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Skyscraper – Film und Wirklichkeit, auf alle Fälle beeindruckend. 1.Teil
Credits: ©Alexey Stiop - stock.adobe.com

Skyscraper – Film und Wirklichkeit, auf alle Fälle beeindruckend. 1.Teil

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Von der Cheops-Pyramide bis zum Burj Khalifa ging es bei dem Rennen um die höchsten Gebäude der Welt immer nur um eines: um eine Machtdemonstration. Irgendwann verlagerte sich diese allerdings von den sakralen Bauten auf die weltlichen und aus den Kirchen wurden Skyscraper.

Sie bauen Türme und keiner weiß, wie hoch. Das Rennen um das höchste Gebäude der Welt findet derzeit in der arabischen Welt statt und lautet: Jeddah Tower gegen Dubai Creek. Und hier geht es nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern um die Demonstration von Wirtschaftskraft und Stärke – wie bei allen „höchsten Gebäuden der Welt“.

Dubai vs. Saudi-Arabien. Noch nicht klar, wie hoch

928 Meter soll der Dubai Creek hoch werden und damit den Burj Khalifa in Dubai, das aktuell höchste Gebäude der Welt, um 100 Meter überragen. Die tatsächliche Höhe und das Fertigstellungsdatum stehen – im wahrsten Sinne des Wortes – noch in den Sternen. Aus Konkurrenzgründen. Ob man in Dubai bei der Eröffnung das höchste Gebäude der Welt hat, ist nämlich nicht ganz sicher. Faktisch nebenan – in Saudi-Arabien – entsteht derzeit in der Stadt Jeddah der Kingdom Tower, auch Jeddah-Tower genannt. Dieser soll mit mehr als einem Kilometer Höhe 2019 eröffnet werden. Während der Jeddah Tower bereits – zwar langsamer als gedacht – in die Höhe wandert, wurde beim Dubai Creek Tower Anfang des Jahres erst das Fundament gelegt.

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Kompakter Tower vs. Aussichtsturm – Darf es ein bisschen mehr sein?

Dieser kann dafür aufgrund seiner Konstruktion schneller gebaut werden. Der Dubai Creek wird nämlich kein vollständig belegter Turm, sondern ein futuristischer Aussichtsturm mit rotierenden Glasbalkonen und Gärten auf mehreren Ebenen sein und Luxusresidenzen und Restaurants beherbergen. Wegen seiner Baustruktur könnte er sogar noch ein wenig höher gebaut werden. Experten vermuten, dass dies auch der Grund ist, warum die Eröffnung erst nach dem saudi-arabischen Konkurrenten erfolgen soll. Beim Jeddah Tower ist nämlich bei den knapp über 1.000 Metern das Ende der Fahnenstange erreicht, da er – wie der Burj Khalifa – ein kompakter Turm ist mit insgesamt 500.000 Quadratmetern Büros, 481 Wohnungen und einem 200-Zimmer-Hotel.

Burj Khalifa, legendäre Leistung trotz Baustart ohne Fertigstellungsplan

Wer auch immer das Rennen macht, nach der Einweihung einer der beiden Türme gehört der Burj Khalifa als welthöchstes Gebäude der Vergangenheit an. Schade, denn der Turm war eine mutige Meisterleistung. Als man im Jahr 2004 mit den Fundamenten begann, waren die technischen Voraussetzungen noch gar nicht vorhanden, um so ein Bauwerk überhaupt errichten zu können. Die Herausforderung lag unter anderem am Beton. Es war nämlich nicht sicher, ob sich dieser auch tatsächlich auf die damals angepeilten 800 bis 1.000 Meter Höhe hinaufpumpen ließ, ohne unterwegs zu erstarren. Das hatte auch mit der Hitze im Wüstenstaat zu tun. Mit Chemikalien und unglaublichem Druck schafften die Techniker das Unfassbare und pumpten die Masse auf 600 Meter Höhe. Dann war aber Schluss. Für die restlichen 200 Meter hatte man nur eine Alternative: Fertigelemente aus Stahlbeton, die man bis auf die Spitze des Turms hinauf verbaute.

Höhe: Taipei 101 plus Chrysler Building

Dafür hatte der Burj Khalifa aber einen Respektabstand zum damals bestehenden Rekordhalter. Er überragte seinen Vorgänger, den Taipei 101, um das gesamte Chrysler Building (319 Meter), das bei seiner Eröffnung 1930 das höchste Gebäude der Welt war. Am 4. Jänner 2010 wurde der Burj eingeweiht und so wird sein Rekord wohl elf Jahre halten. Eigentlich noch etwas länger, denn er hatte bereits im Sommer 2008, rund 1,5 Jahre vor seiner Fertigstellung, seinen Vorgänger überragt.

Trotz Konkurrenz aus Asien, Respektabstand für über ein Jahrzehnt

Bei seiner Einweihung erhielt der Turm erst seinen nun bestehenden Namen, denn bis dahin hieß er Burj Dubai, aber eines war klar: Hier wurden neue Grenzen gesetzt und tatsächlich hat seither kein anderer Wolkenkratzer den Burj bezwungen. Der 2012 fertiggestellte Tokyo Skytree mit 634 Metern in der japanischen Hauptstadt ebenso wenig wie der 2015 eröffnete Shanghai Tower mit 632 Metern oder das Pingan International Finance Center in Shenzhen. Tatsächlich prallten bis dato weitere Projekte ab. Und es gab davon nicht wenige, was man daran sieht, dass der Taipei 101 in der taiwanesischen Hauptstadt – Eröffnung 2004 – mittlerweile nicht einmal mehr unter den ersten zehn der höchsten Gebäude der Welt zu finden ist.

Mit der Cheops-Pyramide schufen die Ägypter einen Rekord für Jahrtausende

Das waren noch die guten alten Zeiten, als man mit dem höchsten Gebäude der Welt 4.000 Jahre lang prahlen konnte. Die alten Ägypter waren es, die den Rekord für die Ewigkeit aufgestellt hatten: Die Cheops-Pyramide war ursprünglich 146 Meter hoch und die Bauzeit dauerte geschätzte 20 Jahre. Der Zeitaufwand war es aber wert, denn Cheops‘ Grabmal galt fast 4.000 Jahre lang – nämlich von 2570 v. Chr. bis Anfang des 14. Jahrhunderts – als das höchste Bauwerk der Welt. Der legendäre Turm zu Babel soll zwar laut dem Alten Testament bis in den Himmel gereicht haben, aber von diesem ist nichts mehr übrig. Ebenso wenig wie vom Leuchtturm von Alexandria.

Von sakral zu profan – Von Kathedralen zu Wolkenkratzern

Die Kathedrale von Lincoln verdrängte die Cheops-Pyramide erst 1311 vom Spitzenplatz der Himmelsstürmer. Sie entstand unter Wilhelm dem Eroberer und war dann mehr als 200 Jahre lang das höchste Bauwerk der Welt. Seit dem 19. Jahrhundert sind es aber nicht mehr sakrale Bauten, die an den Wolken kratzen. In den USA wurde der Wettlauf um das höchste Gebäude der Neuzeit wieder aufgenommen. Dabei spielte aber der Glaube an das Geld eine größere Rolle als der an Gott. In der neuen Welt protzte man eben nicht mit Kathedralen, sondern mit Skyscrapers – ein Begriff, der ursprünglich den höchsten Mast eines Schiffs bezeichnete und ins Deutsche fälschlich als Wolkenkratzer übersetzt wurde.

Stahlskelettbau – Innovationskraft als Demonstration der wirtschaftlichen Stärke

Die Wolkenkratzer in der Neuen Welt waren eine Demonstration der wirtschaftlichen Stärke – aber vor allem der Innovationskraft. Den wichtigsten Impuls erhielt der Bau von Wolkenkratzern mit der Erfindung des Fahrstuhls durch Elisha Grave Otis im Jahr 1852. Zwar wäre es technisch gesehen bereits möglich gewesen, hohe Bauwerke zu errichten, doch hätte man für diese wohl kaum Mieter gefunden. Die Erfindung des Stahlskelettbaus war der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zur Wolkenkratzer-Architektur. Das erste Gebäude, das so gebaut wurde, war das Home Insurance Building in Chikago im Jahr 1885. Mit 55 Metern Höhe und zehn Etagen war es zwar nicht das höchste Gebäude (das war das Washington Monument mit einem revolutionären Aufzug, der 30 Passagiere innerhalb von zwölf Minuten auf das Dach des 50-stöckigen Denkmals befördern konnte), aber das erste klassische Hochhaus der Welt; für die Entwicklung des Wolkenkratzerbaus stellte es eine Revolution dar. Und dann ging es los.

 

Dieser Artikel erschien in der Firmenzeitung

„Check“ der Simacek FM Group, produziert im Mucha-Verlag.

Ein Beitrag von:

Walter Senk Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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