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Wie die US-Banken alle „geschraubt“ haben …

Die Krise, die seit 2007 über den Globus zieht, nahm in den USA als Immobilienkrise ihren Ausgang, hatte aber mit dem Wert einer Immobilie nur bedingt zu tun. In Wirklichkeit beruhte sie auf einer Mischung aus Fehlern, die im Vorfeld gemacht wurden, und einem abgekarteten Spiel.

Ihren eigentlichen Ursprung hatte die Krise vor über 15 Jahren. Als der internationale Immobilienhandel begann, wurde weltweit immer mehr investiert, und vor allem grenzüberschreitend. Damit war es aber notwendig geworden, Bewertungsmodelle zu finden, die Immobilien im internationalen Kontext vergleichbar machten. Dabei wurde, von den USA ausgehend, auf ein Bewertungsmodell für gewerbliche Immobilien zugegriffen, das normalerweise im Unternehmensbewertungsbereich angewendet wird. Die Immobilie wurde ein Produkt des Finanzmarktes und der Immobilienmarkt und der Kapitalmarkt verschmolzen, ohne das Spezifikum Immobilie zu berücksichtigen. Die Immobilie wurde gehandelt und sie wurde immer schneller gedreht. Vom „Buy and Hold“-System kam man ab und das neue hieß „Buy and sell with profit“.

Automatisierte Preissteigerungen der Immobilien

Der zweite Ausgangspunkt war der Wohnimmobilienmarkt in den USA. Da in den USA die Grundstückssteuer jedes Jahr zu zahlen ist, werden die Grundstücke auch jedes Jahr neu „geschätzt“. Um den landeseigenen Konsum anzukurbeln– immerhin brauchte das Land Geld für seine Kriege– wurde begonnen, die Immobilie immer etwas höher zu bewerten. War ein Haus 100.000 Dollar wert, wurde es im darauf folgenden Jahr um zehn Prozent höher bewertet und war damit 110.000 Dollar wert. Ein gelernter Österreicher würde sich drüber freuen und hoffen, dass es nicht schlechter wird. Ein gelernter US-Amerikaner agiert ganz anders: Mit seinem höher bewerteten Haus geht er zu seiner Hypothekenbank und bringt ihr die offizielle Bestätigung für den Mehrwert seines Hauses. Um diesen Mehrwert nimmt er einen weiteren Kredit auf das Haus auf- beziehungsweise erhöht er seinen Kreditrahmen– und der wird für den Konsum verwendet. Wenn sich dieser Prozess zehn Jahre wiederholt, dann versteht man auch, warum die Immobilien in den USA infolge des Crashs solche Werteinbußen zu verzeichnen hatten. Diesen Wert gab es gar nicht. Es war ein fiktiver Wert, für den die Banken reales Geld gaben.

Vollwertige US-Bürger

Außerdem wurde– und das war ein abgekartetes Spiel– das Hypothekengeschäft ausgeweitet. Fast 70% der US-Amerikaner sind Hausbesitzer und das macht sie in den USA erst zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft. Zuwanderer in den USA hatten diesen Status nicht, da sie sich Häuser eben nicht leisten konnten. Bis Ende der 90er-Jahre bekamen die Einwanderer nur einen kleinen Teil vom amerikanischen Liegenschaftskuchen ab. Nachdem die Kreditgeber Latinos und andere Minderheiten lange vernachlässigt hatten, sahen sie diese plötzlich als unerschlossenes Potenzial, das es „um jeden Preis zu fördern gelte“, hieß es in einem Artikel der Interessengruppe Center for Responsible Lending. Die starke Ausweitung des Hypothekengeschäfts mit Latinos– die mittlerweile rund 12% der US-Bevölkerung ausmachen– war kein Zufall, sondern hatte System, wie aus verschiedenen Berichten hervorgeht. Autoren des „Wall Street Journal“ legten glaubhaft dar, weshalb es den Banken gelang, innerhalb weniger Jahre so viele Hispanics mit zweifelhafter Kreditwürdigkeit in Transaktionen einzubinden, die sie sich nicht leisten konnten beziehungsweise bei denen sie die Inhalte der Kreditverträge nicht verstanden: Politisch motivierte Interessengruppen, wie Kreditgeber, Grundstücksmakler-Verbände und Banken, hätten einander in die Hand gespielt und Kredite vergeben. Speziell die beiden staatlichen amerikanischen Hypothekeninstitute Fannie Mae und Freddie Mac waren diejenigen, die unkontrollierte Kredite vergaben und jetzt auch am stärksten leiden, wobei ein Ende des Fiaskos bis dato nicht absehbar ist.

Unverständliche Kreditverträge

Die Kreditgeber konstruierten nach 2004 Hypotheken mit fetten Ködern, so genannten „teaser-rates“. Die Kreditnehmer zahlten bis zu zwei Jahre lang einen festen Zinssatz, danach wurde die Höhe der Schuld dem jeweiligen Marktzins angepasst. Das Lockmittel („teaser“) bestand darin, dass der Zins in den ersten Jahren sogar unter dem Marktzins lag. Und das Besondere daran: Viele Kreditnehmer verstanden gar nicht, was sie da unterzeichneten und dass die „teaser-rates“ nicht für den ganzen Zeitablauf der Kreditaufnahme galten. Mit dem Übergang zur variablen Verzinsung stieg die Höhe des Schuldzinses aber rapide an. Dies erklärt, weshalb Millionen von Kreditnehmern in den USA von unerwartet ansteigenden Zinsen überrascht wurden. Dabei fällt auf, dass in Countys mit einem Latino-Anteil von über 25% deutlich mehr Häuser zwangsversteigert wurden als anderswo. Um aber die faulen Kredite nicht in den eigenen Schubladen liegen zu lassen, entschlossen sich die Banken, diese als „Investitionspakete“ an Anleger zu verkaufen und so wanderten sie in die Portfolios internationaler Finanzinstitute. Dazu muss man sagen, dass laut internationalen Studien die Ausfallsquote bei Privatkrediten relativ gering ist– nicht aber bei diesen Krediten und der Rest ist Geschichte.

Verrückte Spiele rund um den Globus

Doch nicht nur in den USA spielte man verrückte Spiele rund um Immobilien mit, sondern weltweit. Schrottimmobilien wanderten in riesige Portfolios und wurden weltweit weiterverkauft. Beinahe bankrotte europäische Banken schaufelten ihre– schlechten– Immobilien in Portfolios und verkauften diese als Superaktien anderen Banken und Investoren. Es ist auch davon auszugehen, dass noch zahlreiche Banken auf der Welt solche Immobilien in ihrem Portfolio haben, diese aber noch nicht offiziell „abgewertet“ haben. Das deutsche „Handelsblatt“ berichtete, dass US-Banken im Herbst 2010 so viele Eigenheime wie nie zuvor gepfändet hätten. Die Kreditinstitute hätten die Kontrolle über 269.962 Häuser und Wohnungen übernommen. Dies seien 5% mehr als im ersten Quartal und 38% mehr als im Vorjahr. Für das gesamte Jahr werde mit einer Million Pfändungen gerechnet. Außerdem würden die Kosten für die Rettung der beiden staatlichen amerikanischen Hypothekeninstitute Fannie Mae und Freddie Mac stetig ansteigen, wobei das Finanzministerium bislang insgesamt 145 Milliarden US-Dollar in die Institute gepumpt hat. Die Institute gehören mittlerweile zu 80 Prozent dem Staat und werden künftig nicht mehr an der Börse gehandelt. Analysten erwarteten zuletzt, dass die Rettungsaktion 500 Milliarden bis eine Billion Dollar kosten werde, da mit einem Fallen der Hauspreise um 20% gerechnet werde. Die beiden Hypothekeninstitute besäßen oder garantierten 53% aller privaten Immobilienkredite. Der Gesamtmarkt hat ein Volumen von 10,7 Billionen US-Dollar.

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