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Raketentechnik, Streichkäse und Immobilien

Jaber Maklad hat eine unglaubliche Erfindung gemacht, die im Immobilienbereich zahlreiche Einsparungen beim Umgang mit der knappen Ressource Wasser bringt und damit auch bei den Kosten– zum Beispiel bei Duschen, Sprinkleranlagen, der Wasserreinigung oder der Feinstaubbindung.

Herr Maklad, was haben Sie studiert?

Maklad: Flugzeugbau an der FH Hamburg, Luft- und Raumfahrt an der TU Berlin und Strömungslehre und Wärmeübertragung an der TU Wien.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Im Interview
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Maklad: Während meiner Tätigkeit am Institut für Strömungslehre- und Wärmeübertragung der TU Wien wurde ich gefragt, ob es möglich wäre, mit direkter Dampfinjektion Wasser von ca. 10 Grad Celsius auf bis zu 99 Grad zu erhitzen und ohne Pumpe den Druck mehrfach zu erhöhen. Bis dahin war Stand der Technik, dass man nur eine kleine Menge Dampf zum Wasser injizieren und kondensieren kann, das waren rund 5%. Diese kleine Dampfmenge reicht nicht aus, um Wasser auf ca. 99 Grad Celsius zu erhitzen und seinen Druck zu erhöhen. Nach genauer Überprüfung meiner Unterlagen bezüglich Dampf und Wasser-Mischungen habe ich festgestellt, dass es möglich ist, mehr Dampf zum Wasser zu injizieren und infolge der Dampfkondensation seinen Druck zu erhöhen, wenn man die richtige Vorrichtung dafür baut. In Anlehnung an die Raketentechnik habe ich so eine Vorrichtung entwickelt und im Arsenal in Wien getestet. Wasser mit bis zu 99 Grad Celsius wurde erzeugt und sein Druck wurde um das Acht-fache erhöht. Somit war der innovative MAKLAD-Injektor geboren.

Die Erfindung ist patentiert?

Maklad: Ja, natürlich.

Wird diese Erfindung schon verwendet?

Maklad: Ja, zum Ultra-Hocherhitzen von Milch, wobei der frische Geschmack erhalten bleibt und sich auch die Haltbarkeit verlängert, oder zur Homogenisierung von Säften und Nektaren. Zur Herstellung von Schmelzkäse. Die meisten Streichkäse, die in Österreich und in vielen Teilen der Welt gegessen werden, werden mit meinem Verfahren produziert. Weiters zum Sterilisieren von Pharmaabwässern mit bis 95% Energieersparnis. Zum Hygienisieren und zur Desintegration von Klärschlamm und Biomasse (Essenreste), um die Biogaserzeugung zu erhöhen.

Wofür kann man Ihre Erfindung im Immobilienbereich nutzen?

Maklad: Der Injektor kann auch mit Wasser/Luft betrieben werden. Das Wasser wird im Injektor mittels einer konvergenten Düse auf Unterdruck (Vakuum) beschleunigt. Im Unterdruckbereich wird automatisch Umgebungsluft zum Wasser angesaugt, mit Wasser vermischt und die Mischung aus dem Injektor zu feinen Wassertröpfchen und Luft expandiert. Diese Anwendung kann man für die Duschen zum Beispiel in Hotels nützen. Man spart bis zu 40% Wasser. Das Wasser wird mit Sauerstoff belebt und weich, sodass man wenig Waschmittel braucht. Der Injektor wird im kleineren Stil gefertigt und vor dem Duschkopf montiert.

Wie wird die Düse betrieben? Mit Strom?

Maklad: Nein, das ist nicht notwendig. Die Düse ist so konzipiert, dass sie lediglich mit dem Druck von Wasser bzw. Luft betrieben wird. Das heißt, Sie brauchen keinen zusätzlichen Strom, sondern nur die Düse. Wenn man als Beispiel die Dusche nimmt, dann einfach in den Duschkopf einbauen. Fertig.

Andere Anwendungsbereiche bei Immobilien?

Maklad: Man kann diese Anwendung auch für Schwimmbadwasser nützen. Das Wasser wird gereinigt und man braucht wenig Chlor. Mit Druckluft betrieben kann sehr feiner Wassernebel erzeugt werden. Der Injektor funktioniert bereits ab 1 Bar Druck, während herkömmliche Systeme erst ab 200 Bar funktionieren. Wassernebel ist viel effektiver als reines Wasser bei der Brandbekämpfung und bei der Feinstaubbindung.

Warum ist Nebel effektiver als Wasser bei Brandbekämpfung?

Maklad: Aus einem Liter Wasser werden mit der Düse ca. 60 Liter Nebel erzeugt. Mit wenig Wasser wird die Brandstelle bedeckt. Die feinen Nebeltröpfchen verdampfen viel schneller als Wassertropfen. Infolge der Nebelverdampfung kühlt sich die Brandstelle sehr stark ab und das Feuer erstickt. Die Brandstelle bleibt trocken und somit wird die Einrichtung von Spritzwasserschäden verschont. Diese Anwendung kann man bei passenden Temperaturen auch zur Kunstschnee-Erzeugung mit sehr wenig Energieaufwand nutzen.

Wie funktioniert das System bei Abbrucharbeiten?

Maklad: Die feinen Nebeltröpfchen, die durch die Düse erzeugt werden, haben die Größenordung von Feinstaubpartikeln und können lange in der Luft schweben. Sie binden Staub zu großen Tropfen, die schneller zu Boden fallen, dadurch wird Staub bekämpft und die Luft gereinigt und gekühlt– viel besser als mit einem Wasserstrahl, und außerdem spart man noch enorm viel Wasser.

Noch kurz zum Thema Wasserreinigung.

Maklad: Die Wasserreinigung funktioniert durch Sauerstoffeintrag infolge von Belüftung. Somit wird das Wasser belebt und gereinigt.

Das ist eine Vielzahl von Möglichkeiten und hinter all dem steckt ein einziges System?

Maklad: Ja.

Zum Abschluss: Wenn all diese Möglichkeiten auf einem einzigen System beruhen, dann könnte man da ja auch noch andere Ideen daraus entwickeln.

Maklad: Ja, das ist richtig. Ich bin gerne bereit, mich mit Menschen, die Ideen haben, zusammenzusetzen und diese Erfindung auch in anderen Bereichen zu nutzen.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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