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„Es lebe der Zentralfriedhof“

Der Zentralfriedhof– die wohl bekannteste letzte Ruhestätte Wiens– ist berühmt für sein makabres und morbides Flair. Doch im Gegensatz dazu ist die neue Unternehmenszentrale der Bestattung und Friedhöfe Wien vor allem eines: einladend.

Nach weniger als einem Jahr Bauzeit und Gesamtkosten von 15 Millionen Euro hat die neue Unternehmenszentrale der Bestattung Wien Ende März das Licht der Welt erblickt und befindet sich nun gegenüber dem Haupteingang des Zentralfriedhofs. Die strahlend weiße Fassade ist mit senkrechten Schlitzen verziert und ähnelt damit seltsamerweise irgendwie einem Strichcode. Nichtsdestotrotz bietet der Eingang mit Holzböden und weißen Tresen einen einladenden Empfang. Mithilfe einer Oberlichtdecke und breiten Glasfronten wirkt die Zentrale auch im Inneren modern und freundlich. Aufgrund der geplanten Zusammenführung der bisher in ganz Wien verstreuten Kunden- und Verwaltungsbereiche unter nur einem einzigen Dach war es besonders wichtig, einen einheitlichen Rahmen für die verschiedenen Nutzungen zu kreieren.

Internationale Stararchitekten designen

In diesem Sinne entschieden sich die ausführenden Architekten von Delugan Meissl Associated Architects für ein ruhiges Erscheinungsbild des Gebäudes und für die Nutzung der Geschoße für jeweils einen Bereich. Somit können im Untergeschoß Sarkophage und Urnen bestaunt werden, während die oberen zwei Geschoße für die Verwaltung reserviert sind. Des Weiteren gibt es gesonderte Räume für Kunden, die sich ihrer Trauer widmen wollen. Vor dem Eingang befindet sich auch eine kleine Grabsteinkollektion, die der typischen Atmosphäre des Friedhofs dann doch wieder Rechnung trägt. Im Vorfeld der Planung herrschte eine rege Diskussion über die Beheizung des Gebäudes. Wie es auch schon in Taiwan angestrebt wurde, wird nämlich die verbleibende Energie aus dem benachbarten Krematorium für die Beheizung der Unternehmenszentrale genutzt. In der Feuerhalle werden jährlich zwischen 5.500 und 6.000 Verstorbene verbrannt, wodurch genügend Restenergie vorhanden ist, um 30 Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen.

Der „Friedhofcluster“

2013 soll außerdem noch ein weiteres Projekt fertig gestellt werden und den zweiten Teil des „Friedhofclusters“ darstellen. Der geplante Neubau des Bestattungsmuseums soll den Besuchern einen Einblick in die letzten Ruhestätten geben und wird das morbide Flair wieder ein wenig zurückbringen.

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