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Wie wir heute wohnen wollen

Eine aktuelle Umfrage von Wohnnet und s REAL zeigt ein Abbild der Wirklichkeit – nicht geschönt und voller interessanter Aspekte. Die Immobilien-Redaktion hat ein paar Fakten herausgepickt, die besonders bemerkenswert erscheinen.

Als Grund, eine neue Immobilie zu suchen, wird von fast der Hälfte der Suchenden die Änderung und Weiterentwicklung der persönlichen Lebenssituation angegeben. Die Lebensumstände ändern sich vor allem durch Partnerschaft, Heirat, Kinder oder Beruf. Allerdings wollen ganze 46% einfach auch ihre Wohnsituation verbessern: durch mehr Freiflächen in der Wohnung eine bessere Aufteilung der Zimmer oder eine bessere Infrastruktur im Umfeld.

Angebot und Nachfrage

Bei der Art der Immobilie klaffen allerdings Wohnwunsch und Angebot in einem Bereich weit auseinander: bei der Miete. Rund 35% suchen Wohnungen oder Häuser zur Miete, doch sie machen nur 20% des Angebots am Immobilienmarkt aus. Die Nachfrage übersteigt also das Angebot um mehr als ein Drittel. Hierzu passt auch die Antwort auf die Frage „Was ist der Hauptgrund dafür, dass Sie eine Immobilie mieten möchten?“ 50% gaben die beschränkten finanziellen Möglichkeiten an. Fazit: Von diesen 50% würden sich vermutlich viele anders entschließen, wenn sie mehr Geld hätten.

In diesem Zusammenhang ist noch ein anderer Aspekt der Studie bedeutsam und zeigt eine Realität, wie sie von der Politik derzeit nicht gerne registriert wird: Im Angebot befinden sich rund 26% Gewerbeimmobilien– gesucht werden sie allerdings nur von 9%. Dieser Nebenschauplatz wirft einen Schatten auf die aktuelle wirtschaftliche Situation.

Wunsch nach Freiflächen …

„Bei den Wünschen zur Wohnqualität ergab unsere Umfrage 2015 eine Verschiebung der Prioritäten im Vergleich zu den Vorjahren“, erklärt Richard Mauerlechner, Geschäftsführer Wohnnet Medien GmbH: „Während eine intelligente Raumaufteilung in den letzten Jahren noch für 50% der Befragten und mehr eine entscheidende Rolle spielte, tut sie das heuer nur noch für 34%.“

Eklatant zugenommen hat der Anteil derjenigen, die sich einen Balkon oder eine Terrasse wünschen, nämlich von 22% auf 31% der Wohnungssuchenden. Auch die absolute Wohnfläche ist heuer wieder wichtiger als in den Vorjahren: Für 23% spielt die Fläche eine wichtige Rolle, 2012 waren es 18%.

… und viel Ruhe

„In diesem Jahr wollten wir auch das Ruhebedürfnis der Österreicherinnen und Österreicher erheben“, so Mauerlechner. „Die Ergebnisse sind doch einigermaßen erstaunlich.“ Nur 16% der Befragten gaben an, dass ihnen eine zentrale Lage der Immobilie so wichtig sei, dass sie auf eine Ruhelage verzichten würden. 36% wollen, dass ihre Immobilie urban liegt, aber ruhige Schlafräume hat. Die überwältigende Mehrheit, nämlich 48%, wünscht sich, dass sich ihre Immobilie insgesamt in einer sehr ruhigen Lage befindet. Das heißt, 84% der Befragten wünschen sich Ruhe. Deshalb sind Wohnungen, die Natur und Infrastruktur bieten, relativ schnell weg– vor allem die günstigen.

Exklusiv oder relativ günstig

Vor allem diese beiden Segmente sind 2015 auf dem Immobilienmarkt gefragt. „Exklusive Immobilien werden immer noch gut nachgefragt, aber die Interessenten in diesem Bereich sind sehr wählerisch. Es muss wirklich alles passen, damit auch gekauft wird, Kompromisse gibt es kaum“, erklärt s-REAL-Geschäftsführer Michael Pisecky: „Wenn nicht alles passt, wenn es eine 1B-Lage ist, wenn der Schnitt schlecht oder die Wohnfläche auf zwei Geschoße verteilt ist, dann geraten die Wohnugen unter Preisdruck.“ Neben den exklusiven Liegenschaften stehen vor allem günstigere Wohnungen im Fokus des Interesses: „Das, was alle suchen, bekommt man nicht. Wenn man aber bereit ist, in die Außenbezirke zu gehen, wird es einfacher“, so Pisecky.

St. Pölten vs. Grinzing

Apropos Außenbezirke: In diesem Zusammenhang bietet die Studie noch ein anschauliches Beispiel durch den Vergleich der Anreise in die Wiener Innenstadt von St. Pölten bzw. von Grinzing samt den Wohnungspreisen. Die Anreise von der niederösterreichischen Landeshauptstadt und dem Wiener Nobelbezirk zum Stephansplatz dauert jeweils rund 40 Minuten, aber der Preisunterschied ist enorm. Würde man sich nämlich eine 80-Quadratmeter-Wohnung in St. Pölten und nicht in Grinzing kaufen, so läge die Ersparnis bei unglaublichen 232.800 Euro! Bei einem Quadratmeterpreis in St. Pölten von 1.588 Euro kostet die Wohnung 127.040 Euro insgesamt. In Wien-Grinzing sind es aber 4.498 Euro pro Quadratmeter und damit Gesamtkosten von 359.840 Euro.

Mieten am Zweitmarkt

Für Mieter bietet auch der Zweit- oder Drittmarkt gute Chancen. Pisecky: „Erstvermietungen haben immer einen gewissen Touch und sind daher teurer.“ Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, wie der s-REAL-Geschäftsführer meint: „Das Angebot an Vorsorgewohnungen ist gestiegen und war vor drei Jahren sicher geringer als jetzt. Bei Zwei-Zimmer-Wohnungen um 750 Euro gibt es derzeit ein entsprechendes Angebot, und das drückt die Preise.“ Für Mieter wird es also günstiger.

Bauträger, aufgepasst!

Einen Tipp hat Pisecky noch für die Bauträger, denn bei frei finanzierten Wohnungen zeigt sich eine wesentliche Trendwende: „Vor drei Jahren waren bei einem Wohnprojekt zuerst das Penthouse und der darunter liegende Stock weg. Heute ist es komplett umgekehrt.“ Unten wird zuerst gekauft und oben erst ganz zum Schluss, „wobei 150- bis 180-Quadratmeter-Wohnungen kaum mehr gehen“. Dachgeschoße in dieser Größe sind laut Pisecky nicht mehr gefragt: „Daher sollten oben eher Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit kleiner Terrasse geplant werden.“

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Über den Autor

Dieter D. Kendler

Dieter D. Kendler hat Philosophie und Psychologie an der Universität Wien und Berlin studiert. Während seines Studiums arbeitete er in einer Privatdetektei und einer Hausverwaltung. Aus dieser Kombination entspringt auch seine Vorliebe für Journalismus und Immobilien. Er lebt derzeit in Bielefeld und ist selbständiger Journalist. In seinen Texten behandelt er vorwiegend philosophische, psychologische und wissenschaftliche Themen – und ab und zu auch immobilienspezifische.

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