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Die Suche nach dem echten Deal– Teil5: Belize– Im „NaTaatPaal“-DschungelcampII

Die Suche nach dem echten Deal– Teil5: Belize– Im „NaTaatPaal“-DschungelcampII

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Ohne ein Fahrrad, das ich mein Eigentum nennen konnte, nachdem ein alter Freund mit dem meinen die Stadt verlassen hatte, fand ich mich ganz offensichtlich gestrandet wieder, acht Meilen von jenem 20-Acre-Grundstück entfernt, das die Österreicherin und ich „blind“ über das Internet gekauft hatten. Dunkle Wolken zogen über mein sonst doch so sonniges Gemüt und ich fragte mich, ob ich mir denn hier schon wieder einmal mit einem Grundstücks-Investment selbst eine finstere Grube gegraben hatte.

Nun ja, so schnell konnte ich diese Frage nicht beantworten, und so tat ich das Beste und wanderte quer durch die Kleinstadt zu dem von einer aus Indien stammenden Familie geführten Heim- und Hobbyladen, um ein neues Fahrrad um umgerechnet 75 US-Dollar zu erstehen, während ich die letzten Monate gedanklich Revue passieren ließ.

Der erste Belizer, den ich kennengelernt hatte, war Roy Smith. Das war vor acht oder neun Jahren gewesen. Roy lebte in San Ignacio, im nordwestlichen Cayo-Bezirk nahe der Grenze zu Guatemala. Jedes Mal, wenn ich durch Belize reiste, besuchte ich Roy, und so wuchs unsere Freundschaft. Als ich nun dieses Grundstück im Bezirk Toledo kaufte, fragte ich natürlich Roy, ob er mir nicht helfen konnte, eine Hütte zu bauen. Roy erklärte sich bereit, für einen vereinbarten Fixpreis mit einer Crew nach Toledo zu kommen, um mein „Camp One“ zu errichten. Ich wollte ein einfaches Gebäude: Holzwände, Palmenblätterdach. Ich war überzeugt, dass Roy das konnte, hatte ich ihm doch ein paar Jahre zuvor 250 US-Dollar als Starthilfe geborgt, womit er eine kleine Lodge mit vier Hütten auf seinem Grundstück in San Ignacio errichtet hatte.

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Roy und seine zwei Mann starke Crew kamen genau eine Woche später als vereinbart in Toledo an. Alle drei waren betrunken und verlangten nach Huhn, Reis und Bohnen, dem Standardgericht in Belize. Am nächsten Tag starteten sie mit der vereinbarten Arbeit. Die ging recht langsam voran und nach drei Tagen erklärte Roy, dass er kündige. Die 500 US-Dollar, die ich ihm vorab gegeben hatte, würde er natürlich behalten. Das einzige Glück war, dass Roy die Fenster, die ich bei einem Mennoniten in San Ignacio bestellt hatte, mitgebracht hatte. Die waren für „Camp Two“ gedacht und erwiesen sich Monate später als eine gute Investition.

Die Hütte war noch lange nicht fertig, als Roy und seine Leute Richtung San Ignacio abreisten, und es blieben nur noch wenige Tage, bis die Österreicherin mit unserem Sohn nach ihrer langen Reise von Österreich über Guatemala eintreffen würde. Noch dazu lief mein Mietvertrag im Seafront Inn bald aus. Daher wandte ich mich an den einzigen Menschen, den ich bis jetzt in Toledo kannte. Sein Name war Paul.

Nun war Paul ein besonderer Charakter. Er war der Lebensgefährte von Ms. Parham, der Vorbesitzerin meines Grundstückes, und wohl nicht recht vertrauenswürdig, bewegte er sich beruflich doch eher auf illegalem Boden. Auch sah man selten seine rechte Hand ohne Belikin-Bierflasche. Aber was sollte ich machen, ich brauchte jemanden, der mir diese Hütte fertig baute.

Für zwei Kisten Bier und 500 US-Dollar erklärte sich Paul bereit, die Wände und das Dach zu errichten. Er versprach mir, dass alles in einer Woche fertig sein würde. Gerade rechtzeitig – einen Tag, bevor die Österreicherin und unser Sohn aus der europäischen Kälte zurückkehrten sollten – stellte Paul mit seinem Vater und zwei seiner Cousins die Hütte fertig, die bis heute in unseren Träumen immer „Camp One von Na Taat Paal“ (Quetchi-Maya für „Mutter–Vater–Kind“) heißen würde.

Die Österreicherin und unser kleiner Sohn waren von Österreich nach Guatemala City geflogen. Dort nahmen sie frühmorgens den Bus nach Porto Barrios, von wo täglich ein kleines Boot nach Punta Gorda, Belize, übersetzt. Ich holte die beiden am Pier von P.G. mit einem Taxi ab, das uns „nach Hause“ fuhr. Etwa 15 Minuten später verließen wir den SUV und begaben uns auf den unwegsamen Pfad zu unserem neuen Heim. Etliche umgefallene Bäume lagen noch quer über dem Weg, den ich freigeschlagen hatte, daher war es mühsames Schleppen und Klettern durch den Urwald.

Der erste Eindruck der Österreicherin von „Camp One“ war, milde gesagt, kein begeisterter. Vielleicht lag das daran, dass ich unser Plumpsklo von einem 17-Jährigen namens Baron Lee errichten ließ. Dem war die Notwendigkeit dieser Einrichtung nicht so bewusst, daher war das kleine Häuschen noch nicht ganz benutzbar. Fließendes Wasser gab es in Form eines kleinen Baches, der einige Meter von unserer Hütte entfernt vorbeifloss. Hier konnten wir Wasser holen, das wir nur noch abkochen mussten. Vorausgesetzt, es regnete genug.

Das Leben in „Camp One“ war recht elementar. Das letztendlich doch noch fertiggestellte Plumpsklo war das unschlagbare Highlight unseres Heims. Durch das Moskitonetz, das eine Seite der frei stehenden Hütte bedeckte, konnten wir den Dschungel beobachten, während wir unser Geschäft verrichteten. Natürlich war es abenteuerlich, wenn man sich nach Einbruch der Dunkelheit noch einmal auf den Weg dorthin machen musste – die etwa zehn Meter über die nur halb kahlgeschlagenen Lichtung blieben bis zum Ende spannend. Und dann war da noch der Regen. Der begann vier Tage nach unserem Einzug in „Camp One“. Die Regengüsse kamen unvorhersehbar und verwandelten den Platz vor unserem Camp täglich in ein Schlammfeld.

Nicht zu vergessen auch, dass wir unsere Hütte mit Reptilien und anderem Getier teilten. Die morgendliche Überprüfung der Schuhe, bevor man hineinstieg, wurde zur Routine, nachdem unser Sohn einmal mit seinen Zehen auf einen Frosch gestoßen war. Und die alten Sandalen der Österreicherin erwiesen sich als geeignetes Instrument, um Skorpionen jeder Größe sowie Taranteln und anderen Spinnen täglich den Garaus zu machen. Doch ein Erlebnis ist mir noch sehr lebhaft in Erinnerung.

Eines Nachmittags schwang ich mit meinem Sohn in der Hängematte, während er mir von seinen Ambitionen im Leben erzählte. Er erzählte von seinen Träumen und Wünschen, während ich ihm meine Vorstellungen von einem Leben im Urwald am Beginn des 21. Jahrhunderts erklärte. Während wir so dahinschwangen, beobachteten wir eine kleine grüne Echse, die auf dem Platz zwischen unserer Hütte und uns ihren Weg recht bemüht durch die Pfützen suchte, als plötzlich eine grün-gelbe dünne Schlange wie ein Pfeil aus unserem Palmenblätterdach schoss und sich auf die Echse stürzte. Ganz offensichtlich das Ergebnis jahrtausendlanger Evolution eines Räuber-Beute-Verhältnisses – die Echse hatte keine Chance.

Die Österreicherin, unser Sohn und ich verbrachten diesen Abend, als die tropische Sonne sich langsam dem Horizont näherte, auf unserem kleinen Fleckchen Land irgendwo entlang einer unbefestigten Straße, acht Meilen von der karibischen Küste entfernt, mit langen Diskussionen darüber, was unsere Zukunft bringen würde. Würden wir „Camp One“ lange genug überleben, um unsere Träume in „Camp Two“, das in unseren Köpfen schon in Planung war, zu erleben? Waren da noch andere Schlangen im Dach über unseren Köpfen und interessieren die sich auch für uns – oder nur für kleine Echsen? Würden wir früher oder später auch nur ein weiteres Beispiel all dieser gescheiterten Aussteiger sein, die ihre Tage im Paradies nur noch mit einem Bier in der Hand meistern können?

Ein Beitrag von:

Julian Fisher Julian Monroe Fisher ist Forschungsreisender, Anthropologe, Autor, Dokumentarfotograf und -filmer. Er ist ein Mitglied der Königlichen Geographischen Gesellschaft (RGS) in London, ein Mitglied des Explorers Club in New York und Direktor für Kommunikation des Westeuropäischen Abschnitts des Explorers Club. Seine Webseite ist www.JulianMonroeFisher.co

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