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Der nächste Paradigmenwechsel

Als ich mich mit Crowdfunding befasst habe, wirkte es am Anfang eher wie ein neuer Trend auf mich. Je tiefer ich aber in die Thematik eingetaucht bin, desto mehr verfestigte sich bei mir eine ganz andere Meinung: Wir haben es hier– nach der Orientierung an Nachhaltigkeit– mit einem weiteren Paradigmenwechsel zu tun.

Transparenz, Eigenverantwortung, Demokratisierung, Unabhängigkeit oder Kommunikation sind Begriffe, die sehr positiv besetzt sind und auch unmittelbar mit Crowdfunding in Zusammenhang stehen.

Es ist ein enormer Markt, der sich auftut, und die technische Entwicklung macht diese Form von Beteiligungen – egal, ob an Unternehmungen oder Immobilien – erst möglich. Die rasanten Wachstumsraten zeigen, wohin der Weg führt, und ich bin überzeugt: Je leichter den Menschen das Investieren – mit vergleichsweise geringen Summen gemacht wird -, desto eher werden sie es tun.

Die Zukunft des Crowdfundings liegt auch darin, dass es eine jüngere und „internetaffine“ Gesellschaft betrifft – die Kundenschicht reift sozusagen gerade heran. Die Wachstumsraten machen bereits klar, wohin der Weg geht, und wenn man in die USA blickt – die uns bei solchen Businessmodellen einige Jahre voraus sind –, dann bekommt man bereits eine Ahnung, welches Potenzial die Finanzierung über die Massen hat. Den Protagonisten der heimischen Immobilienwirtschaft werden sich ebenfalls neue Möglichkeiten bieten.

Dass es für das Geld auf dem Konto ohnehin keine Zinsen mehr gibt, ist ein aktuelles Argument, viel weitreichender ist aber, dass die Menschen den Banken immer kritischer gegenüberstehen. Angesichts der derzeitigen Entwicklung wird es da auch keine Gegenbewegung geben, eher wird sich diese Haltung verstärken. Und wie die Immobilienbranche schon seit Jahren argumentiert: Grundbuch statt Sparbuch.

Ähnlich wie bei anderen Entwicklungen, die in rasanter Geschwindigkeit aufpoppen, werden wir beim Crowdfunding sicherlich auch einige „Kinderkrankheiten“ erleben. Es mag schon sein, dass die eine oder andere unzulängliche Plattform auf den Markt kommen wird. Damit sollen aber keine Ängste geschürt werden, denn ich bin davon überzeugt, dass sich der Schaden, der dadurch entstehen könnte, in Grenzen halten wird. Ich bin lange genug als Journalist in der Immobilienwirtschaft tätig und habe diesbezüglich schon sehr viel erlebt, und ob man bei einem sicheren Investment 50.000 Euro oder 500 verliert, ist zweifellos ein Unterschied.

Insofern ist es auch äußerst erfreulich, dass mit dem geplanten Gesetz relativ schnell eine rechtliche Grundlage für die Massenfinanzierung geschaffen wird. Aber so ist es im Netz nun einmal: Ein „Shitstorm“ der Crowd fegt ein unzulängliches Projekt schneller weg als jeder Paragraf.

Der wirkliche Erfolg des Crowdfundings beruht auf einer sich verändernden Gesellschaft. Daher ist es ein Paradigmenwechsel, und der lässt sich langfristig nicht aufhalten.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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