fbpx
Home Ausland Sonne, Strand und Sternwarten
Sonne, Strand und Sternwarten

Sonne, Strand und Sternwarten

0

Wohnen auf Teneriffa? Das größte Sonnenteleskop der Welt, Vulkanlandschaft und Atlantik laden auf eine ungewöhnliche Insel ein. Eine Sommer-Special-Live-Reportage von der Vulkaninsel Teneriffa.

Die Häuser schmiegen sich an die steilen Berghänge. Oben, auf dem höchsten Berg Spaniens, dem 3.718m hohen Pico del Teide kann man nicht wohnen. Das Wetter ist viel zu extrem, unten am Ufer des Atlantiks fühlt man sich zusammengedrückt, und das Meeresklima sollte man auch gewöhnt sein. Nur in der Mitte, zwischen Vulkanberg und Meer, scheint das Klima zum Wohnen einzuladen. Auf den Kanaren gibt es unterschiedliche Klima- und damit auch Vegetationszonen, die von der Höhe abhängen. Auf Dauer ist die mittlere Klimazone am angenehmsten, jedenfalls für Touristen oder Nicht-Einheimische.

Wohnen auf Teneriffa?

Auch in Teneriffa ragen am Meer Betontürme in die Höhe. Alles ist hier sehr schnell steil, weil die Insel durch die Berg- und Vulkanlandschaft des Teide dominiert wird. Das verändert die Wohngegenden.

Werbung

Die Immobilienpreise bewegen sich durchschnittlich in der Höhe von 50.000 Euro für 135 Quadratmeter in mittleren Lagen, wie den Anzeigen in den Tageszeitungen zu entnehmen ist. Für Ferienwohnungen oder Zweitwohnsitze wird die Insel eher weniger genutzt. Die Einheimischen fahren auf die Nachbarinsel La Palma auf Urlaub–wie die Touristen übrigens auch– dort ist es billiger.

Die Architektur an den Berghängen erscheint niedrig, fast abweisend, mit wenigen Fenstern, die, witterungsbedingt praktisch angelegt, quer über die Fassade verstreut sind. Viele bunt gefärbte Häuser leuchten auf der ganzen Insel. Leider findet man die typischen geschlossenen Holzbalkone fast nur mehr an historischen Bauten. Der Neubau auf der Insel orientiert sich am internationalen Reihenhausbau. Einzeln stehende Gebäude findet man nicht. In der Regel sind die meisten Gebäude fast flächendeckend in Stadtverbände eingegliedert.

Am Observatorio del Teide

Ganz anders gestaltet sich die Architektur an einem besonderen Ort: am „Observatorio del Teide“ auf Izana. Dort, in 2.400 Metern über dem Meer, ragen die Türme zahlreicher Sonnenteleskope in den Himmel–das größte Sonnenobservatorium der Welt übrigens.

Trutzig, weiß und ohne Fenster stehen sie am Rand des Bergkammes über Puerto de La Cruz. Sie alle haben einen berühmten architektonischen Bruder, den auf dem Telegrafenberg in Potsdam errichteten Einsteinturm von Erich Mendelsohn. Der war für seine Entstehungszeit ein revolutionäres Bauwerk und kann gewissermaßen als Prototyp aller heutigen Sonnentürme gesehen werden.

Neben den Sonnenteleskopen stehen noch weitere astronomische Teleskope im Observatorium. Neben Chile und Hawai gehören die kanarischen Inseln zu den Orten der Welt, an denen man den Sternenhimmel am besten beobachten kann. Gemeinsam mit dem Observatorium am Roque de los Muchachos auf der Nachbarinsel La Palma gehört das Oberservatorium zum European Northern Observatory.

GREGOR– das größte Sonnenteleskop der Welt

Das Teide-Observatorium liegt zumeist über den Wolken der Passatwinde. Das Wolkenmeer sieht von hier überirdisch schön aus. Wir befinden uns auf 28 Grad nördlicher Breite, was sich gut anfühlt, wenn man es erzählt. Die Vulkanlandschaft ist nur von niedrigen, windgedrückten Büschen bewachsen. Der Wind pfeift einem um die Ohren. Viele Eidechsen laufen einem fast über die Füße. Die silbrig-weiß glänzenden Kuppeln auf den hohen Gebäuden fallen in dem Vulkangebiet sofort auf.

Der futuristische Eindruck bleibt auch, wenn man näherkommt. Die drei größten Gebäude sind die berühmten Sonnenteleskope. Das größte und modernste unter ihnen ist GREGOR, das neue 1,5 Meter-Sonnenteleskop aus Deutschland.

Es ist heiß. Heißer als sonst auf der Insel.

Die größten Sonnenteleskope Europas sind normalerweise nicht zugänglich. Ausnahmsweise durfte die Presse mit Führung hinein. Auf die Frage zur momentanen Situation der Sternwarte erläutert der Leiter des Observatorio del Teide, Miquel Serra-Ricart, vom Institut für Astrophysik der kanarischen Inseln: „Wir haben sehr viel zu tun. Momentan sind eine Menge spanische Studenten hier. Gleichzeitig starten wir mit der Installation eines neuen Teleskops– also eine Menge Arbeit. Auf den Sternwarten gibt es jede Infrastruktur, sodass Wissenschaftler hier leben und forschen können.“

Pflichtstation für Expeditionen

Überhaupt hat sich Teneriffa und die Vulkanegion um den Teide seit dem 16. Jahrhundert zu einer Pflichtstation aller wissenschaftlichen Expeditionen entwickelt, die die Neue Welt entdecken wollten. Zu erwähnen ist hier der Wissenschaftler Alexander von Humboldt, der die Grundlagen für die Studien der modernen Botanik erarbeitete. Schon davor hat Christoph Kolumbus auf seiner ersten Reise im Hafen von San Sebastian auf La Gomera Station gemacht, bevor er Amerika entdeckte.

Gran Telescopio Canarias– das größte Einzelteleskop der Welt

Auf La Palma steht das ultimative Teleskop der Astronomen, das mit über 10 Meter Spiegeldurchmesser größte astronomische Einzelteleskop der Welt. Die Kuppel wirkt wuchtig, aber dennoch beweglich. Sonst herrschen funktionale architektonische Aspekte vor. Im Inneren bewegt sich der Koloss geräuschlos auf einem millimeterdünnen Ölfilm zu Zwecken technischer Vorbereitungen für die Beobachtungen in der Nacht. Nach Sonnenuntergang verlischt rasch das Tageslicht, die Gebäudestrukturen verschwimmen in der hereinbrechenden Dunkelheit, und die Erforschung des Universums kann beginnen. Von den Stränden an der Meeresküste– natürlich aus schwarzem Vulkansand– ist die Sternwarte dann sehr weit entfernt.

On the top of the world

Wieder zurück auf Teneriffa schwärmt Miquel Serra-Ricart noch einmal von seinem nicht so alltäglichen Arbeitsplatz: „Arbeiten an diesem besonderen Ort beeinflusst mich. Ich bin aus Barcelona, lebe aber seit zehn Jahren auf Teneriffa. Es ist ein Paradies, von dem aus man den Kosmos beobachten kann.“

tags:
Ein Beitrag von:

Eva Brunnsteiner Studienrichtung: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit Kunstgeschichte Forschungsinteressen: Dissertation: Visuelle Kommunikation der Aboriginals Australiens Berufserfahrung: Ich bin selbstständig als PR-Berater.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.