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Heruntergekommen – trotzdem gefragt

Heruntergekommen – trotzdem gefragt

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Suburbs sind out, es zieht die Menschen wieder zurück in die Cities, auch wenn diese Gegenden wie in einigen Städten der USA nicht wirklich lebenswert sind. Sie könnten es jedoch wieder werden.

In New York City pulsiert das Leben, und das ist eher ungewöhnlich. In vielen Städten der USA ist nämlich genau das Gegenteil der Fall. In manchen Großstädten wird die Innenstadt nur aufgesucht, um dort zu arbeiten, oder weil sich dort die Verwaltung der Stadt befindet,– sonst gibt es da nicht viel Nennenswertes. Die Folge ist, dass die Cities schlicht und einfach verkommen.

Eines dieser heruntergekommenen Stadtzentren in den USA befindet sich sogar in der Hauptstadt eines US-Bundesstaates: Trenton in New Jersey. Seit 1950– bis zu diesem Zeitpunkt hatte Trenton eine florierende Stahlproduktion– ist die Einwohnerzahl von rund 130.000 auf 85.000 geschrumpft und damit ähnlich hoch wie die von Wien Landstraße oder Wien Brigittenau. Die Zustände sind aber weitaus unangenehmer, denn Trenton gilt als eine der gefährlichsten Städte der USA. In der Hauptstadt von New Jersey gibt es doppelt so viele Morde wie in Chicago oder Philadelphia, und das will in den USA schon etwas heißen.

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52/33/15

Ganze Straßenzüge stehen leer, denn wer konnte– hauptsächlich die weiße Bevölkerung– entfloh dem Zentrum in Richtung Suburbs, um dort ein halbwegs angenehmes Leben führen zu können. Als White Flight wird das Phänomen beschrieben, das Stadtteile entvölkert, damit dem Verfall preisgibt und so den Platz für Gangs freimacht. Die Zusammensetzung der Ethnien in Trenton spricht dafür: 52% der Bewohner sind Afroamerikaner, 33% Latinos und 15% Weiße.

Langsame Rückkehr

Jetzt scheint die Stadtflucht in Trenton aber ein Ende zu haben. Wie auch in anderen Städten der USA dürfte es– trotz widriger Umstände– eine Rückkehr ins Stadtzentrum geben. Denn letztendlich befindet sich nicht die gesamte Innenstadt in einem schlechten Zustand, sondern eben nur Teile davon. Menschen aller Altersgruppen– nicht nur Millennials– verlagern ihren Lebensmittelpunkt und haben ein gemeinsames Ziel: eine lebenswerte Stadt zu schaffen. Die „neuen Städter“ docken an die intakten Innenstadtteile an und schaffen so neue Lebensräume, in denen sich Wohnen und Arbeiten vermischen, und die somit ein Leben auch ohne PKW ermöglichen.

USA ohne PKW?

Das Bild der von PKW überquellenden Städte stimmt schon lange nicht mehr, wie der Immobilien-Profi Sam Zell, Vorsitzender von Equity Group Investments, meint: „30% der städtischen Infrastruktur sind heute dem Parken gewidmet, während rund 50% der Einwohner in den USA derzeit kein eigenes Auto besitzen.“ Mit einer weiteren Verringerung sei zu rechnen. „Parkmöglichkeiten könnten in dringend benötigte neue Wohnungen, Parks oder Gärten umgewidmet werden.“

Eine ähnliche Situation in Los Angeles: „Ungefähr 200 Quadratmeilen im County von L.A. sind Parkplätzen gewidmet“, sagt Ashley Z. Hand, City of Los Angeles Department of Transportation. Im Gegensatz zu europäischen Städten ist man in den USA mit der Infrastruktur Straße sehr großzügig umgegangen, daher sind die Städte weitläufig– bieten aber zwischen den Gebäuden enorm viel Platz, den man durchaus für die Bewohner nutzen könnte. Dazu Ashley Z. Hand: „Gemeinsame Mobilität und autonome Fahrzeuge bieten das Potenzial, die Landnutzung unserer urbanen Gebiete komplett neu zu überdenken.“

Und das geschieht derzeit in den USA, um Städte neu zu kreieren.

Ein Beitrag von:

Walter Senk Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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