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Der Miethai

Es ist wieder soweit! Die Wiener Wahlen stehen vor der Tür, und wie jedes Mal darf wieder einmal die Immobilienwirtschaft als Krokodil herhalten, das schwer gebeutelt wird.

Die Grünen nutzen die Wiener Wahl wieder einmal, um gegen den „Miethai“ vorzugehen, wie auf deren Wahlplakaten zu lesen ist.

Das ist gut! In Wien! Dabei wird von Seiten der Partei vergessen, wie das Verhältnis der Wohnungen in Wien tatsächlich aussieht: Es stimmt, dass die Wiener unverändert ein Volk von Mietern sind– mit mehr als 75%. Und es wird allerdings auch vergessen, dass die gemeinnützigen Bauvereinigungen und Gebietskörperschaften (in dem Fall die Gemeinde Wien) mit über 50% weiterhin die wichtigsten Vermieter bleiben. Berücksichtigt man das Alter der Wohnungen der restlichen Vermieter (Stichwort Richtwert und damit ebenfalls reglementierte Miete), wird deutlich, dass die vielfach zitierten und teilweise auch beobachteten Mietsteigerungen nur in einem untergeordneten Teilsegment des Mietmarktes überhaupt möglich sind.

Die Frage ist daher, gegen welchen Miethai man hier auftritt. Es wird doch nicht etwa die Partnerpartei sein mit ihren Gemeindewohnungen und den Sozialbauten? Nein. Es ist natürlich der verbleibende lächerliche Rest, an dem man sich gütlich tut. Und immer für ein Klischee gut, egal ob es stimmt oder nicht– unabhängig davon sind es nicht die gestiegenen Mieten, die den Menschen zu schaffen machen, sondern die Betriebskosten, und die haben mit der Miete nichts zu tun.

Ich weiß schon, dass nicht alles in der Branche glatt läuft– dazu bin ich als Journalist lange genug dabei–, aber wieder mit einem alten dummen Vorurteil zu kommen, das ist halt schon sehr einfallslos.

Zumal doch einige der Parteimitglieder ein eigenwilliges Gebaren im Bereich der Immobilien an den Tag legen und man fast von– ich gebrauche auch einen alten dummen Spruch– gespaltener Zunge reden kann. Auf der einen Seite wird der „Miethai“ als absolutes Feindbild kreiert, auf der anderen Seite soll von dem einen oder anderen die Position im Rathaus genutzt werden, um bei Immobiliengeschäften mitzumischen. So sagt man.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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