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Londons Immobilienpreise – jenseits von England

Londons Immobilienpreise – jenseits von England

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Die Immobilienpreise in England driften auseinander. Einerseits gibt es London, andererseits den Rest des Landes. Während in London die Preise immer höher steigen und hier auch die teuersten Wohnungen der Welt verkauft werden, stagnieren oder fallen die Immobilienpreise im übrigen Land. Verantwortlich für den rasanten Zuwachs in der englischen Hauptstadt sind vor allem Ausländer, die hier investieren, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen, und natürlich der Finanzplatz London, der entsprechend zahlungsstarke Käufer anzieht.

Der Wohnimmobilienmarkt in London gehört zu den dynamischsten der Welt und übertrifft traditionell die Entwicklung auf dem Markt im übrigen England. Die steigenden Preise in den bevorzugten Lagen entkoppeln sich immer stärker vom nationalen Immobilienmarkt. Hauptsächlich verantwortlich ist starke Nachfrage aus dem Ausland. Hochwertige Immobilien in der britischen Hauptstadt gelten nach wie vor als sicheres Investment. Niedrige Zinsen, eine steigende Inflationsangst und die Unsicherheit über die Zukunft des Euro haben diese Tendenz in den ersten sechs Monaten 2012 noch einmal verstärkt. „In allen bevorzugten Lagen verzeichnen wir eine gestiegene Nachfrage nach hochwertigen Wohnimmobilien. Aufgrund des sehr begrenzten Angebots registrieren wir in Einzelfällen Kaufpreisanstiege von bis zu 10% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum“, berichtet Alix McAlinden, Geschäftsführer von Engel Völkers in London-Chelsea. In den vergangenen drei Jahren sind die Preise um durchschnittlich 23% gestiegen. Den größten Sprung machten sie laut der aktuellsten Studie der internationalen Maklerorganisation Knight Frank in Londons South Bank: Wer hier im ersten Quartal 2007 um rund eine Million Pfund Eigentum erwarb, hat jetzt eine Immobilie, die bereits 1.435.000 Pfund wert ist.

Spitzenwerte bis zu 93.000 Euro pro Quadratmeter

Die bevorzugten Lagen in London sind Chelsea, Kensington, Knightsbridge und Belgravia. Wohlgemerkt, der Normalbürger kauft hier angesichts der Preise nicht: Äußerst gefragt sind Objekte ab drei Millionen Pfund (rd. 3,7 Millionen Euro) aufwärts. Für exklusive Stadthäuser mit besonders hochwertiger Ausstattung müssen Käufer in diesen Premium-Lagen üblicherweise rund 4,5 Millionen Pfund (rd. 5,6 Millionen Euro) bezahlen. Eigentumswohnungen kosten im Durchschnitt rund 1,4 Millionen Pfund (rd. 1,7 Millionen Euro). In Kensington und Belgravia werden bei Eigentumswohnungen Top-Preise bis zu 3.500 Pfund pro Quadratfuß (rd. 47.000 Euro pro Quadratmeter) erzielt. Bei Stadthäusern mit sehr hochwertiger Ausstattung sind es bis zu 5.000 Pfund pro Quadratfuß (rd. 66.300 Euro pro Quadratmeter). In dem exklusiven Neubauprojekt One Hyde Park in Knightsbridge werden Spitzenwerte von bis zu 7.000 Pfund pro Quadratfuß (rd. 93.000 Euro pro Quadratmeter) realisiert. Dies ist insofern interessant, als im Wohnkomplex One Hyde Park bis vor Kurzem Preise um 88.000 Euro pro Quadratmeter als die höchsten galten und die lokalen Immobilienexperten davon ausgingen, dass aufgrund der hohen Nachfrage nach diesem Segment in der englischen Hauptstadt bis 2016 sogar Preise bis 125.000 Euro pro Quadratmeter zu erwarten sind. Bei der aktuellen Entwicklung könnte dieser Wert aber schon viel früher erreicht werden– ein Rückgang der Nachfrage ist nämlich nicht in Sicht.

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Hohe Auslandsnachfrage bestimmt Preistrend nach oben

London ist eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt. Viele Banken haben ihre Präsenz in letzter Zeit noch erhöht, was die Nachfrage nach hochwertigem Wohnraum zusätzlich steigen lässt. Im absoluten Top-Segment bestimmen vorrangig vermögende Ausländer den Preistrend nach oben und viele Käufer kommen aus der Finanzbranche. Wohnimmobilien in einer Top-Lage Londons sind darüber hinaus für viele Vermögende ein Statussymbol. Rund 58% der Käufer verfügen über genügend Eigenkapital und sind nicht auf eine Finanzierung angewiesen. 55% sind private Anleger, 45% institutionelle Investoren.

Raus aus der Eurozone

Wegen der Turbulenzen in der Eurozone haben die Anfragen aus Europa noch einmal deutlich zugenommen. Die Käufer sind zu etwa 60% Ausländer, die ihr Geld außerhalb der Eurozone anlegen wollen. 2010 und 2011 waren es vor allem Griechen, dann folgten wohlhabende Spanier und Italiener. Die Kauflust von Russen, Kasachen, Chinesen und Kunden aus dem Mittleren Osten wächst ebenfalls kontinuierlich. Doch auch aus Frankreich und Deutschland registriert Engel Völkers in London eine große Nachfrage, denn bei vielen gilt ein Investment in der Metropole als sicherer Hafen für ihr Vermögen. Bei den Mietern dominieren Einheimische die Nachfrage, dicht gefolgt von anderen Europäern.

Trotz der Preise sind die Immobilien kurz auf dem Markt

Wegen des großen Nachfrageüberhangs ist parallel zu den steigenden Preisen die Vermarktungsdauer gesunken. Exklusive Objekte in Bestlage sind meist nicht länger als einen Monat am Markt. Voraussetzung ist neben der begehrten Lage eine sehr hochwertige Ausstattung. Besonders stark gefragt sind luxuriöse Eigentumswohnungen und Townhouses, die häufig als Wohnsitz für die gesamte Familie genutzt werden. Parkmöglichkeiten, Concierge-Service und Sicherheitssysteme sind für die meisten Kunden unabdingbar. Häufig wird darüber hinaus ein Balkon oder eine Terrasse gewünscht. Viele Kunden legen Wert auf eine große Wohnfläche, die Platz für Personalwohnungen und Gästezimmer bietet.

Mietinvestments zunehmend auch bei privaten Anlegern im Fokus

Insbesondere Mietinvestments („buy-to-let“) sind in den vergangenen sechs Monaten auch bei privaten Anlegern zunehmend interessant geworden. Niedrige Zinsen, hohe Mieten und dadurch hohe Renditechancen sowie der Mangel an anderen guten Investitionsmöglichkeiten beflügeln diesen Trend und „man“ kauft eben Anlagewohnungen in der englischen Hauptsstadt. Doch geeignete Objekte sind in London knapp. Daher sind bei Mietinvestments auch Objekte mit Entwicklungspotenzial sehr stark nachgefragt.

Weder die große Finanzkrise noch die labile englische Konjunktur konnten die Anziehungskraft hochwertiger Wohnimmobilien in London mindern. Auch die Erhöhung der Grunderwerbssteuer auf 7% bei Objekten über zwei Millionen Pfund im März dieses Jahres hat der großen Nachfrage bisher keinen Abbruch getan. „Wir gehen davon aus, dass die Preise noch weiter steigen werden“, so Alix McAlinden von Engel Völkers. „Die Attraktivität der britischen Hauptstadt, die aufgrund ihres Kulturangebots, des Lifestyles und ihrer Rolle als Sitz vieler internationaler Firmen und Institutionen besteht, und das große Vertrauen der Anleger in den Werterhalt ihrer Investition werden die Nachfrage nach Wohnimmobilien weiterhin steigen lassen.“

Ein Beitrag von:

Walter Senk Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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