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Die Suche nach dem echten Deal– Teil7: Belize– das Dschungelcamp „NaTaatPaal“– Der Verkauf des Traums

Die Suche nach dem echten Deal– Teil7: Belize– das Dschungelcamp „NaTaatPaal“– Der Verkauf des Traums

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Mehr und mehr spürte ich, dass ich mit dem Rücken zur Wand stand. So sehr ich das Dschungelcamp mit all seinen schönen und schlechten Seiten liebte, musste ich langsam aufwachen und mich der Realität stellen, dass die Österreicherin und ich jetzt keine streunenden Nomaden mehr waren

Im Anschluss an dieses einschneidende Treffen in der Grundschule setzte ich mich mit der Österreicherin unter dem Palmendach der Veranda von „Camp Two“ zusammen, um eine Entscheidung zu treffen. Sie war nun bereits im siebten Monat schwanger und wir hatten eine Entbindung im Spital von Punta Gorda bereits aus hygienischen Gründen ausgeschlossen. Auch die anderen Kliniken, von denen wir gehört hatten, waren keine Alternative. In den „besseren“ Kliniken war die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man als „Gringa“ nur deshalb einen Kaiserschnitt benötigen würde, weil dieser doppelt so viel kostet wie eine normale Geburt. In der netten, kleinen (zwei Zimmer!) Klinik auf Ambergis Key, die der Österreicherin sehr sympathisch war, wurde sie jedoch gewarnt: „Wenn es Komplikationen gibt, sind wir auf den anderen Arzt der Insel angewiesen, uns mit seinem Rettungswagen zum Flughafen zu bringen. Er hält uns für Konkurrenz und hat uns schon mal fünf Stunden warten lassen.“ Wie es aussah, war die einzige Lösung eine Rückkehr in ihr Heimatland Österreich – und das nun recht bald.

Nachdem die Österreicherin beim Packen in unserem Schlafzimmernoch auf eine Tommy-Geoff-Schlange traf – auch bekannt als die „Sieben-Schritte-bis-zum-Tod-Schlange“ – bestieg sie am nächsten Tag mit Charley den Bus Richtung Norden nach Cancun, um den Überseeflug zurück nach Wien zu nehmen. Bald darauf machte auch ich das Haus dicht und reiste ihnen nach. Unsere Tochter Panama kam im Januar zur Welt. Einige Wochen nach ihrer Geburt trat ich wieder den Rückflug nach Belize an, um nun das Haus endgültig zu schließen. Obwohl ich den dortigen Bürgermeister gegen ein monatliches Honorar beauftragt hatte, während meiner Abwesenheit über das Haus zu wachen, machte sich, kaum als ich weg war, der ehemalige „Bettenbauer“ Byron Lee mit Unterstützung des ortsansässigen Mayas, der das Gras schneiden sollte, untertags daran, das Haus zu plündern.

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Zuerst stahlen sie die Batterie des kleinen Toyota-Pick-ups, den wir erstanden hatten. Als sie dann einen Käufer für die Batterie ausgemacht hatten, erkannten sie, dass dies ein Geschäft war, und so stahlen sie auch die Wasserpumpe für den Brunnen. Bürgermeister Jakes setzte mich von den Diebstählen in Kenntnis. Er sagte auch, dass er die Täter ausgefasst und einen Deal ausgehandelt hatte, wonach sie die Güter unbeschädigt zurückgeben würden, wenn ich als Gegenleistung verspreche, von einer Anklage abzusehen. Dies erschien mir ein überaus guter Deal angesichts der Tatsache, dass ich ungefähr zehntausend Meilen entfernt war und zu dem Zeitpunkt auch noch nicht wusste, wann ich zurückkehren würde.

Konfrontiert mit der harschen Tatsache, dass ich mein Dschungelcamp „Na Taat Paal“ verkaufen musste, griff ich einmal mehr auf das Medium zurück, wo ich bloß ein paar Jahre zuvor mein Fleckchen Paradies gefunden hatte – das Internet. Dieses Mal ließ ich mir von meiner talentierten Österreicherin die Website gestalten. Wir erstellten eine kleine Internet-Plattform, mit der wir uns an die Gemeinschaft der Expatriates als auch an die örtlich ansässigen Belizer richteten. Das Konzept war einfach: Gegen eine einmalige Gebühr von 250 bis 500 US-Dollar, abhängig davon, ob es sich um ein Privat- oder ein Investmentobjekt handelte, könnten wir bis zu zehn Fotos mit entsprechender Beschreibung so lange online stellen, bis die Liegenschaft verkauft würde.

Für unser Dschungelcamp setzen wir einen Preis fest, mit dem wir alle Kosten einbringen könnten: den ursprünglichen Grundstückskauf, die Ausgaben für den Bau von „Camp One“ (eine mit Palmenblättern gedeckte Hütte) und „Camp Two“ (ein Haus mit Holzwänden und einem verzinkten Metalldach), für die gesamte Infrastruktur (Brunnen, Wasserleitungen, Strom ), das Gebäude für die Küche sowie die Rodung des Grundstücks inklusive der vielen Pfade und Brücken, die bis in alle Ecken des 8 Hektar (20 acres) großen Grundstückes führten. Sämtliche Haushaltsgeräte und unser kleiner, älterer Toyota-Pick-up, der eine ungültige, von der örtlichen Verkehrsbehörde aber genehmigte Fahrgestellnummer hatte, waren auch im Preis inbegriffen.

Unmittelbar nach dem Erscheinen unseres Angebotes trafen Anfragen vor allem aus den USA ein. Die Interessenten stammten aus den unterschiedlichsten demografischen Schichten. Hauptsächlich Leute, die knapp vor der Pensionierung standen und für die Belize ein erschwingliches Stückchen Karibik bedeutete. Die meisten versuchten, zu Zeiten der frühen Bush-Regierung so gut wie möglich dem untergehenden Stern des amerikanischen Traumes zu entrinnen, einige gingen so weit, ihre ganzen Ersparnisse auf den Markt zu werfen.

Als ich da so in unserer Wiener Mietwohnung saß, von der aus man auf eine U-Bahn-Station am „Gürtel“ blickte, wo Prostituierte mit ihren Freiern hinter die Büsche verschwanden und Drogenhändler in einer nahe gelegenen Telefonzelle ihren Stoff verkauften – da vermisste ich meinen Dschungel. Meine Zeit war ausgefüllt mit dem Checken von Angeboten und einem letzten Versuch, einen ehemaligen Anthropologie-Professor aus North Carolina zu überzeugen, dass dies ein hervorragender Standort für eine kulturelle Forschungsstation wäre. Mehr und mehr spürte ich, dass ich mit dem Rücken zur Wand stand. So sehr ich das Dschungelcamp mit all seinen schönen und schlechten Seiten liebte, musste ich langsam aufwachen und mich der Realität stellen, dass die Österreicherin und ich jetzt keine streunenden Nomaden mehr waren, sondern Eltern eines fünfjährigen Sohnes und einer neugeborenen Tochter – und diese zwei unserer ständigen Aufmerksamkeit bedurften. Wir mussten da sein, wenn sie mitten in der Nacht müde und hungrig aufwachten. Und beide, Mutter und Vater, mussten da sein, wenn ihr Tag losging. Es war eine Verantwortung 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, und Luxusgüter wie eine Toilette mit Spülung in der Wohnung, Fließwasser auf Knopfdruck und elektrischer Strom machten da schon Sinn.

Letzten Endes kaufte irgend so ein Typ, den ich nie kennen gelernt habe und der mich auch nicht weiter interessierte, meinen Lebenstraum für 50.000 US-Dollar. Er zog schließlich in das Dorf und wurde Stammgast bei Miss Flo. Er heuerte auch Byron Lee an und ein paar Jahre lang schien alles glücklich zu verlaufen. Erst kürzlich hörte ich von Bürgermeister Jakes. Er erzählte mir, dass ein paar Einheimische, die immer ein Lächeln in meinem Gesicht entfacht hatten, gestorben waren, und auch, dass ein gewisser Mr. Roberts – jener Mann, der mein „Na Taat Paal“ erstanden hatte – das Haus auf den Markt geworfen habe. Das war wahrscheinlich eine kluge Entscheidung, vor allem wenn man bedenkt, wieviele Termiten mittlerweile in dem unbehandeltem Holz, das mir Mr. Trapp untergejubelt hatte, leben müssten.

Ein Beitrag von:

Julian Fisher Julian Monroe Fisher ist Forschungsreisender, Anthropologe, Autor, Dokumentarfotograf und -filmer. Er ist ein Mitglied der Königlichen Geographischen Gesellschaft (RGS) in London, ein Mitglied des Explorers Club in New York und Direktor für Kommunikation des Westeuropäischen Abschnitts des Explorers Club. Seine Webseite ist www.JulianMonroeFisher.co

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