung des Immobilieneigentums. Im Hauptberuf ist er Rechtsanwalt.

2 Kommentare

    Beim entfall der Mehrwertsteuer auf Mieten wird übersehen, dass Deutschland keine Mehrwertsteuer auf Mieten einhebt und gut damit fährt. Außerdem ist das Steuersystem durchaus vergleichbar und die EU-Konformität ist offenbar auch gegeben!

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