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Hubert Czernin im Portrait
Credits: Czermin Group

Hubert Czernin im Portrait

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Schon in seiner Schulzeit hatte sich Hubert Czernin für Bauen und Immobilien interessiert, und im Berufsleben ergab dann immer wieder ein Schritt den nächsten. Jetzt ist er bei seinen ganz großen Projekten angekommen: in den Bergen und im Irak.

Nach der HTL mit Schwerpunkt Hochbau absolvierte er seine „Lehre“ bei Projektentwicklern und Bauträgern und machte sich relativ bald, nämlich mit 23 Jahren, selbstständig. Das damalige Unternehmen spezialisierte sich auf Wohnbau, und „wir entwickelten damals Reihenhäuser bzw. Einfamilienhäuser und bauten Dachgeschoße aus“, so Czernin „und in weiterer Folge kamen wir immer stärker in den Gewerbe- und Industriebau.“ Dabei erhielt das Unternehmen auch die ersten Aufträge für die Errichtung von Fachmarktzentren und Lebensmittelgeschäften. Anschließend entstand die Zusammenarbeit mit großen Unternehmen, die ihre Expansion in Österreich koordiniert haben wollten. „Wir haben damals für Autoteile Unger oder Betten Reiter die gesamte Expansion in Österreich betreut.“ Schließlich entwickelte sich das Unternehmen zum Generalplaner „inklusive Inneneinrichtung und Möblierung, und wir übergaben die fix und fertigen Standorte an unsere Auftraggeber“. Für REWE, Spar, die Verkehrsbüro Group, MediaMarkt und die wichtigen Player am Retailsektor wurde und wird gebaut, und auch für IKEA wurden Standorte realisiert und entwickelt. Das schwedische Möbelhaus betreute Czernin zudem bei dessen weiterer Expansion, und auch zahlreiche andere Kunden wurden nach CEE/SEE begleitet. „Durch all diese Entwicklungen wurden wir schließlich zum Baudienstleister von A bis Z im Konzernbereich“, erklärt Czernin, „und das ist auch bis heute unser Kerngeschäft geblieben.“ Im eigenen Haus werden alle notwendigen Leistungen abgedeckt, wie Baumanagement, Architektur, Ingenieurs- und alle anderen wesentlichen Dienstleistungen. Beschäftigt werden in Österreich über 70 Mitarbeiter.

Eigene Projekte– vor allem in Citylage

„Wir haben uns in weiterer Folge dafür entschieden, Shoppingprojekte als Developer selbst zu entwickeln und zu betreiben.“ Daraus ist mittlerweile ein weiteres großes Standbein geworden. Die Projekte in der Stadt zu bauen ist für Czernin wichtig, denn „der Überbesatz ist einfach enorm, und wir haben an den Ausfallstraßen genug Projekte entwickelt“. Er suchte daher innerstädtische und ungewöhnliche Standorte, wie zum Beispiel in Wieselburg. 3.000 Einwohner hat die niederösterreichische Kleinstadt, aber „das Einzugsgebiet ist sehr gut“, befand Czernin vor einigen Jahren, und auch der damalige Bürgermeister freundete sich mit der Idee eines Großprojekts an. So wurde die alte Brauerei im Ortskern gekauft und in ein 11.000 Quadratmeter großes City-Center verwandelt. „Am Anfang hat uns beiden keiner geglaubt, aber auch an neuralgischen Punkten kann man Einkaufszentren mit Nahversorgern schaffen“, freut sich Czernin heute, dass sein Konzept so gut aufging und das Center regen Zuspruch hat. Mittlerweile gibt es zehn City-Center-Projekte in Österreich: Das kleinste ist jenes in Reichenau an der Rax mit 4.500 Quadratmetern und der REWE-Gruppe als Generalmieter, das größte Projekt mit 30.000 Quadratmetern entsteht am Rathausplatz der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten.

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Neue Hotelentwicklung im Tourismusbereich: Magic Mountains

Natürlich hat die Czernin-Gruppe in ihrer Unternehmensgeschichte auch Hotels und Resorts entwickelt und gebaut, darunter wurden zwölf Hotels für das Österreichische Verkehrsbüro schlüsselfertig errichtet. Mit dem Bau des Mega Cooking Center und von 43 Gastronomiebetrieben wurde man nebenbei Marktführer in der Lebensmitteltechnologie, und daraus erwuchs eine neue Idee: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir alles von einer anderen Seite aufzäumen sollten, wenn es zu einer neuen Hotelentwicklung im Tourismusbereich kommt. Wir würden nicht mit der Immobilienentwicklung, sondern mit der Region beginnen.“ Die „Magic Mountains“ waren damit geboren. Das Konzept ist nicht nur für Skifahrer ausgelegt, sondern soll 365 Tage im Jahr für die Gäste ein umfassendes Angebot bereithalten– nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer. „Zuerst wird der Berg ausgesucht, und dann, wenn das Seilbahnkonzept und die Bespielung des Areals stehen, beginnen wir uns mit den einzelnen Immobilien zu beschäftigen.“ Nach drei Jahren Vorbereitungszeit soll jetzt gemeinsam mit österreichischen und US-Investoren im steiermärkischen Semmeringgebiet das erste „Magic Mountain“-Resort mit einem Bauvolumen von über 130 Millionen Euro verwirklicht werden. „Die Lage ist hervorragend“, so Czernin. Eine Stunde von Wien entfernt können ausländische Gäste diese Destination auch mit einem Besuch in Wien verbinden, denn die Hauptzielgruppe sollen Kunden aus dem angloamerikanischen Raum sein. „Die ,Magic Mountains‘ sind unsere Lieblingsprojekte, weil das die Zukunft ist“, zeigt sich Czernin überzeugt.

Gründung der Czernin Group Middle East

Dass die „Magic Mountains“ die Lieblingsprojekte sind, kann auch damit zu tun haben, dass sie Czernin in den Irak brachten. „Als ich gefragt wurde, ob ich im Irak einen 3.000 Meter hohen Berg erschließen kann, war das für mich eine große Herausforderung– und ich liebe Herausforderungen.“ Der ersten Beratung folgten weitere, und schließlich wurde das Unternehmen „Czernin Group Middle East“ gegründet. Das ist nicht irgendein Unternehmen, sondern Europas größtes Unternehmen im Irak mit rund 300 Mitarbeitern. Die Firma ist bei den größten Immobilienentwicklungen im Nordirak federführend. Der Fokus des kurdisch-irakischen Unternehmens liegt auf den Immobiliensparten Bürogebäude, Shoppingcenter, Tourismus, Hotellerie, Lebensmittelindustrie, außerdem auf der Errichtung und dem Betrieb des größten Bauindustriewerks der Region. „Unsere langjährige Erfahrung kommt uns hier sehr zugute“, so der Firmengründer.

Nordirak als die zweite Heimat

Hubert Czernin kommt ins Schwärmen, wenn er vom Nordirak spricht. Kurdistan, wo er öfters unterwegs ist, „ist nicht nur eine wunderschöne Landschaft, mit langer Historie und wunderbarer Kultur, sondern es herrscht auch Ruhe und Frieden im Land, und an Sicherheit ist es nicht zu überbieten. Der Nordirak ist ganz anders, als er medial dargestellt wird. Es gibt außerdem mehr Universitäten und Schulen als in Österreich.“ Da der Irak englische Kronkolonie war, sprechen die Einwohner sehr gut Englisch. Zusätzlich gibt es in dieser Gegend ein Wirtschaftswachstum von jährlich 15%, was damit zu tun hat, dass die großen Erdölvorkommen, ähnlich wie in Norwegen, nicht nur einigen wenigen, sondern der gesamten Region und ihrer Bevölkerung nützen.

Große und umfassende Projekte

Mittlerweile ist das „wunderbare Land“ seine zweite Heimat geworden, in der er sechs Monate im Jahr lebt und arbeitet. Hier kann er seine Erfahrung einsetzen und sich großen, umfassenden Projekten widmen: „Es ist eine tolle Aufgabe, wenn man einmal ein Shoppingcenter aus dem Nichts entwickeln kann– mit rund 300.000 Quadratmetern und aus einem Guss.“ Entstehen soll es in der Stadt Erbil mit 1,5 Millionen Einwohnern. Insgesamt leben 7,5 Millionen Menschen im Nordirak, und es gibt kein einziges großes Shoppingcenter, weshalb für Czernin der Erfolg vorprogrammiert ist. Ein weiterer Punkt spricht dafür: Aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums verdienen die Menschen in der Gegend mehr als in den zentral- und osteuropäischen Staaten (CEE). Ein Zukunftsmarkt eben, in dem man überdies Pionierarbeit leisten kann, da die Bautechnologie noch in den Kinderschuhen steckt. Wenn aber gebaut wird, „dann mit den höchsten technischen Ansprüchen“. Die Nutzung von Alternativenergien ist fast selbstverständlich.

2,6 Milliarden Dollar Bauvolumen

Ähnlich dem Prinzip der fairen Einkommensverteilung aus dem Erdölgeschäft, an dem die gesamte Bevölkerung partizipiert, achtet man auch bei den Immobilienprojekten auf „local value creation“– das heißt, möglichst viel Wertschöpfung soll im Land selbst bleiben, wobei die Quote von 70% enorm hoch ist. Daher werden auch Menschen ausgebildet, um diese Entwicklung im Land zu fördern. Gebaut werden soll einiges: Alleine 2,6 Milliarden Dollar Bauvolumen–finanziert von irakisch-amerikanischen und britischen Finanzinstitutionen– bei der Czernin Group Middle East für die nächsten drei Jahre in Auftrag gegeben, dann erfolgen die nächsten Schritte. Solche Entwicklungen mitmachen zu dürfen ist für Czernin– wie so oft– eine große Herausforderung.

Nordirak und Österreich

„Wenn mir jemand vor vier Jahren gesagt hätte, ich würde im Irak eine Unternehmensgruppe haben, Europas größter Unternehmer im Irak sein und dort arbeiten und leben würde, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Aber jetzt? Ich habe fantastische Partner im Irak, ich liebe das Land, und bei 70% Bergen und viel Wasser hat man als Österreicher einen tollen Bezug dazu.“ Auch wenn Kurdistan seine zweite Heimat geworden ist und ihn die Landschaft dort äußerst beeindruckt, so meint Czernin dennoch: „Jedes Mal wenn ich nach Wien zurückkomme, denke ich mir: Österreich ist nicht zu überbieten.“

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Ein Beitrag von:

Walter Senk Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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