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Alternativen zum (traditionellen) Altersheim

Über viele Generationen war das typische Altersheim verpönt, und viele Pensionisten fürchteten, „abgeschoben“ zu werden. Dem stehen jetzt neue, innovative Konzepte entgegen, die den Lebensabschnitt in der Pension noch zu einem der schönsten im Leben machen könnten.

Das steirische Rottenmann zeigt vor, wie „Wohnen im Alter“ anders gelebt werden kann: Dort wurde ein kleines „Senioren“-Dorf mitten ins Stadtzentrum gebaut, in dem Menschen mit und ohne Pflegebedarf wohnen. Doch nicht nur am Land gibt es solche Pläne; auch im 8. Wiener Bezirk wird mit „Das Hamerling“ die Wohnkultur im Alter revolutioniert. Rottenmann im Nordwesten der Steiermark hatte lange Zeit kein eigenes Alters- oder Pflegeheim, weswegen die meisten Senioren nach Trieben übersiedeln mussten und dem Ort in der Regel verloren gingen. Um die betagten Personen aber weiterhin in der Stadt zu behalten, musste ein neues Konzept her, das die Architektin Ingeborg Nussmüller vom Grazer Büro Nussmüller Architekten gerne erstellte, da sie selbst aus Rottenmann stammt. Darüber hinaus sollten die Pensionisten in Zukunft nicht irgendwo am Stadtrand ihr neues Domizil aufschlagen, sondern gleich direkt ins Zentrum ziehen.

Das Beispiel Rottenmann

Aus dem Projekt wurden schließlich vier Gebäude: ein Haus für sogenanntes „betreubares Wohnen“, wo Menschen wohnen, denen es gesundheitlich noch gut geht (mit Pflege-Option, wenn nötig), ein Haus für betreutes Wohnen sowie das Pflegeheim mit 32 Betten und ein dazugehörendes Begegnungszentrum. Im Haus des „betreubaren Wohnens“ gibt es barrierefreie Wohnungen für Singles und Paare, die alle eine eigene Wohnküche, ein Badezimmer und ein Schlafzimmer haben. Je vier Einheiten teilen sich zudem ein gemeinsames Wohnzimmer, das die Kommunikation fördern soll. Dennoch sollen sich die Bewohner– ähnlich wie bei einer Wohngemeinschaft– auch in ihre eigenen Wohnungen zurückziehen und Kinder, Enkerl oder Bekannte im Wohnzimmer empfangen können. Wichtig ist auch das Begegnungszentrum, wo sich die Senioren im Café treffen können und die Verwaltungsbüros untergebracht sind. Um auch dem düsteren Touch klassischer Altersheime entgegenzutreten, wurde bei der Raumgestaltung auf Lichtdurchlässigkeit und Helligkeit gesetzt. Zudem wird die bergige Landschaft um Rottenmann aufgrund der tiefen und breiten Fensterbretter besser gesehen und erlebt.

Das Beispiel Wien-Josefstadt

Für hohe Lebensqualität im Alter steht auch das für 2014 geplante „Mehrgenerationenhaus“ im ehemaligen k. u. k. Kartographischen Institut in der Wiener Josefstadt. „Das Hamerling“ wird neben eleganten Eigentumswohnungen, einem Kindergarten und einem Ärztezentrum auch geräumige Zwei- bis Drei-Zimmer-Apartments beherbergen, die extra auf Senioren zugeschnitten sind– inklusive individueller Betreuung rund um die Uhr und Concierge-Dienst. Viele Senioren wünschen sich einen Alterswohnsitz, der die Annehmlichkeiten einer eigenen Wohnung mit den Dienstleistungen eines Hotels verbindet und dennoch ihre Mobilität gewährleistet. Die zentrale Lage am Hamerlingpark bietet eine optimale Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel und lässt aktive Pensionisten weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Für Rentner mit Pflegebedarf wird auch eine Pflegestation angeboten, und im Seniorenklub trifft man sich zum Tee oder zum Kartenspielen. Im Dachgeschoß ist außerdem ein Restaurant geplant, wo in einem loungeartigen Ambiente Verwandte und Bekannte eingeladen werden können. Zum Zurückziehen gibt es 60 bis 70 Quadratmeter große Seniorenwohnungen, die Platz für ein bis zwei Personen bieten.

Diese neuen Senioren-Residenzen sind nur zwei Beispiele für zukünftige Projekte, die den Ruf der Altersheime verbessern und Lebensfreude auch jenseits der Pension gewährleisten werden. Dann können sich auch alle (noch) Arbeitenden auf etwas freuen.

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