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Von einem Debakel in das nächste

Während das Krankenhaus Nord gerade in ein finanzielles Debakel gleitet, steht das nächste Prestigeprojekt bereits in den Startlöchern und ein weiteres ist schon im Laufen. Die politisch Verantwortlichen taumeln von einem Fiasko ins nächste. Wir dürfen gespannt sein.

Was Bauprofis schon längst klar war, manifestiert sich jetzt: wie die „Krone“ berichtet, stellt der Rechnungshof dem Krankenhaus Nord einen niederschmetternden Bericht aus: „Die Prüfer kritisieren scharf das Management der Spitalsbetreiber, diverse Baumaßnahmen à la Schilda, eine gewaltige Verteuerung sowie 8000 Baufehler. Und noch vor der Fertigstellung sei klar, dass das 785-Betten-Spital erneut umgebaut werden muss …“

Unfassbar: „Zudem beklagten die Prüfer, dass beim Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) ,kein ausreichendes Know-how‘ für ein derartiges Projekt vorhanden gewesen sei.“ (der standard.at).

Die Vertreter der heimischen Bau- und Planungswirtschaft nicken jedoch nur wissend mit dem Kopf, denn für diese war schon vor zwei bis drei Jahren klar, wie das „Prestigeprojekt“ enden wird. Wir sind aber noch nicht am Ende, und nach einem Rundruf bei heimischen Experten könnten auch die geschätzten Mehrkosten, die zwischen mindestens 272,47 Millionen Euro (plus 27 %) und 387,87 Millionen Euro (plus 38 %) veranschlagt sind, eher im höheren Bereich liegen, wobei die 387 Millionen noch nicht das Ende der Fahnenstange sein könnten.

Ähnlich sieht es am Küniglberg aus. Der Neu- und Umbau des ORF-Zentrums dürfte mehr als die veranschlagten rund 303,7 Millionen Euro verschlingen. Ein „Fass ohne Boden“ sieht ORF-Chef Alexander Wrabetz zwar noch nicht, aber vielleicht hat er noch nicht tief genug geschaut. An Warnungen vor der Komplexität eines Umbaus im laufenden Betrieb hat es nicht gefehlt, allein – niemand der Verantwortlichen im ORF wollte sie hören. Auch dem ORF fehlt es offensichtlich am erforderlichen Know-how.

Aber das Beste kommt erst! Das nächste Projekt steht bereits in den Startlöchern!

Also eigentlich noch immer in den Startlöchern, denn der Beginn des Umbaus des österreichischen Parlaments war für August dieses Jahres geplant, hat aber noch nicht einmal begonnen, und damit ist dieses Projekt bereits ein Vierteljahr in Verzug.

Hier ein paar Einblicke in das aufziehende Desaster (sofern nicht die Notbremse gezogen wird):

Die Ausschreibung war „schlampig“, und die Abwicklung dürfte schwierig zu handhaben sein, da es keinen Generalunternehmer gibt und die Gewerke alle einzeln vergeben werden sollen. Eine Todsünde bei Großprojekten, zumal es für eine koordinierte Abwicklung an den dafür notwendigen Schnittstellen am erforderlichen Know-how fehlen dürfte. Die Gesamtbaukosten werden auf 325 Millionen Euro geschätzt.

Schon allein die Ausschreibung der Baumeisterarbeiten soll sich dilettantisch darstellen. Die reinen Baumeisterarbeiten wurden europaweit für 50 Millionen Euro ausgeschrieben, und lediglich drei heimische Unternehmen ließen sich auf dieses Unterfangen ein, wobei die Angebote der drei Unternehmen bei rund 80 Millionen Euro lagen. Darunter geht nicht. Damit wären schon einmal 30 Millionen von der eingeplanten Reserve von rund 74 Millionen Euro verbraucht.

Und jetzt für alle politisch Verantwortlichen die Meinung eines Profis, der bereits den Skylink und das KH Nord vorhergesagt hat: „Es zeichnet sich schon bei der Vergabe ab, dass dieses Projekt in dieser Form NICHT funktionieren wird. Da stimmt von Beginn an weder die Kostenrechnung noch der Zeitplan. Man fängt jetzt schon an zu murksen und zu basteln.“

Noch einmal: „Wenn man jetzt schon ein Vierteljahr verloren hat, der Zeitplan eh so eng ist und man schon einige Millionen daneben liegt, dann nimmt das Unglück unerbittlich seinen Lauf.“

Erstmals in Österreich sitzt der Rechnungshof, der sonst immer erst im Nachhinein prüft, bei einem Projekt im Lenkungsausschuss. Er hat den Vorentwurf und den Entwurf begleitet – und trotzdem weist das Projekt eine Schieflage auf?

Es ist unverständlich, warum diese kostspieligen und wichtigen Projekte inkompetenten Menschen in die Hand gedrückt werden, anstatt die Abwicklung Profis zu überlassen.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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