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Steuern und Immobilien-Investitionen

Finanzstaatssekretär Andreas Schieder über die Immobilienertragssteuer, seine Gedanken zur Erbschaftssteuer, warum Investitionen in Immobilien noch einen zusätzlichen Nutzen haben und warum Wien als Platz zum Wohnen und Arbeiten so gefragt ist.

In den letzten Jahren waren Immobilien als Anlage sehr begehrt.

Im Interview
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Schieder: Es haben in der Krise viele Menschen in Immobilien investiert, was ich auch gut verstehen kann, denn diese haben eine sichere Rendite. Wenn ein Wertpapier verfallen ist, dann kann ich es mir an die Wand hängen, aber eine Immobilie behält ja ihren Substanzwert. Außerdem hat eine Wohnung auch noch den Wohnwert, und da ist es egal, ob der Preis oben oder unten ist. Das ist ein zusätzlicher Nutzen, und das verstehe ich ebenfalls als Anlage

In welcher Form unterstützt der Staat die Bevölkerung beim Thema „Immobilien“?

Schieder: Eine staatliche Immobilienförderung ist die Wohnbauförderung, ebenso ist die Arbeit der Genossenschaften eine staatliche Förderung, bis hin zum geförderten Eigentum und der Mietzinsbeihilfe, die aber bundesländerweise jeweils anders organisiert ist. Außerdem sind hier die Unterschiede zwischen Stadt und Land zu beachten.

Kurz noch zur Immobilienertragssteuer.

Schieder: Wir haben bei der Immobilienwertzuwachssteuer die Ausnahme, dass sie nicht anfällt, wenn es sich um einen Hauptwohnsitz handelt. Wir haben dezidiert festgehalten, dass sie für den Eigennutzer nicht gilt. Der Verkauf soll nicht betroffen sein, wenn es ein Hauptwohnsitz war, denn es ist wichtig, dass das Wohnbedürfnis des Bürgers befriedigt wird. Bei Immobilien treffen sich zwei verschiedene Interessen, die im Vordergrund stehen: das Wertzuwachsinteresse und das Nutzungsinteresse. Letztendlich gibt es ohne Wertsteigerung so und so keine Steuer.

Wird es im Bereich der Immobilienertragssteuer in den kommenden Jahren vielleicht wieder Erleichterungen geben?

Schieder: Nein, es wird keine geben. Es ging ja nicht darum, eine Einnahme zu schaffen, sondern darum, einen Ausgleich zwischen der Besteuerung des Kapitalvermögens und des Immobilienvermögens herzustellen. Was also bei Kapitalvermögen Usus ist, wurde damit in einer adäquaten Form auf die Immobilien umgelegt und entspricht damit der Angleichung an andere Investmentformen.

Wie stehen Sie zur diskutierten Wiedereinführung der Erbschaftssteuer?

Schieder: Ich bin für die Einführung einer intelligenten Erbschaftssteuer mit einer Freigrenze von einer Million Euro Nettovermögen. Ich bin mir sicher, dass die meisten Privatimmobilien unter dem Wert von einer Million Euro liegen. Die neuesten Vermögensforschungen kommen zu dem Schluss, dass ein Prozent der Bevölkerung über eine Million Euro hat, dafür aber ein Drittel unter 50.000 Euro.

Die Quadratmeterpreise für Wohnimmobilien sind in den vergangenen Jahren in Wien gestiegen. Sehen Sie die Gefahr einer Blase?

Schieder: Wenn wie in Amerika oder Spanien der Kauf mittels Kredit erfolgt und eine immerwährende Wertsteigerung der Immobilie ein integraler Bestandteil des Investitionsanreizes ist, dann wird es gefährlich, wenn diese Wertsteigerung nicht mehr gegeben ist und jemand den Kredit nicht mehr zurückzahlen kann. Wenn ich auf Pump eine Immobilie kaufe, und diese entwickelt sich nicht wie erwartet nach oben, dann kann es eng werden. Diese Gefahr ist bei uns weitaus geringer, da wir ein Mietrecht haben und geförderten Wohnbau und das alles sehr gut durchmischt ist. Dadurch fahren die Preise zwar nicht in den Himmel, wie es in manchen Ländern ja der Fall war, aber sie können auch nicht so abstürzen.

Wie schätzen Sie allgemein den Wohnimmobilienmarkt in Wien ein?

Schieder: Wir haben in Wien einen sehr homogenen Markt mit der Ausnahme der Innenstadt. Die ist, wie man so sagt, ein anderes Pflaster und sehr teuer. Natürlich ist die City in jeder Stadt etwas Besonderes, aber auch hier leben Menschen, und es gibt nicht nur Büros, wie es in zahlreichen anderen Metropolen der Fall ist. Sogar in der Innenstadt gibt es noch zwei Gemeindebauten – die Durchmischung ist einfach wichtig. Wobei ich schon etwas Interessantes beobachte …

Nämlich?

Schieder: Wir bewegen uns weg von einem Zentrum hin zu mehreren in verschiedenen Bezirken. Es gibt zahlreiche Bezirke mit eigenen Zentren, die qualitative Geheimtipps sind. Zum Beispiel der 14. Bezirk ist ein Stück Stadt, das alles hat. Durch die Stadtentwicklung entstehen auch weitere neue Viertel. Beim Hauptbahnhof im 10. Bezirk, die Kabelwerke im 12. Bezirk oder in Ottakring. Es gibt laufend Projekte, durch die sich in den Vierteln etwas tut und diese sich auch positiv verändern. Prinzipiell entwickeln sich Viertel langsam, aber es gibt auch welche, in denen der Entwicklungsprozess sehr schnell geht. Wenn ein Viertel revitalisiert wird und Menschen dorthin ziehen, dann muss man darauf achten, dass der Charakter des Viertels nicht verloren geht und die Menschen in ihren Wohnungen und in ihrer angestammten Umgebung bleiben können. Es ist wichtig, dass neuer Platz zum Wohnen und Wohnraum entstehen, denn Wien wächst weiter. Es ziehen viele Leute aus den Bundesländern und aus dem Ausland hierher.

Wien wächst– sehen Sie das auch im Bereich der Unternehmen, die hierher ziehen?

Schieder: Natürlich. Bei der Standortfrage spielen die weichen Faktoren eine wesentliche Rolle. Wo will eine ausländische Firma ihren Standort haben? Ich will gute Mitarbeiter, und die bekomme ich nur, wenn ich als Unternehmer auch am Standort etwas bieten kann. Bei Standorterhebungen, also bei der Frage, was einem Unternehmen an einem Standort wichtig ist, geht es sehr stark um die Lebensqualität.

Und steuerliche Anreize vonseiten der Stadt?

Schieder: Der Steueraspekt ist für Unternehmen– laut Untersuchungen– im mittleren Drittel zu finden. Was hat ein Unternehmer von einer niedrigen Steuer, wenn er keine Mitarbeiter findet, weil keiner in der Stadt wohnen und arbeiten will? Auch die Manager wollen an einem guten Standort arbeiten und vor allem leben. Wir profitieren von der Ostöffnung, und es gibt mehr Firmen, die nach Wien wollen, als solche, die ihren Standort in Osteuropa haben wollen. Ich treffe viele Kollegen aus dem Ausland: Banker, Direktoren, Investoren, und die sind alle begeistert von Wien. Der Standort Wien hat sogar für unsere Arbeit als Politiker Vorteile.

Inwiefern?

Schieder: Wenn wir Verträge unterzeichnen mit anderen Vertretern von Staaten, dann ist immer die Frage: Machen wir dies in Wien oder in einer Stadt des Vertragspartners? Sehr oft kommt dann die Bitte unserer Partner, dass sie dies in Wien machen wollen, weil sie gerne herkommen und auch gleich Termine in anderen international ansässigen Organisationen wahrnehmen können. Wenn wir am Montag Verträge unterzeichnen, dann kommen wir oft drauf, dass unsere Partner schon vor dem Wochenende nach Wien gekommen sind, um sich die Stadt anzusehen.

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Über den Autor

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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