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Skyscraper – Film und Wirklichkeit, auf alle Fälle beeindruckend. 2.Teil
Credits: EDUSH VITALY

Skyscraper – Film und Wirklichkeit, auf alle Fälle beeindruckend. 2.Teil

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Von der Cheops-Pyramide bis zum Burj Khalifa ging es bei dem Rennen um die höchsten Gebäude der Welt immer nur um eines: um eine Machtdemonstration. Irgendwann verlagerte sich diese allerdings von den sakralen Bauten auf die weltlichen und aus den Kirchen wurden Skyscraper.

Chrysler Building – Ein gefinkelter Schachzug

Fast 100 Jahre von 1894 bis 1998 entstanden die höchsten Häuser der Welt in den USA. Im Jahr 1930 war das Chrysler Building mit 319 Metern das höchste Haus der Welt und überholte damit den Eiffelturm auch als höchstes Bauwerk. Das Wahrzeichen von Paris hatte diesen Rekord 40 Jahre inne. Genau ein Jahr lang hielten die 319 Meter, dann wurden sie vom Empire State Building mit 381 Metern abgelöst. Dabei kam das Chrsyler Building selbst auch nur durch einen gefinkelten Schachzug des Architekten zu seinem Weltrekord. Während der Erbauung hatte es bis in die letzten Tage – so wie aktuell in der Wüste – einen Wettlauf mit dem Turm der Bank of Manhattan gegeben. Als der Konkurrent, die Bank of Manhattan, mit ihrem Gebäude 283 Meter Höhe erreicht hatte, setzte der Architekt William Van Alen auf sein Chrysler Building noch einen drauf. Nämlich eine 56 Meter hohe Metallspitze, die man bis zum letzten Moment geheim gehalten hatte. Für den Rivalen war es zu spät um zu reagieren.

319 Meter Höhe mit streng geheimer Vorbereitung

Die einzelnen Bestandteile dieser Metallspitze waren im Heizungsschacht des Gebäudes zunächst gelagert und vormontiert worden. Dann wurden die riesigen Stahlplatten heimlich auf das 65. Geschoss gebracht, dort zusammengeschraubt und anschließend in einem Stück mit einem Drehkran auf das Gebäude aufgesetzt. Damit erreicht es 319 Meter Höhe und übertrumpfte die Konkurrenz. Vielleicht auch ein Vorbild für den Dubai Creek im aktuellen Sprint um das höchste Gebäude?

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Petronas Tower – Wettlauf des Wahnsinns

Die Wettrennen fanden zwischen den Türmen statt, aber nie bei einem einzigen. Das änderte sich beim Petronas Tower in Kuala Lumpur. Zwischen 1992 und 1998 wurden die beiden vollkommen identischen Türme konstruiert und realisiert. Der Bau konnte durch den Architekten César Pelli beschleunigt werden, da dieser zwei konkurrierende Firmen für die Errichtung beauftragte, welche sich zeitlich natürlich überbieten wollten. Die zwei 452 Meter-Türme bestehen größtenteils aus Stahlbeton, da für diese zwei Kolosse nicht genügend Stahl in Malaysia zur Verfügung stand.

Medienhype und Marketinggag

Um das Wettbauen gab es einen Medienhype, aber um das Ganze noch spannender zu machen, entschied man, dass die Montage der Spitzen zum gleichen Zeitpunkt beginnen sollte. Das Team 2 hielt sich allerdings nicht an die Vereinbarung und baute im Inneren des Turms die Spitze zusammen und schob sie dann aus dem Gebäude nach oben heraus. Ein klarer Regelverstoß, aber wen kümmert’s wenn man damit das Rennen um das höchste Gebäude der Welt gewinnt? Außerdem war es ja auch eine technische Leistung, das Ding innerhalb des Gebäudes zusammenzuschrauben und noch oben zu hieven. Der Parallelturm erreichte die endgültige Höhe eine Woche später. Rein äußerlich gibt es zwischen den beiden Türmen keinen Unterschied.

Petronas Tower beendete eine Ära

Ob der Wettbewerb ein Marketing-Gag war, oder die Erbauer tatsächlich ein so heikles Unterfangen hochriskant mit zwei verschiedenen Bautechniken beenden ließen, sei einmal dahingestellt. Sicher ist: Mit der Eröffnung des Petronas Towers in Kuala Lumpur im Jahr 1998 endete das goldene Zeitalter der US-amerikanischen Wolkenkratzer-Architektur.

Asien und der erste halbe Kilometer – Das Taipei 101

Der Wettstreit verlagerte sich auf einen anderen Kontinent. Von nun an erwies sich Asien als tonangebend und erzielt beim Bau neuer „Supertalls“ ungeahnte Rekordhöhen. Das Taipei 101, das ab 2004 die Regentschaft führte, war gleichzeitig das erste Gebäude weltweit, das mehr als einen halben Kilometer in den Himmel ragte.

„The Big Bend“ – Länge schlägt Höhe

In den USA werden aktuell nicht mehr die höchsten Wolkenkratzer gebaut, sondern die teuersten. Mit knapp vier Milliarden Dollar kostete das neue One World Trade Center, das am ehemaligen Ground Zero entstand, fast dreimal so viel wie der Burj Kalifah. Oder eben die längsten Türme. „The Big Bend“ heißt der Entwurf des griechisch-amerikanischen Architekten Ioannis Oikonomou eines U-förmiger Wolkenkratzer beim New Yorker Central Park. Aus der gebogenen Form des Wolkenkratzers ergibt sich eine Gesamtlänge von 1219. Das Gebäude wäre damit um 400 Meter – eben nicht höher – sondern länger als der Burj Khalifa. Möglich macht diese Gebäudeform die fortschreitende Technik: Aufzüge können sich mittlerweile auch horizontal und in Kurven bewegen. So könnte man mit dem Aufzug durch das gesamte Gebäude fahren. Wo sich allerdings der erste und wo der letzte Stockwerk befindet – also links oder rechts – darüber ist man sich noch nicht wirklich einig. Das hängt vielleicht auch vom Investor ab, den man derzeit noch sucht.

Jeddah Tower – Zurück in die Wüste

Als man 2013 mit dem Bau des Jeddah Tower begann, war die technische Umsetzbarkeit zunächst noch unklar – und auch die Höhe. Natürlich würde man den Giganten gerne höher bauen, um gleich einmal die potentiellen Konkurrenten auf Distanz zu halten. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit wurde die geplante Höhe von 1600 Metern jedoch auf einen Kilometer reduziert. Und dafür waren schon insgesamt 270 Pfähle notwendig, die bis zu 110 Meter in die Tiefe reichen.

1600 Meter im Jahr 1956

Die nächsthöheren Türme stehen erst in den Startlöchern, wenn man so sagen kann. Das liegt einerseits an den Baukosten, der Kingdom Tower kostet rund 1,2 Milliarden Dollar, aber auch an der Technik. Diese schreitet aber stetig voran und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wie ein Rückblick beweist. Bereits 1956 hat es in Chicago den Entwurf „Illinois“ gegeben für einen 1.600 Meter hohen Turm, der dem Jeddah Tower vom Aussehen her schon sehr ähnlich war – aber technisch nicht machbar. Eines der Hauptprobleme war damals, dass die unteren Stockwerke nur für die Aufzugstechnik notwendig gewesen wären. Heute sieht das alles ganz anders aus – und die technischen Möglichkeiten werden immer besser und mit jedem neuen Turm werden neue Lösungen gefunden. Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht.

Carbonbeton oder Textilbeton – Leichter als Plastik und härter als Stahl

Vor allem werden neue und immer bessere Baumaterialien entwickelt, und damit verändern sich die Strukturen der Gebäude. Der neue Verbundwerkstoff Carbonbeton oder Textilbeton hat das Potenzial, die gesamte Architektur zu revolutionieren. Das High-Performance-Material ist eine Verbindung aus Beton und Kohlenstofffasern und verfügt über mehr Festigkeit, Leichtigkeit und Langlebigkeit als herkömmlicher Beton.

Ein weiterer Baustoff wurde von Wissenschaftlern an der Eliteuniversität „Massachusetts Institute of Technology“ entwickelt. Das Material ist leichter als Plastik und zehnmal härter als Stahl. Vielleicht sind die Konzepte, die wir heute als futuristisch betrachten, genauso futuristisch wie der Illinois Tower im Jahr 1956? Was heute undenkbar ist, ist morgen vielleicht schon machbar.

Wer ist der nächste?

Abgesehen von ein paar abstrusen architektonischen Vorschlägen hat nach aktuellem Stand der Sky Mile Tower in Tokio die größte Chance realisiert zu werden. Der Name ist Programm und damit wären tatsächlich die Meile, beziehungsweise 1,6 Kilometer Höhe erreicht. Der geplante Wohnturm für 55.000 Menschen setzt sich sehr spacig aus 15 Appartementblöcken zusammen. Er ist Teil eines umweltfreundlichen neuen Stadtteils und soll 2045 fertig gestellt sein. Next Tokyo 2045 ist bislang ein rein hypothetisches Projekt, bei dem es vor allem darum geht, an entsprechenden Technologien zu forschen. Wobei mit diesem Riesenturm eine große Frage aufgeworfen wurde: Wollen Menschen überhaupt in einer horizontalen Megacity wohnen, deren Population so groß ist, wie die der niederösterreichischen Landeshauptstadt St.Pölten?

Aber jetzt warten wir einmal ab, wer das Rennen in der Wüste macht.

Dieser Artikel erschien in der Firmenzeitung

„Check“ der Simacek FM Group, produziert im Mucha-Verlag.

Ein Beitrag von:

Walter Senk Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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