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Darf es etwas Besonderes sein? Nein! Es muss!

Das Besondere steht für die Menschen immer stärker im Vordergrund. Die Individualität nimmt einen wesentlichen Stellenwert ein, und damit werden die Besonderheiten bei Immobilien immer wichtiger. Wer nicht mitzieht, der bleibt auf lange Sicht über.

Werden die Menschen individueller? Betrachtet man die Immobilienwirtschaft, so scheint es so. So mancher wird jetzt sagen: gerade die Immobilienbranche, die so statische Produkte errichtet? Gerade die soll ein Gradmesser für die Individualität der Menschen sein? Es mag schon sein, dass Steine und Stahl langfristige Produkte sind, aber das Innenleben der Immobilien ist entscheidend. Ich argumentiere gerne mit der Aufenthaltsdauer: 98 Prozent unserer Zeit verbringen wir in Immobilien. Wir wohnen in ihnen, wir arbeiten in ihnen, wir leben in ihnen. Also werden sich gerade in einem Produkt, das eine so große Bedeutung für uns hat, Veränderungen am ehesten widerspiegeln. In ihnen wird die Zukunft greifbar.

Früher hatte die Gruppe Vorrang

Individualität ist laut dem Philosophen Robert Pfaller etwas zutiefst Historisches, Postmodernes. Individualität war in früheren Zeiten eher schlecht – die Gruppe hatte Vorrang. Evolutionsbiologen vermuten, dass der Gruppendruck tief in unserem evolutionären Erbe verwurzelt ist. Die menschliche Spezies hat bis heute überlebt, weil unsere Urahnen darauf konditioniert waren, anhand einfacher Regeln Entscheidungen zu treffen. Und eine zentrale Entscheidung war: „Tue das, was die anderen auch tun, dann liegst du nicht ganz falsch.“

„Ich-Bewusstsein“ fördert Individualität

„Das Bedürfnis, ganz man selbst zu sein, setzt ungefähr 1968 ein“, meint Robert Pfaller: „Das programmatische Buch dazu stammt von Marshall Berman: ,The Politics of Authenticity‘, 1970 erschienen.“ Bis zirka 1970 war gerade die westliche Moderne von einer Tendenz zu eleganter Uniformität und Unpersönlichkeit gekennzeichnet, wie man noch in älteren Filmen gut sehen kann. Die anderen nicht mit dem eigenen Selbst zu belasten galt als ein Zeichen von Zivilisiertheit, wie der US-amerikanisch-britische Soziologe Richard Sennett feststellt. Heute hat sich das Blatt gewendet, und es sei dahingestellt, ob Mann oder Frau damit andere belasten. Tatsache ist: Uniformität hat ausgedient. Es ist fast wie eine neue Energie, die einströmt und ein neues „Ich-Bewusstsein“ des Individuums schafft, ohne dass das „Wir-Gefühl“ verloren geht. Speziell bei jungen Menschen zeigt sich diese Entwicklung. Sie mögen zwar in gewissen Ideen vereint sein, aber wichtig ist es doch, anders zu sein.

Hotellerie und Einkauf

Für Dietmar Ploberger, Senior-Projektmanager bei der SIGNA Real Estate Management GmbH, zeigt sich diese Individualität im Hotelbereich. „Die Uniformität, dass die Hotels einer Marke in allen Städten gleich ausgesehen haben, hat sich in Richtung Individualität verschoben, mit dem lokalen Touch.“ Der Hotelgast will wissen, wo er ist. Er möchte nicht mehr wie früher, dass jedes Hotel einer Marke aussieht wie das andere, egal, wo es steht. Er möchte die Stadt erkennen, wenn er in einem Zimmer ist.

Bei SES setzt man schon seit einiger Zeit auf Individualität. Diese kristallisiert sich neben der Funktion eines sozialen Treffpunkts als Trend in den Einkaufszentren heraus. „Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die SES-Shoppingcenter ist die Vielzahl an regionalen Anbietern“, erklärt Marcus Wild, CEO von SES: „Das macht jedes einzelne Shoppingcenter unverwechselbar und führt zu einer starken Bindung an die einheimische Bevölkerung in der jeweiligen Region.“ Die großen Ketten gibt es ohnehin im Netz. Speziell für neue Konzepte ist Individualität „hip“.

Die kommende Generation

Kein Wunder auch, dass Produkte wie „PROPSTER – der Sonderwunsch-Meister“ funktionieren. Das Unternehmen bietet einen Online-Konfigurator für die Sonderwunsch-Abwicklung im Immobilienbereich für Bauträger an. Natürlich erleichtert das Produkt die Arbeit der Bauträger, aber sie würden es nicht brauchen, wenn sie den Kunden nicht Individualität bieten wollten, damit sich die Einheiten leichter verkaufen.

Und im Bürobereich? Laut einer Umfrage des Co-Working-Anbieters Mindspace in Kooperation mit dem Marktforschungsunternehmen OnePoll hat fast jeder fünfte Deutsche der Generation Y – von den 1980ern bis zu den frühen 2000er-Jahren geboren – schon einmal einen potenziellen neuen Job aufgrund des schlechten Bürodesigns und der Ausstattung abgelehnt. Zu wenig Individualität.

Wie gesagt, die Ausprägung der Individualität begann in den 6oer-Jahren, und es ist zu erwarten, dass sich diese in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer stärker auf den Markt niederschlagen wird. Wer den Wunsch des Menschen nach Individualität missachtet, schafft vermutlich keine nachhaltigen Produkte.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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