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Bürovisionen sind leistbar

In einem sich verändernden Arbeitsumfeld müssen die Büroflächen anders konzipiert werden, damit Unternehmen weiterhin konkurrenzfähig bleiben. Viel Zeit bleibt nicht mehr, und Vordenker in Firmen fangen damit bereits an.

Die Bürostrukturen verändern sich bzw. müssen sich verändern.

Stückler: Wir stehen bei dem Thema Büro vor neuen Herausforderungen, denn es entsteht ein ganz neues Bewusstsein, was die Arbeit im Büro betrifft. Das Wort Zellenbüro ist ja schon negativ behaftet und klingt nach Einsperren. Der Weg der letzten Jahre führt fort vom klassischen Büro, das ja vom Wort Schreibstube kommt. Seit einiger Zeit schon werden die Räume aufgemacht, und in Zukunft öffnen wir auch den Geist.

Inwiefern?

Stückler: Die Einstellung zur Büroarbeit muss sich ändern. Es gibt die Hühner in Legebatterien und die frei laufenden Hühner. Letztere sind in keinem Korsett, und Mitarbeiter, die nicht in zu feste Bürostrukturen eingezwängt sind, sind viel innovativer. Viel wichtiger als ein fester Arbeitsplatz sind Mobilität und Kreativität– das sind die Assets.

Auch die Arbeitszeit von Montag bis Freitag ist zu überdenken, denn es kann nicht sein, dass man in einen Raum geht und dort seine Zeit absitzt. Das hat keine Zukunft.

Wie sehen Sie die Büroräume der Zukunft?

Stückler: Die Funktion der Büroflächen wird in eine ganz andere Richtung gehen. Die Büros der Zukunft werden in „Swapping Buildings“ sein. Das sind Gebäude, in denen Kommunikation, Wissensaustransfer und der soziale Austausch der Menschen stattfinden werden. In diesen Swapping Buildings datest du dich up, besprichst die Projekte und tauscht dich dahingehend aus. Aber der Platz, an dem man arbeitet, kann ein ganz anderer sein als am Vortag, es wird projektorientiert gearbeitet und nicht zeitorientiert. Die moderne Technik lässt schon viel mehr zu und wird auch noch mehr zulassen.

In welche Richtung denken Sie da?

Stückler: Der Bildschirm am Arbeitsplatz wird wohl aussterben, ebenso wie es das klassische Telefon tut. Zum Beispiel werden Videokonferenzen, vor allem aber 3D-Konferenzen, die Zukunft sein. Man wird sich in einem virtuellen Raum treffen, der selbst gestaltet wird, also etwa in der Karibik. Konferenzräume muss man für 3D-Konferenzen keine mehr bauen. Das ist eines von vielen Beispielen, und daher müssen die Bürokonzepte komplett neu überdacht werden.

Haben wir dann noch Firmengebäude?

Stückler: Natürlich, aber sie werden einen anderen Stellenwert haben. Man braucht natürlich bei einer gewissen Firmengröße eine bestimmte Firmenstruktur. Wände weglassen ist der Beginn der Freiheit, aber noch kein Freiraum, denn der beginnt im Geist.

Open Space ist dort, wo immer man sein will. Das ist nicht zwingend ein Gebäude mit Firmenschild. Diese Entwicklung bietet natürlich auch für Unternehmen eine große Herausforderung. Nicht nur, was ihre Büroflächen betrifft.

Sondern?

Stückler: Wichtig ist, dass sich die Verantwortlichen mit dem Unternehmen selbst beschäftigen. Was will ich in Zukunft aus meinem Unternehmen machen? Da genügt es nicht mehr, eine Personalliste zu machen und den Platz für den einzelnen Mitarbeiter auszurechnen. Das ist für ein Unternehmen von morgen eindeutig zu wenig.

Ich weiß, das ist schon sehr weit gedacht, aber es braucht mehr Mut, die bestehenden Trampelpfade zu verlassen. Nur diejenigen, die abbiegen, werden mehr sehen und sich weiterentwickeln.

Der Standort muss anders durchdacht werden.

Stückler: Ja. Er muss ganzheitlich durchdacht werden. Es geht im Endeffekt um das Potenzial des Menschen. Je besser das Arbeitsumfeld ist, desto erfolgreicher wird auch das Unternehmen. Auch die Technik ist wichtig, und sie muss den Menschen unterstützen und darf ihn nicht bevormunden.

Je weniger die Menschen entscheiden dürfen, desto effizienter ist zwar das Gebäude, aber wenn die Effizienz nur Frustration erzeugt, dann habe ich nichts geschaffen– schon gar nicht, wenn die Mitarbeiter krank werden. Das ist dann genau das Gegenteil.

Wie nahe kommt die Gegenwart diesen Zukunftsvisionen schon?

Stückler: Wir bemerken, dass doch immer mehr Unternehmen die Wichtigkeit einer Veränderung verstehen. Wir sehen auch, dass es bei den Projekten immer wichtiger wird, die Beratung mit der Architektur im Bau zu vernetzen. Wir liefern zwar die „Software“ für das Büro, versuchen aber zugleich, sie mit der Hardware, also dem Gebäude, zu vernetzen. Das Wissen, wie Leute arbeiten wollen und welche Umgebung sie brauchen, um gut arbeiten zu können, das wollen wir im und mit dem Gebäude umzusetzen. Wir bei t.o.c. haben dieses Know-how der Unternehmensberatung und der baulichen Umsetzung, damit die Immobilien ganzheitlich und somit auch zukunftsfähig werden.

Haben Sie ein konkretes Beispiel dafür?

Stückler: Wir haben einen großen amerikanischen Konzern als Kunden, der derzeit eine neue Zentrale errichtet, und der hat jemanden gesucht, der genau dieses Konzept anbietet– nämlich eine ganzheitliche Beratungsleistung. So ein Projekt dauert zwei bis drei Jahre, und dadurch, dass von unserer Seite und vonseiten des Auftraggebers ein fixes Team aufgestellt wird, hat der Konzern die Sicherheit, dass er ein Ergebnis bekommt, wie es auch ursprünglich geplant war. Wenn Beteiligte nämlich innerhalb der Konzernstruktur wechseln, wird oft das Ergebnis verfälscht.

Damit hat auch der Investor die Garantie, dass die Visionen in seinem Sinn umgesetzt werden– zum vereinbarten Preis. Er hat außerdem die wirtschaftliche Garantie. Es ist eine Win-win-Situation: Der Auftraggeber hat einen Ansprechpartner, und wir beauftragen die weiteren Gewerke, die notwendig sind.

Allerdings ist das mit einem längeren Vorlauf verbunden, da genau geklärt wird, was wie gemacht wird, um den Auftrag leichter und einfacher abzuwickeln.

Ist das für den Kunden nicht mit mehr Kosten verbunden?

Stückler: Ganz im Gegenteil. Wir koppeln unsere Kosten für die Kunden nicht an die Bausumme, sondern an die Leistung, die wir erbringen bzw. von ihm abgerufen wird. Die bisherige Praxis, an die Bausumme zu koppeln, ist keine Win-win-Situation. Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind wichtig.

Auf Anfrage eines großen Fonds haben wir unsere Beratungsleistung auf die Bausumme angerechnet. Wir haben den Auftrag bekommen, und aufgrund der guten Optimierung unsererseits lagen wir 35% unter dem veranschlagten Budget und mussten uns faktisch rechtfertigen, warum wir so viel günstiger sind. Dabei haben wir nur optimiert, weil wir unseren Job verstehen.

Das heißt, Bürovisionen sind leistbar.

Stückler: Ja. Jede Zeit hat ihre Gewinner.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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