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Langsam geht es höher

Geduld und gute Nerven sind die Grundvoraussetzungen, um in Wien ein Wohnhochhaus zu errichten. Das ist irgendwie unverständlich, denn die Stadt wächst, und nichts wird derzeit dringender gebraucht als Wohnraum.

Der Rückstand Wiens in Bezug auf Wohnhochhäuser ist historisch gewachsen. Als in den USA Ende des 19. Jahrhunderts das Hochhaus moderner Prägung „erfunden“ wurde, verhielt man sich in der Bundeshauptstadt abwartend. Dabei hätte man allen Grund gehabt, in die Höhe zu bauen. Die Stadt hatte 1910 knapp zwei Millionen Einwohner, und für die Metropole der österreichisch-ungarischen Monarchie rechnete man sogar mit einem weiteren Anstieg der Bevölkerungszahl. Von künftig bis zu vier Millionen Einwohnern war die Rede. Aber statt nach oben zu bauen, wuchs die Stadt in die Breite.

Wiens einziges Hochhaus

Einzig allein in der Wiener Herrengasse wurde in den 30er Jahren ein Hochhaus errichtet. Mit 15 Stockwerken und einer Höhe von 52 Metern prägte es neben dem Stephansdom lange Zeit als einziges Bauwerk die Wiener Skyline. Der Wiener blieb weiterhin skeptisch, was das Wohnen in luftiger Höhe betraf, und erst mehr als 20 Jahre später wurden weitere Landmarks gesetzt: der Ringturm – allerdings ein Bürogebäude – im Jahr 1955 und das Wohnhochhaus am Matzleinsdorfer Platz drei Jahre später.

Aus Platzmangel nach oben

Jetzt wäre es wieder so weit, in die Höhe zu bauen. Wien wächst und ist jetzt schon die zweitgrößte deutschsprachige Stadt der Welt. Berlin als größte wird sie zwar nicht einholen, aber in den nächsten Jahren wird die österreichische Bundeshauptstadt wieder an die „alten“ Zeiten anknüpfen und soll bis 2030 zwei Millionen Einwohner haben. Jetzt allerdings wird in die Höhe gebaut. Schon aus Platzmangel. „Ich glaube, dass das Wohnen im Hochhaus durchaus ein Ausweg aus der Wohnungsknappheit in Großstädten sein kann“, meint Claus Loidolt, Immobilienberater bei Otto Immobilien Wohnen: „Voraussetzung wäre, dass die damit verbundenen Errichtungskosten künftig gesenkt werden können, um somit für eine größere Zielgruppe leistbarer und attraktiver zu werden.“

Ab Herbst geht es los

Das wäre in „MySky“ möglich. Im Herbst des heurigen Jahres stellt STRAUSS & PARTNER das Projekt fertig. 128 freifinanzierte Eigentumswohnungen und 100 geförderte Mietwohnungen im 66 Meter hohen Wohnprojekt sind dann zur Freude zahlreicher Interessenten bezugsfertig. „Wir sind überzeugt, mit ,MySky‘ genau am Puls der Zeit zu sein. Der Trend zum Wohnen im Hochhaus hält an“, ist Claus Stadler,Geschäftsführer von STRAUSS & PARTNER, überzeugt: „Die große Nachfrage zeigt das rege Interesse an derartigem Wohnraum.“

Teil eines Lifestyles

Stadlers Einschätzung wird auch in einer Umfrage von findmyhome.at bestätigt. Rund 79 % der befragten Österreicherinnen und Österreicher sind gegenüber Wohntürmen positiv eingestellt. Dabei kann sich sogar konkret mehr als die Hälfte (52 %) vorstellen, in solch einem Hochhaus zu wohnen. Bei der Frage nach dem Warum liegen die Gründe für viele der Befragten klar auf der Hand: Wohnen im Hochhaus ist Teil eines Lifestyles, der von Schlagworten wie Internationalität, Modernität und Urbanität geprägt ist. Das „Wohngefühl Hochhaus“, wie es in Städten wie New York das Lebensbild definiert, hat für viele den Reiz des Besonderen. Neue Tower werden mit großem Aufwand geplant und bieten vielfältige Wohnungstypen und Grundrisse. Anstelle von anonymen Wohnburgen von einst setzt man zeitgemäß auf architektonisch stilvolle Akzente und Zusatzleistungen wie Infrastruktur und großzügige Grünflächen.

Das höchste Wohnhochhaus

Wie lang die Umsetzung eines Projektes dauert, zeigt das Beispiel „Danube Flats“. Bereits 2010 meinte Reinhard Schertler, Geschäftsführer der S+B Gruppe, die gemeinsam mit der Soravia Group dieses Projekt an der Donau realisieren möchte: „Es ist der große Traum, einmal im Leben ein Hochhaus zu bauen – das hat eine große Faszination.“ Mit rund 150 Metern Höhe werden die „Danube Flats“ das höchste Wohnhochhaus Österreichs. Im Uferbereich der Neuen Donau und an der Reichsbrücke gelegen, sollen im Wohnturm und einem Terrassenhaus rund 520 Wohnungen geschaffen werden – nahezu jede Wohnung mit Zugang zu Balkon oder Terrasse. Das gesamte Umfeld wird in die Projektentwicklung miteinbezogen werden, und die Erdgeschoßzonen mit Infrastruktureinrichtungen wie Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten sowie die Grünanlagen sollen mit dem Gebiet rundherum verschmelzen. Die Chancen stehen aber gut, dass das Projekt heuer gestartet wird.

Internationaler Trend …

Ebenfalls heuer könnte ein weiteres Wohnprojekt der Soravia Group starten, diesmal gemeinsam mit der ARE Austrian Real Estate. Bei „TrIIIple“ handelt es sich allerdings nicht um ein Gebäude, sondern um drei im Dialog zueinander stehende Türme mit je über 100 Metern Höhe und einem weiteren Büroturm. Mit rund 70.000 Quadratmetern Nutzfläche soll auf dem Gelände des ehemaligen Zollamtes dieser Wohn- und Bürokomplex entstehen. Rund 850 Wohnungen sind geplant. Mit direktem Zugang zum Donaukanal folgt „TrIIIple“ dem internationalen Trend zum Wohnen am Wasser – ein Thema, das in zahlreichen europäischen Metropolen schon längst gang und gäbe ist.

… Wohnen am Wasser

Selbst in der Marktstudie „Inside View, Austria 2016“ des internationalen Maklernetzwerkes Knight Frankfindet „TrIIIple“ seine Erwähnung ebenso wie der MARINA TOWER, mit dem endgültig ein Schritt an die Wiener „Waterfront“ gesetzt wird, wie die Studie anmerkt. Der MARINA TOWER wird durch das sogenannte MARINA DECK – ein großes Brückenbauwerk, mit dem der Handelskai und die Eisenbahngleise überdacht werden – mit dem rechten Donauufer verbunden. Damit steht der Turm quasi mitten in der Stadt, aber doch im Grünen und am Wasser. Spätestens im Frühsommer soll mit dem Bau begonnen werden. Die Bauzeit wird rund zwei Jahre betragen. Über 500 Miet- und Eigentumswohnungen sollen hier entstehen.

Hochhaus im Stadtquartier

Gute Chancen auf Realisierung hat auch das Hochhaus im Stadtquartier „Forum Donaustadt“. Das gesamte Stadterweiterungsgebiet wurde im Sommer 2016 um einen dreistelligen Millionenbetrag von der SIGNA Holding und der ARE gemeinschaftlich erworben. „Uns ist wichtig, keine monofunktionalen Gebäudekomplexe zu errichten, sondern möglichst viele, miteinander korrespondierende Nutzungen zu schaffen“, meint ARE-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss. Sechs Bauteile auf rund 15.000 Quadratmetern Grundstücksfläche bilden einen breiten urbanen Nutzungs-Mix. Ein Projekt davon soll das Wohnhochhaus werden. 145 Meter könnte der Wohnturm haben – und würde sich damit unter die größten in Wien einreihen.

Ein Hochhaus im 15. Bezirk

Ein weiterer innerstädtischer Wohnturm könnte entlang der Felberstraße auf den nicht mehr genutzten Flächen der Westbahnstrecke entstehen. Hier wird derzeit ebenfalls ein neuer Stadtteil konzipiert. „Es gibt bereits eine städtebauliche Vorstudie, und der Vorwettbewerb mit zahlreichen Architekten hat sehr spannende Ideen gezeitigt“, erklärt Herbert Logar, Geschäftsführer der ÖBB Immobilien. Wenn auch nicht alle in dieser Form umsetzbar sind, „so bietet sich das Gelände doch für eine attraktive und interessante Nutzung an“. Rund 1.000 Wohnungen sind hier geplant, und es könnte auch die Möglichkeiten geben, „einen Hochpunkt zu setzen“, so Logar: „Wo, wenn nicht rund um einen Bahnhof?“ Mit dem Denkmalschutz und dem UNESCO-Weltkulturerbe stehe man damit nicht in Konflikt, da die „Schönbrunn-Achse“ von dem Wohnhochhaus nicht betroffen wäre.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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