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„Der Wasserdruck ist super“

Ein deutsches Autorenpaar hat Immobilienanzeigen gesammelt und die besten bzw. schrägsten von ihnen in einem Buch veröffentlicht.

Die Suche nach den eigenen vier Wänden hat die beiden Deutschen Martin Blath und Elke Herbst zu einem Buch inspiriert. Auf ihrem Weg zur eigenen Wohnung stießen sie nämlich auf zahlreiche witzige und absurde Anzeigen und Formulierungen, und so entstand schließlich ein Lehrbuch für alle, die mit ihren Inseraten auffallen wollen– wobei man sich bei etlichen Anzeigen fragt, ob denn die Wirkung, die diese auf Suchende haben, positiv oder negativ ist.

Nicht nur Privatanzeigen …

Allerdings sind es nicht nur Privatanzeigen, welche die beiden Autoren gefunden haben, denn neben Privatleuten wurden viele Anzeigen von Immobilienverwaltern, Maklern und Bauträgern formuliert. Auf jeden Fall zeigt sich bei manchen Inseraten, dass sich die Verfasser mit der deutschen Sprache schwer tun, und manchmal versteht man als Leser gar nicht wirklich, was mit der Aussage gemeint ist. Besonders beeindruckend sind die neuen Wortkreationen, von denen vielleicht die eine oder andere in den Immobilienalltag einfließen könnte. So findet der interessierte Leser den „Master Bedroom“, die „Livingzone“, das „Cabrio-Wohnen“, die „Powerdusche“, den „Outdoor-Essbereich“ oder die „modernen Kochbegehrlichkeiten“, das „staatliche Bürgerhaus“ oder die „2 Single Raum Wohnung“.

Auch Philosophie hat Platz

Bei einigen Aussagen kann man schon erahnen, dass die Wohnimmobilie nicht sehr viele Besonderheiten zu bieten hat, wenn in der Anzeige steht: „Der Wasserdruck ist super, und das warme Wasser funktioniert einwandfrei“ oder „Die soliden Stützen geben den großen Balkonen Halt.“ Hier ist aber zu erwarten, dass die besonderen Merkmale nicht von einem Bauträger, sondern doch hoffentlich von einer Privatperson definiert wurden. Einige Inserate verraten auch den Philosophen hinter den Zeilen:

„Ein hoher Baumbestand, gepaart mit Ruhe zum Hören, unterstreicht eine hohe Wohnqualität.“

„Wohnen, so schön wie in einem Traum, in einer Architektur, die steingewordene Musik scheint.“

„Vor dem Wohnzimmer reckt sich der Balkon der Sonne entgegen.“

Hier ein paar der besten Anzeigen, die vielleicht den einen oder anderen auch zu neuen Ideen inspirieren. Vielleicht ist nämlich manchmal eine originelle Formulierung, an der man „hängen bleibt“, besser als eine 08/15-Beschreibung, die man leicht überliest.

„Aus dem schicken Tageslichtbad kommen Ihre Gäste gar nicht mehr raus.“

„Die Terrassen/Balkone sind insgesamt von allen Himmelsrichtungen belichtet.“

„Die S-Bahn hat die Mieter nach vielen Jahren nicht gestört.“

„Alle Räume sind mit hellem Laminat ausgelegt und einem zeitlosen Badezimmer.“

„Die Küche inspiriert Sie zu ungeahnten Kochkünsten.“

„Wichtig ist noch zu erwähnen, dass das Haus trotz der Nähe zum Flughafen und zur Stadtautobahn eine Oase der Ruhe ist.“

„Hinter dem Bad befindet sich die Küche. Der Zugang erfolgt jedoch nicht über die Badewanne, sondern bequem vom Zimmer aus.“

„Auffallend ist die nach hinten verlagerte Lage des Hauses, denn sie erweckt ein außerordentliches Flair.“

„Ein exklusiver Keller gehört zum Dachgeschoss.“

„Kulturhistorisch im Schatten der römisch-germanischen Varusschlacht gelegen, genießt der Eigentümer die Nähe zu Osnabrück als auch zu Münster.“

„Im Herzen des Kölner Zentrums, in einer ruhigen Seitenstraße unweit des Kölner Szeneviertels gelegen, gehen das Urban Living und der Modern Art Style auf einzigartige Weise eine einmalige Symbiose ein.“

„Hier finden Sie neben Künstlern und Angehörigen kreativer Berufe auch den Banker und Manager– multikulturell eben.“

Beeindruckend auf jeden Fall, dass sich so viele ungewöhnliche Wohnungsanzeigen finden lassen, dass man mit ihnen ein ganzes Buch füllen kann. Man sieht: Nicht nur der österreichische Markt hat seine Besonderheiten.

Buch:

Martin Blath, Elke Herbst: Wohnst du schon oder lachst du noch? Die witzigsten Immobilienanzeigen, Kiepenheuer Witsch, Köln 2012, 237 Seiten, 7,99 Euro.
ISBN: 978-3-46204-474-4

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Erschienen in Inland geschrieben von Ferdinand Kalt.

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