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Collaborative Living – Zukunft des Wohnens

Collaborative Living – Zukunft des Wohnens

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Teilen, Tauschen und gemeinschaftliches Nutzen. Der Shareness-Gedanke gehört zum Fundament der Social-Media-Plattformen im Internet. Nun breitet sich der Nutzen-statt-besitzen-Trend verstärkt auf Waren und Dienstleistungen aus und erreicht unter dem Begriff „Collaborative Living“ auch den Wohnmarkt.

„Finde eine Unterkunft. Miete von Menschen in 34.183 Städten und 192 Ländern.“ Der Slogan der 2008 gegründeten Community-Plattform „Airbnb“, die sich auf die Vermietung von Privatunterkünften rund um den Globus spezialisiert hat, spricht ein Bedürfnis an, das immer mehr Menschen haben: Nutze und teile mit mir. Gerade Wohnraum. Das spart Kosten und schont Ressourcen. Die Zahlen sprechen für sich: Über 10 Millionen gebuchte Nächte in privaten Wohnungen und mehr als 600 Millionen soziale Verbindungen haben Airbnb zum weltweit größten Community-Marktplatz für Unterkünfte heranwachsen lassen.

Trend des Teilens und Tauschens

Aus dem Community-Geist und der Sharingkultur des Internets erwächst zunehmend eine Freigebigkeit und Bereitschaft, Inhalte, Güter, aber auch Wohnraum mit Fremden zu teilen. Das gesellschaftliche Bedürfnis nach Gemeinschaft, die Dynamisierung der Arbeitswelten und die anhaltende wirtschaftliche Anspannung auf den Märkten verleihen dem Teilen-und-tauschen-Trend eine nachhaltige Dynamik. „Wir erleben gerade den Anfang vom Ende des Nutzungs- und Konsumverhaltens, wie wir es bisher hatten“, ist sich Jeremy Rifkin, renommierter US-Ökonom und Berater von EU-Regierungen, sogar sicher: „Die Ära des Eigentums geht zu Ende, das Zeitalter des Zugangs beginnt.“

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„Collaborative Living“ fußt auf einer räumlich dezentralen Wohnkultur. Kollaborative Wohnkonzepte entstammen dem typischen Sharing-Spirit sozialer Netzwerke, der da lautet: Nicht jeder muss alles besitzen. Verfügbarkeit und Zugang statt Besitz und Eigentum. Privater Wohnraum beschränkt sich auf die persönlich wichtigen und täglich notwendigen Wohnfunktionen. Alles andere wird sozusagen ausgelagert, sprich dezentralisiert. Die ausgelagerten Wohnfunktionen werden gemeinschaftlich genutzt und zur Basis des Collaborative Living.

Neue Definition von Wohnqualität

Wohnqualität wird in Zukunft nicht mehr über Größe und Ausstattung definiert, sondern über zusätzliche (Nutzungs-)Optionen und flexible Wohnmöglichkeiten, möglichst innerhalb von Häusern, Wohnanlagen und Quartieren. Die Wohnfläche wird– auch wegen der anhaltend hohen Mietpreise– tendenziell kleiner. Schon heute wird in vielen Single-Haushalten nur mehr selten die Küche benützt. Dafür wird unterwegs der Coffee to go getrunken, und gegessen wird ebenfalls zumeist außerhalb der vier Wände. Soll für Freunde einmal gekocht werden, so kann mancherorts schon eine (Gemeinschafts-)Küche mit allen Raffinessen gemietet werden. Für Familien mit Kindern bieten Spielräume ausreichende Bewegungsmöglichkeiten. Auch im Badezimmer kann Wohnfläche gespart werden: Statt der Badewanne wird der Beauty-Genuss dann im Day-Spa zelebriert.

Demografischer Wandel und komplexe Beziehungsmuster zwischen Patchwork-Familie und „Fernbeziehung“ verleihen der kollaborativen Wohnkultur zusätzliche Bedeutung. Einerseits schrumpft die Bevölkerung in Mitteleuropa, andererseits herrscht durch die Individualisierung der Gesellschaft und dem Trend zu Ein- und Zweipersonenhaushalten akuter Wohnungsmangel. Vor allem in Großstädten und Ballungszentren. Nach wie vor sind die meisten Stadtwohnungen auf das Ideal der Kernfamilie ausgerichtet. Der Umzug an den Stadtrand kommt jedoch für viele nicht in Frage, deshalb braucht es intelligente Lösungen für urbane Kleinraumwohnungen.

New York als Paradebeispiel

Die Entwicklung in New York gibt ein gutes Bild davon, wie dem wachsenden Wohnungsbedarf einer individualisierten Gesellschaft begegnet werden kann. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hat im Jahr 2012 einen Wettbewerb für „Micro-Apartments“ ausgeschrieben. Kleine Wohnungen von 20 bis 30 Quadratmetern sollten entworfen werden, die durch clevere Funktionslösungen auffallen und dennoch genügend Raumkomfort für den Bewohner bieten. Der Siegerentwurf von „nArchitects“ zeigt Wohnmodule, die sich je nach Wohngröße stapeln lassen. Auch gibt es Möbel, die mehr als eine Funktion besitzen: beispielsweise einen Herd, der auch als Tisch verwendet werden kann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt und Treiber von Collaborative Living in kleineren Wohneinheiten ist die hohe Mobilität und Flexibilität innerhalb der Gesellschaft. Mobile und vernetzte Menschen wechseln häufiger den Arbeitsplatz und Wohnort als andere. Ebenso ist die Partnerschaft nicht mehr auf ein ganzes Leben ausgerichtet. Je nach Lebensphase wird der Lebensstil verändert und adaptiert. Entsprechend verwandeln sich im Laufe der Lebensjahre auch die Wohnvorstellungen und -bedürfnisse. „Drei Zimmer, Küche und ein Bad ein Leben lang“– dieses Konzept passt einfach nicht mehr zu einer hochgradig mobilen und vernetzten Gesellschaft.

Ganzheitliche Lebensräume statt Wohneinheiten

Die Wohnhäuser der Zukunft werden nicht mehr als einzelne Wohneinheiten gestaltet, sondern als ganzheitlich ausgerichtete Lebensräume. Diese Räume bieten vielen unterschiedlichen Lebenskonzepten unter einem Dach Platz. Ganze Wohnhäuser werden in Raumsystemen konstruiert, die ein reges Miteinander innerhalb der Hausgemeinschaft ermöglichen. Dass aus Familien Patchwork-Familien oder Alleinwohnende werden können oder auch Platz für pflegebedürfte Angehörige nötig ist, wird bereits bei der Planung von Wohngebäuden mitbedacht. So können Wohnungen bei Bedarf verändert und gemeinschaftlich genutzte Bereiche für unterschiedliche Bedürfnisse adaptiert werden. Vor allem in vielen Baugruppen-Projekten finden sich schon jetzt kollaborative Räume wie Gästezimmer für das ganze Haus, gemeinschaftliche Workspaces, große Küchen oder Kindergärten.

Kollaborative Räume folgen nicht dem Gedanken der Wohngemeinschaft (WG), sondern passen sich vielmehr an die jeweilige Lebenssituation an. Der private Bereich lässt sich im Idealfall ausweiten oder verkleinern. Mit dem „Modulbaukasten Wohnen“ kann dann nach Wunsch und Bedürfnis der Wohnraum situativ neu zusammengestellt und umgestaltet werden. Wohnen ist kein endgültiger Zustand mit fixer Ausstattung, sondern ein sich stetig wandelnder Prozess.

Individuelle Wohnnetzwerke

Durch das Ansteigen der Mietkosten in den Städten wird der Bedarf an kleinen Wohneinheiten weiter anwachsen. Die Verkleinerung der Wohnungen bedeutet aber keineswegs einen Verlust von Raum und Komfort. Entfaltungsmöglichkeiten bieten Raum- und Serviceangebote in der nahen Umgebung. Vom Co-Working-Space bis zum mietbaren Küchenatelier oder Day-Spa wird Wohnqualität weit über die eigenen vier Wände hinaus definiert. Die Wohnungen von morgen sind individuelle Wohnnetzwerke, die sich aus privaten Bereichen, Dienstleistungen und optional gewünschten Räumen zusammensetzen. Wohnen der Zukunft als „Social Network“ des realen Lebens.

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