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Wettlauf des Wahnsinns

Das war noch die gute alte Zeit, als man mit dem höchsten Gebäude der Welt 4.000 Jahre lang prahlen konnte. Heutzutage wird die Halbwertszeit immer kürzer, und daher ist auch beim Burj Dubai das Ablaufdatum schon erkennbar. Er wird als Rekordhalter vermutlich in drei Jahren abgelöst.

Die alten Ägypter waren es, die den Rekord für die Ewigkeit aufgestellt hatten: Die Cheops-Pyramide war ursprünglich 146 Meter hoch, und die Bauzeit dauerte geschätzte 20 Jahre. Das war es aber wert, denn Cheops’ Grabmal war fast 4.000 Jahre lang das höchste Bauwerk der Welt, nämlich von 2570 v. Chr. bis Anfang des 14. Jahrhunderts. Die Kathedrale von Lincoln verdrängte die Cheops-Pyramide dann 1311 vom Spitzenplatz der Himmelsstürmer. Sie entstand einst unter Wilhelm dem Eroberer und war mehr als 200 Jahre lang das höchste Bauwerk der Welt. Heutzutage geht es etwas schneller: 1930 war das Chrysler Building mit 319 Metern das höchste Gebäude der Welt– genau ein Jahr lang, dann wurde es vom Empire State Building mit 381 Metern abgelöst.

Dominanz der USA

Gut 100 Jahre, von 1894 bis 1998, standen die höchsten Gebäude der Welt in den USA, bis schließlich die Vollendung der Petronas Towers in Kuala Lumpur im Jahr 1998 dem goldenen Zeitalter der US-amerikanischen Wolkenkratzer-Architektur ein Ende setzte. In Asien und in der arabischen Welt wird der Wettstreit nun fortgesetzt. In den USA werden aktuell nicht die höchsten Wolkenkratzer gebaut, sondern die teuersten. Mit knapp vier Milliarden US-Dollar kostete das neue One World Trade Center, das am ehemaligen Ground Zero entstand, fast dreimal so viel wie der Burj Khalifa.

Ablaufdatum für den Burj Khalifa

Das aktuell höchste Gebäude der Welt ist der Burj Khalifa in Dubai mit 828 Metern. Um hier gleich einmal die Fronten klar zu machen, hat der Burj Khalifa seine Vorgänger um das gesamte Chrysler Building (319 Meter überragt), womit sichergestellt werden sollte, dass die laufenden Projekte ihn nicht einholen würden. Und tatsächlich scheiterten bis dato alle weiteren Projekte an der Höhe. Das Pingan International Finance Center soll ab 2016 zwar das höchste Bauwerk Chinas werden, aber eben nur das zweithöchste der Welt. Die 115 Stockwerke ragen dann voraussichtlich 660 Meter in den Himmel der Zwölf-Millionen-Stadt Shenzhen in Südchina. 729 Meter Höhe hoch wird das Zhongnan Center in der chinesischen Zehn-Millionen-Metropole Suzhou im Jahr 2020 werden. Diese Höhe wird zwar für die Top-Position in China reichen, allerdings nur noch für Rang drei unter den höchsten Gebäuden der Welt; denn Saudi Arabien macht sich gerade daran, das höchste Gebäude auf dem Globus zu errichten.

Der höchste entsteht in Saudi-Arabien

In Dubais Nachbarstaat Saudi-Arabien möchte man nahe der Hafenstadt Dschidda die neue Marke von einem Kilometer knacken. Der Kingdom Tower aus der Feder der Architekten Adrian Smith– der auch der Architekt des One World Trade Center ist– und Gordon Gill soll 1.007 Meter in den Himmel ragen und auf 167 Etagen Büros, Wohnflächen und ein Hotel beherbergen. Damit der Turm auch tatsächlich im Wüstensand stehen bleibt, wird auf 270 Pfählen gegründet, die bis zu 110 Meter in die Tiefe reichen. Als man 2013 mit dem Bau des Giganten begann, war die technische Umsetzbarkeit zunächst noch unklar. Jetzt scheint aber dem Wahnsinn nichts mehr entgegenzustehen, und das 1,2 Milliarden US-Dollar teure Bauwerk geht mittlerweile schon in den Hochbau. Ende 2018/Anfang 2019 soll das neue höchste Gebäude der Welt dann eröffnet werden. Aber so ganz allein bleibt der Turm dann auch nicht in der Wüste stehen: Er soll das Herzstück der Kingdom City, eines 20 Milliarden US-Dollar teuren Stadtentwicklungsprojekts, werden. Finanziert wird der Turm ironischerweise von Verwandten Osama bin Ladens.

Aber selbst die 1.007 Meter könnten in absehbarer Zeit geknackt werden. Mit sogenannten bionischen Wolkenkratzern, die ihre Fassaden den jeweiligen Umweltverhältnissen wie Wind und Temperatur anpassen können, wollen manche Architekten in Zukunft noch weit darüber hinaus. Zudem werden auch neue Baustoffe die Höhe der Skyscraper entscheidend beeinflussen.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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