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Wie kein anderes Unternehmen tragen die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) Verantwortung für das Naturland Österreich. Rund 15 % der Wald- und etwa 10 % der Staatsfläche sind den Bundesforsten zur Betreuung und Bewirtschaftung anvertraut. Für rund die Hälfte der ÖBf-Flächen gelten naturschutzrechtliche Bestimmungen. Über die Aktivitäten des Unternehmens sprachen wir mit Gernot Strasser.

Mit welchen Aufgaben ist die ÖBf AG betraut?

Gernot_Strasser
Im Interview

Kerngeschäft der Bundesforste ist die Forstwirtschaft, weitere und jüngere Standbeine sind die Geschäftsbereiche Immobilien, Dienstleistungen und Erneuerbare Energie. Die Bundesforste sind auch Österreichs größter Gewässerbewirtschafter und betreuen 74 der größeren österreichischen Seen– darunter beliebte Badeseen wie Attersee, Wörthersee oder Millstätter See. Zur Fülle und Vielfalt der Naturjuwele kommen noch kulturhistorisch wertvolle Gebäude. Weiters ist die ÖBf AG die Hüterin wichtiger Wasserreserven, Nationalparkflächen und Gletscher.

Woraus setzen sich diese Gebiete zusammen?

Die Bundesforste betreuen und bewirtschaften rund 855.000 Hektar Fläche in Österreich. 511.000 Hektar sind Waldfläche (knapp ein Drittel davon Schutzwald). Die Flächen erstrecken sich vom Arlberg bis zu den Donau-Auen und umfassen sämtliche Landschaftstypen und Ökosysteme von Hochgebirgswäldern und Gletschern über Almen, Au-Landschaften und Wiesen bis hin zu Seen, Fließgewässern und Mooren.

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Außerdem stellen die Bundesforste in drei Nationalparks Flächen zur Verfügung: in den Nationalparks Donau-Auen, Kalkalpen und Hohe Tauern. In den Gebieten Kalkalpen und Donau-Auen sind sie der größte Grundbesitzer, dort sind sie über einen eigenen Nationalparkbetrieb auch in das Management eingebunden. In Summe bringt die ÖBf AG rund 52.000 Hektar ihrer Naturflächen in Nationalparks ein.

Wie ist die prinzipielle strategische Ausrichtung der ÖBf AG?

Oberstes Prinzip für die Bundesforste ist die Nachhaltigkeit, d. h. der Natur wird nur so viel entnommen wie nachwächst. In einen breiteren Kontext gestellt bedeutet es, dass der Schutz von Natur und Umwelt gleichrangig neben der Wahrung gesellschaftlicher Ansprüche und der Erzielung wirtschaftlicher Erfolge steht. Die Naturflächen, die in zwölf Forst- und zwei Nationalparkbetrieben zusammengefasst werden, sind nicht nur funktionierende Ökosysteme mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch ein einzigartiger Erholungsraum für Menschen. Eine lebenswichtige Rolle übernimmt der Wald vor allem dort, wo er Siedlungen und Infrastruktur vor zerstörerischen Naturgewalten schützt.

Welche Aufgaben umfasst das wirtschaftliche Standbein „Immobilien“?

Mit rund 4.200 Gebäuden bewirtschaftet die ÖBf AG eines der größten Immobilienportfolios Österreichs. Das Leistungsspektrum umfasst die Vermietung von Gebäuden, die Verpachtung von Nutzflächen, die Vergabe von Baurechten für private und gewerbliche Nutzung, den An- und Verkauf von Grundstücken und Gebäuden sowie die Verwertung von Flächen insbesondere für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft (zum Beispiel Wander-, Reit- oder Mountainbike-Wege). Im Geschäftsbereich Immobilien konnte eine Betriebsleistung von rund 38 Millionen Euro erzielt werden. Seit der Neugründung im Jahr 1997 hat sich die Betriebsleistung des Geschäftsbereichs Immobilien verdreifacht. Neben dem Kerngeschäft Forst/Holz ist der Geschäftsbereich Immobilien mittlerweile der wichtigste Geschäftsbereich. Heute werden bereits mehr als 16% der gesamten Betriebsleistung in diesem Bereich erwirtschaftet.

Wird der Bestand nur verwaltet oder wird er auch verwertet?

Die Bundesforste verwalten nicht nur, sie bewirtschaften vor allem auch. Objekte und Liegenschaften werden im Regelfall vermietet, verpachtet oder in Baurecht vergeben und damit einer betrieblichen Wertschöpfung zugeführt.

Gibt es eine Selektion, was verkauft wird und was nicht?

Der An- und Verkauf von Flächen ist klar geregelt. Die Grundlage bildet die sogenannte „Substanzerhaltungspflicht“, die im Bundesforstegesetz festgelegt ist: Jeder Euro, der durch den Verkauf von Flächen erwirtschaftet wird, muss wieder in Flächen investiert werden. Auch beim Grundverkehr gilt der Grundsatz der Nachhaltigkeit: Bei An- und Verkäufen von Grundstücken oder Gebäuden hat der Ausgleich zwischen Naturschutz, gesellschaftlichen Anliegen und wirtschaftlichen Zielen Vorrang. Keinesfalls verkauft werden Flächen mit besonderer Bedeutung für Österreich, etwa Gletscher, Berge oder Seen sowie Flächen in Nationalparks oder Flächen mit Natur- oder Kulturdenkmälern.

Angekauft werden etwa Flächen, die ökologisch sehr wertvoll sind, einen besonderen Stellenwert für die Bevölkerung haben oder wirtschaftlich gut nutzbar sind (beispielsweise Waldflächen, die an ein Bundesforste-Gebiet angrenzen). Verkauft werden etwa Flächen in Rand- oder Streulagen bzw. Flächen, die schwer zu bewirtschaften sind oder auch der Verbesserung der regionalen Infrastruktur dienen.

Wie stellt sich die Nachfrage bei Baurecht dar?

Die Nachfrage nach Baurechtsflächen ist ungebrochen hoch und im vergangenen Geschäftsjahr 2013 weiter gestiegen. Bei unverändert anziehenden Grundstückspreisen ist das Baurecht sowohl im privaten wie auch im gewerblichen Sektor eine kapitalschonende Alternative etwa zur Errichtung von Eigenheimen bzw. Wohnhäusern– insbesondere in stadtnahen Gebieten und überall dort, wo Wohnraum (und Bauflächen) knapp werden. Im Baurecht errichtet werden unterschiedlichste Objekte, vom klassischen Einfamilienhaus über Mehrparteienhäuser (gemeinnützige Wohnträger) bis hin zu Gewerbeobjekten wie Tankstellen, Supermärkte oder Lagergebäude.

Wo kann man sich erkundigen, wenn man sich für Grundstücke der ÖBf AG interessiert?

Aktuelle Angebote werden auf der Website der Bundesforste www.bundesforste.at/immobilien veröffentlicht und ausgeschrieben. Auch die Immobilien-Spezialisten sind gerne bei der Suche nach dem gewünschten Objekt behilflich– alle Ansprechpartner finden Sie auf der Webseite www.bundesforste.at unter Übersichtskarte Immobilien.

Wie ist der Umgang mit historischen Gebäuden?

Naturgemäß ein nachhaltiger: Die Bundesforste erhalten auch einige kulturhistorisch wertvolle Gebäude und bewahren den Zugang für die Öffentlichkeit– wie etwa das Schloss Eckartsau, Sitz des ÖBf-Nationalparkbetriebs im Nationalpark Donau-Auen, oder das Schloss Lamberg in Steyr. Dabei führen die Bundesforste laufend behutsame Renovierungsarbeiten durch und erhalten denkmalgeschützte Kulturgüter für die Nachwelt.

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Ein Beitrag von:

Walter Senk Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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