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BIM–Building Information Modeling zwingt die Akteure zu einem offenen Miteinander

Seit zehn Jahren beschäftigt sich das Ingenieurbüro rtech mit BIM. Building Information Modeling beschreibt eine Methode der vernetzten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken mithilfe von Software. Geschäftsführer Michael Resch ist überzeugt, dass in dieser Planungsmethode die Zukunft des Bauens liegt. Sie wird allerdings in Österreich erst langsam angenommen, denn BIM zwingt zum Umdenken und zu einer neuen Projektkultur.



Rückblickend auf die letzten Jahre: Hat sich bei der Abwicklung von Bauprojekten viel geändert.

Im Interview


Michael Resch

Michael Resch ist Geschäftsführer der rtech engineering GmbH, die 2007...
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Michael Resch: Vor zehn Jahren hat man noch sehr viel in CAD gearbeitet. Jedes Büro für sich, ohne Transparenz. Mittlerweile ist das Modell im Internet. Wo früher viel Aufwand verwendet worden ist, um herauszufinden, wer für einen Fehler verantwortlich ist, kann man heute, wenn Fehler auftauchen auf Knopfdruck feststellen, wer recht und wer unrecht hat. Diese Transparenz ist enorm wichtig und darauf aufbauend sind eine neue Projektkultur und eine offene Fehlerkultur zwingend erforderlich.

Ist das der Grund, dass alle von BIM sprechen, aber das System nur langsam auch bei den Projektentwicklern ankommt?

Michael Resch: Ja, das hat grundsätzlich mit dem Wesen von BIM zu tun. Es ist ein völlig neuer Weg, wie man sich bei der Planung mit einem Projekt auseinandersetzt. Der Bauherr muss sich bereits im Entwurf festlegen, und bei BIM muss man am Anfang Zeit investieren und sich genau überlegen, wie die Strategie aussieht, welche Informationsanforderungen und Data-Drops man braucht, wie die Abwicklung ist, welche Prozesse benötigt werden.

Bisher sind es die Projektbeteiligten gewohnt, dass man beim Projekt bis zum Schluss alles ändern kann. Dadurch entstehen aber massive Lücken, Probleme und am Ende Mehrkosten für alle. Das wäre nicht notwendig.

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Gerade bei BIM-Projekten ist eine offene Fehlerkultur vorhanden, weil alle Beteiligten von Anfang an sehr offen kommunizieren. In traditionellen Projekten wird oft versucht, Fehler zu vertuschen, was bei BIM nicht mehr funktioniert. Das erfordert aber ein grundsätzlich neues Gedankengut und Verhalten im Bauprozess. Das sind die Gründe, warum sich BIM erst langsam durchzusetzen beginnt.

Die Vorteile von BIM liegen aber auf der Hand.

Michael Resch: Noch kann aus BIM-basierten Projekten nicht der gewünschte Nutzen gezogen werden, weil Building Information Modeling eine völlig neue prozessorientierte und IT-affine Denkweise erfordert, und die fehlt noch weitgehend in der Branche.

Es gibt einige Projektentwickler, die schon in Richtung BIM denken und ihren Vorteil daraus ziehen. Vielfach fehlt aber – wie gesagt – derzeit der Gesamtnutzen, weil Erkenntnisse aus der Planung, Ausführung und dem Betrieb der Immobilie selten in den Lernprozess zurückfließen, wie man es beim nächsten Projekt besser machen kann. Wenn ich Bauherr oder Investor bin, dann will ich einfach die Daten von meinem Objekt zu meiner Verfügung haben, um aus diesen Datenstrukturen alles Notwendige zu generieren, auch mit dem Fokus, was ich besser machen kann. Das Gebäudemodell ist ja die Grundlage für Facility-Management, viele Zertifizierungen, Bewertungen oder Due-Diligence-Analysen.

Damit würde man sich in weiterer Folge bei einer Verwertung des Objekts vermutlich viel Zeit und Kosten sparen.

Michael Resch: In jedem Fall. Sie können wirklich eine große Anzahl an Daten generieren. Entscheidend ist am Ende des Tages immer, was der Bauherr will bzw. braucht und verkauft, oder er betreibt selbst die Immobilie. Derzeit werden bei manchen Projekten Daten ohne Ende und Strategie generiert, und keiner hat mehr den Überblick. Irgendwo existiert ein Datenfriedhof, und keiner hat mehr einen Plan, weil nicht strategisch und prozessorientiert gedacht wird. Was man vorher in die Planung integriert, das kann man zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. Und jeder Käufer eines Projekts wird froh sein, wenn er so komplexe Informationen über sein Investment bekommt.

Und natürlich ist auch Facility-Management weit einfacher und kostengünstiger zu betreiben. Das hat auf die Lebenszykluskosten einen nachhaltigen Einfluss. In Wirklichkeit müsste das FM schon viel früher beauftragt werden, in der Planungs- und Entwurfsphase, damit die entsprechenden Prozesse abgebildet werden können. Aber ich glaube, das ist ohnehin eine regelmäßige Forderung der FM-Branche.

Wie würde eine Lösung aussehen?

Michael Resch: Nach dem einfachen Prinzip: Wer zahlt, schafft an. Aber das passiert nicht, weil meist keiner über das entsprechende branchenübergreifende Wissen verfügt oder der Bauherr noch nicht sagen kann, wer der FM-Betreiber ist bzw. welches System oder welche FM-Software eingesetzt wird. Wir wollen die Bauherren dabei unterstützen, dass sie die Projektstruktur über eine systematische Methode dem Issue-Tracking vorgeben, das von allen Projektbeteiligten benutzt wird. Wenn man diese Daten dann hat, kann man laufend analysieren und Verbesserungen anstoßen. Wie bereits gesagt: Auch und vor allem die Bauherren sollen und müssen umdenken und einen Nutzen daraus ziehen.

Bei welchen Projekten hat BIM den größten Nutzen?

Michael Resch: Prinzipiell bei jedem, wenn man es von Anfang an in die Planung integriert. Es macht sehr viel Sinn, wenn Nachweise für Berechnungen von Massen und Leistungsverzeichnisse generiert werden müssen. Damit sind eine sehr hohe technische Machbarkeit, Massengenauigkeit und somit Kostensicherheit sehr früh im Projekt garantiert.

Durch die datenbankorientierte Arbeitsweise ist auch die Sicherung der Qualität gewährleistet. Nehmen Sie als Beispiel einmal die Energieversorgung in einem Projekt. In BIM kann durch die objektorientierte Arbeitsweise sowie die Abhängigkeiten von den Objekten innerhalb von wenigen Sekunden festgestellt werden – etwa mittels einer Datenbankabfrage, die eine Farbskala über das ganze Modell generiert –, ob zum Beispiel die Versorgungsstränge im gesamten Gebäude richtig dimensioniert sind.

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Welche Projekte sind für Sie spannend bzw. welche setzen Sie gerade um?

Michael Resch: Prinzipiell ist jedes Projekt interessant, und wir stehen auch allen Möglichkeiten der Zusammenarbeit offen gegenüber. Wesentlich ist ja, dass es für alle Beteiligten einen Nutzen und eine Kostenersparnis bringt. Wir wollen, dass BIM vorankommt, denn je mehr Fachexperten im Markt unterwegs sind, die eine Ahnung davon haben oder mit uns auf Augenhöhe reden, desto leichter tun wir uns alle in den Projekten.

Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Es gibt Projekte, die eine gewisse Herausforderung bieten. Derzeit arbeiten wir an einer Einrichtung für Nuklearmedizin und Strahlentherapie in Jakarta.

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Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.



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