fbpx
Home Ausland Das Ringen um die Quadratmeter: Warum Wohnkomfort sich nicht nur über die Größe definieren lässt
Das Ringen um die Quadratmeter: Warum Wohnkomfort sich nicht nur über die Größe definieren lässt
Credits: Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu

Das Ringen um die Quadratmeter: Warum Wohnkomfort sich nicht nur über die Größe definieren lässt

0

Wohnen auf kleiner Fläche bedeutet nicht mehr den Verlust von Qualität und Komfort, sondern steht vor allem für einen nachhaltigen Umgang mit Flächenverfügbarkeiten.

„Ein Landhaus mit viel Platz und großem Grundstück oder zumindest das Einfamilienhaus mit Garten, das galt über Jahrzehnte als Traum für Familien, die nach Wohneigentum strebten. Die grünen Vororte lagen im Trend – die Objekte mit viel Freifläche für die ganze Familie. Die Definition von Luxus definierte sich vor allem über die Größe des Objektes und des Grundstücks. Aber auch die Wohnungen generell, im Eigentum ebenso wie gemietet, wurden immer größer. Statistisch lässt sich das an der Zunahme der durchschnittlichen Wohnfläche pro Person ablesen. Im Jahr 1960 waren es in Deutschland pro Kopf 20 Quadratmeter, inzwischen bewohnt jeder Bundesbürger durchschnittlich 49 Quadratmeter. Einer der Spitzenwerte in Europa. In Italien beispielsweise begnügt man sich mit 31 Quadratmetern. Der Flächenverbrauch beruht allerdings nicht nur auf dem Streben nach mehr Wohnluxus, sondern er ist auch eine Folge der zunehmenden Zahl der Einpersonenhaushalte.

Wunschtraum – 100 Quadratmeter, moderne Einbauküche

100 Quadratmeter und mehr, eine moderne Einbauküche, Gäste-WC – das sind laut der Wohntraumstudie 2016 der Interhyp die aktuell unerlässlichen Details des Wunsch-Wohnraums in Deutschland. Doch es gilt abzuwägen, denn der Wunsch nach mehr Wohnraum ist in dicht besiedelten Regionen kaum noch umsetzbar. Der Bedarf steigt, doch die Flächenverfügbarkeit sinkt. Zudem steht dem Bedürfnis nach mehr Wohnraum die urbane Vielfalt der Möglichkeiten gegenüber: Einerseits entwickeln die Städte mit ihrem Angebot an Kultur, Shopping und Gastronomie eine neue Anziehungskraft. Andererseits scheuen viele Menschen, die bislang die grüne Umgebung als Luxus betrachteten, derweil auch aufgrund des wachsenden Verkehrsaufkommens die zeitaufwendigen Wege zum Arbeitsplatz und sehen sich nach einer Adresse in der Stadt um.

Werbung

Urbanes Wohnen statt Landhaus, so lautet die Devise

Stadthäuser und Eigentumswohnungen in zentralen Stadtteilen sind zunehmend gefragt. Ablesbar ist die Entwicklung am aktuellen Geschehen auf dem Immobilienmarkt. Die Zahl der Verkäufe von Eigentumswohnungen steigt in den Metropolregionen. Und dabei punktet besonders auch der Umsatz mit Premiumimmobilien. 2016 wurden 3.141 Wohnungen ab einem Kaufpreis von 750.000 Euro in den Top-7-Metropolen veräußert. Ein Anstieg um 25,1 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Spitzenreiter war München mit insgesamt 1.300 Kauffällen. Die weiterhin niedrigen Hypothekenzinsen unterstützen diesen Trend. Aber auch die steigenden Mieten in den Ballungszentren unterstützen den Wunsch nach Wohneigentum. Derweil zieht es nicht nur junge Menschen zurück in die Stadt, die ihnen Unterhaltung, Freizeitangebote und Kontakte bietet, sondern auch die sogenannten Best Ager, die Elterngeneration, deren Kinder flügge, die selbst aber noch fit und interessiert genug sind, um ihre Freizeit aktiv gestalten zu wollen. Sie tauschen das Landhaus gegen die Premiumimmobilie in urbaner Lage, sie benötigen weniger Platz und sie möchten sich häufig nicht länger um Haus und Garten kümmern, sondern sehnen sich nach der Wohnung, die sie hinter sich abschließen können.

Luxus in urbanen Wohnlagen auf weniger Fläche

Zum Vergrößern klicken

An die Stelle des Luxus einer großen Wohnfläche tritt der Vorteil der urbanen Lage. Doch diese Lagen sind begrenzt. Dabei bedeutet weniger Fläche nicht automatisch auch weniger Luxus. Das Wohngefühl hängt wesentlich von der Raumaufteilung sowie der Ausstattung ab. Und vom Geschick der Architekten, die Räume effizient auszunutzen. Platzmangel und Preissprünge forcieren auf dem Markt weitere Entwicklungen: Nach Jahrzehnten gelten erstmals wieder Apartments in Hochhäusern als eine nicht nur akzeptable, sondern sogar als eine attraktive Möglichkeit des Wohnens, weil sie die unterschiedlichsten Nutzungen unter einem Dach bieten können und die Bewohner im Idealfall das Haus in der Freizeit gar nicht verlassen müssen. Gleichzeitig ist die vertikale Schaffung neuen Wohnraums auch eine Lösung für die zunehmende Knappheit an geeigneten Grundstücken für den Wohnungsbau in zentralen Lagen. Hinzu kommt das Konzept des Mikro-Livings, des Wohnens in kleinen, kompakten Apartments, im Idealfall werden auch Service oder gar Hotelkomfort ermöglicht. Die Zielgruppen der Mikroapartments reichen vom Berufspendler über den Studenten bis hin zu Senioren. Diese erhalten eine zentrale Adresse mit einer möglichst optimalen Infrastruktur, mit allen Shopping-Fazilitäten und Kultur vor der Haustür, womöglich mit dem Fitness-Studio, dem Swimmingpool und weiteren Gemeinschaftsflächen wie einer Bibliothek, Lounge oder großen Küche unter einem Dach, mit dem Concierge, der die Lieferung annimmt. Mehr Lebensqualität trotz weniger Fläche, so lautet die Gleichung.

Ein Beitrag von:

Björn Dahler Björn Dahler ist Geschäftsführer des Hamburger Premium- Immobilienmaklers Dahler & Company.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.