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Es geht aufwärts!

Nach einem Rekordtief werden 2017 wieder mehr Büroflächen gebaut. Die Nachfrage von Mietern ist mehr als gegeben, allerdings haben sie auch bestimmte Erwartungen an die Flächen.

Das absolute Rekordtief an Fertigstellungen mit 60.000 Quadratmetern haben wir 2016 endgültig hinter uns gelassen. Von jetzt an geht es wieder bergauf. Rund 150.000 Quadratmeter kommen im laufenden Jahr auf den Markt. Square PlusOrbi TowerDenk 3 oder QBC 4 sind die größten von ihnen, der Orbi Tower – im Juli 2017 bezugsfertig – soll der erste sein.

Die Nachfrage dürfte gegeben sein, denn zahlreiche Unternehmen sind schon in den Startlöchern, um sich nach den „mageren“ Jahren an Fertigstellungen ihre Umsiedelungswünsche zu erfüllen. Teilweise werden sogar schon vor dem Baubeginn einzelner Projekte Mietverträge abgeschlossen. Aber es könnte in den nächsten Jahren tatsächlich nicht nur bei internen Standortwechseln innerhalb des Stadtgebietes bleiben. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass neue Unternehmen nach Wien kommen. Anton Bondi,Geschäftsführer von Bondi Consult, sieht „insbesondere auch unter Berücksichtigung des Brexit im gewerblichen Bereich und damit in der Projektentwicklung neue spannende Herausforderungen auf uns zukommen“. Entschieden haben die Briten über den Austritt ja schon im Sommer des letzten Jahres, aber da es bis dato ein ähnliches Szenario in Europa noch nie gegeben hat, wird es dauern, bis die Austrittsverhandlungen beginnen.

Neue Mieter in Wien?

Es ist aber davon auszugehen, dass sich zahlreiche in London angesiedelte Firmen in Europa umsehen werden. Vor allem die Finanzinstitutionen und, in deren unmittelbarem Gefolge, die internationalen Konzerne brauchen für einen nachhaltigen Standort in der EU sichere Rahmenbedingungen – wirtschaftlich, rechtlich und sozial – und auch die entsprechenden Standortvoraussetzungen. Und da könnte Österreich, beziehungsweise Wien, tatsächlich in Frage kommen. „Die Vorzeichen, dass wir vom Austritt Großbritanniens profitieren könnten, sind durchaus positiv und bereits einige Gespräche mit großen Europäischen Institutionen zur Übersiedlung nach Österreich bekannt“, sieht Bondi das Potential. Sollte dies tatsächlich geschehen, so ist er überzeugt, „dass auch so manches ,Schubladenprojekt‘ nunmehr umgesetzt werden kann“.

Flexible Bürobauten

Vergleicht man die Projekte, die jetzt fertiggestellt werden, mit denjenigen, die vor zehn Jahren gebaut wurden, so bekommt man eine Ahnung von der weiteren Zukunft. Selbst mehrere Nutzungen unter einem Dach sind ein Thema: seien das Co-Working Spaces in Cafés oder Restaurants im Erdgeschoss, die auch Externen zugänglich sind, oder auch Kombinationen mit Hotelnutzungen.

„Die Digitalisierung macht auch vieles möglich, was sich derzeit in der herkömmlichen Bürowelt noch nicht abbildet“, erklärt der CEO der CA Immo Frank Nickel. Arbeitgeber, welche die besten Köpfe gewinnen und auch halten möchten, investieren bereits in eine innovative Arbeitsumgebung, die den kreativen Austausch und individuelles Entfalten bestmöglich unterstützt. Bürogebäude müssen hinsichtlich ihrer Nutzung immer flexibler werden. In den Unternehmen setzt man verstärkt auf Work/Life-Balance. Wichtig ist, dass der Wohlfühlfaktor innerhalb der Community im Büro selbst gestärkt wird. Nickel: „Wir beziehen diese Veränderungen bei der Entwicklung unserer Büroprojekte mit ein und bieten unseren Mietern eine ganze Palette an Möglichkeiten: urbane Lobbys mit hoher Aufenthaltsqualität, Co-Working spaces und Meeting-Räume on demand für höchstmögliche Effizienz und Flexibilität in der Flächengestaltung.“

Das deutsche Paradies

Wie zum Beweis seiner Aussagen wurde das in Bau befindliche spekulative Büroprojekt „The Cube“ in direkter Nähe des Berliner Hauptbahnhofs mit einer Nutzfläche von 18.500 Quadratmetern gleich zu Jahresbeginn an die TH Real Estate verkauft. „Das Cube ist mit seinen Konzepten zukunftsweisend“, so Nickel.Der deutsche Markt scheint überhaupt ein wahres Paradies zu sein, wenn man den CEO der CA Immo hört: „In Berlin, München und Frankfurt, wo wir intensiv als Projektentwickler aktiv sind, ist die aktuelle Entwicklung fast zu schön, um wahr zu sein. Wir verzeichnen derzeit eine gute Nachfrage und verfügen nach wie vor über Grundstücksreserven in Top-Lagen, die uns eine Projektpipeline für die kommenden zehn Jahre sichern.“

Fortsetzung der Quartiersentwicklung

Während man noch im Planungsgebiet VIERTEL ZWEI Plus 70.000 Quadratmeter mit 350 studentischen Apartments im MILESTONE, rund 300 Wohnungen und 20.000 Quadratmeter Bürofläche fertigstellt, ist bereits der nächste Schritt in Vorbereitung. „Wir planen intensiv an der nächsten Ausbaustufe von VIERTEL ZWEI weiter. Wieder eine gemischte Nutzung mit 120.000 Quadratmetern direkt an der U2-Station Stadion“,erklärt Andreas Köttl, Vorstand der value one, und ist überzeugt: „2017 wird ein ereignisreiches und spannendes Jahr für uns als Entwickler.“

Zertifizierung für Stadtquartiere

Apropos VIERTEL ZWEI: 2015 wurde es von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) als nachhaltiges Stadtquartier mit Platin ausgezeichnet. Was hier 2015 begonnen wurde, möchte man nun auch „als Thema in den Markt bringen“, so Peter Engert, Geschäftsführer der ÖGNI, nämlich die Zertifizierung von ganzen Stadtteilen. Engert: „Stadtquartiere werden 2017 ein zentraler Punkt unsere Bemühungen sein.“ Vor allem möchte man die Idee der Zertifizierung auch in gemischten Quartieren – nämlich mit altem und neuem Bestand – umsetzen.

Blickt man auf all die Neuerungen und Möglichkeiten, so muss man wohl Anton Bondi recht geben, der meint: „Wir werden 2017 wieder auf hohem Niveau die Krise feiern, ich glaube jedoch, dass sich auch dieses Jahr für die gesamte Immobilienbranche spannend entwickeln wird.“

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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