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Wahnsinn in den Schweizer Bergen

Der Wohnimmobilienmarkt im Wintersportort Gstaad im Berner Oberland zählt zu den exklusivsten der Welt. Selbst die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise bekam das traditionsreiche Chaletdorf nicht wirklich zu spüren. Knappes Angebot in Bestlagen führt zu kontinuierlich steigenden Werten. Wer hier fünf Quadratmeter verkauft, kann sich in Wien „ungschaut“ eine qualitative Vorsorgewohnung leisten.

Laut der Marktstudie von Dr. Max Huber „Die Topregionen Österreichs“ liegen in Kitzbühel die Preise für Wohnungseigentum mit 7.100 bis 12.000 Euro pro Quadratmeter nur marginal unter der Wiener Innenstadt. Bei Einfamilienhäusern ist Kitzbühel mit Preisen ab 1,4 bis 1,95 Millionen und Villen mit 3,1 bis knapp vier Millionen bereits an erster Stelle. Das klingt schon viel, ist aber noch gar nichts gegen den Nobelskiort Gstaad in der Schweiz. In den bevorzugten Lagen verzeichnet Engel Völkers Gstaad bei exklusiven Chalets mit sehr hochwertiger Ausstattung Preise zwischen ca. 12,3 Millionen Euro (15,0 Millionen CHF) und ca. 32,8 Millionen Euro (40,0 Millionen CHF). Der starke Nachfrageüberhang führt in den Bestlagen des Chaletdorfes zu neuen Rekordwerten von bis zu ca. 49.200 Euro (60.000 CHF) pro Quadtratmeter. Neben den im für Gstaad typischen Chalet-Stil erbauten Einfamilienhäusern werden insbesondere auch Eigentumswohnungen ab 200 Quadratmeter im Ortszentrum sehr stark nachgefragt. Die Quadratmeterpreise liegen hier bei Objekten mit sehr hochwertiger Ausstattung zwischen ca. 24.600 Euro (30.000 CHF) und ca. 36.900 Euro (45.000 CHF) pro Quadratmeter.

Preise lassen kalt

Der Wechselkurs des Schweizer Franken zum Euro macht hier auch seinen Teil aus, allerdings lässt er die Käufer offensichtlich kalt wie das Winterwetter. Die Interessenten sowieso, denn „der Markt ist gerade in den begehrten Lagen wie Oberbort durch einen ausgeprägten Angebotsengpass gekennzeichnet“, so Antonia Crespí, Büroleiterin von Engel Völkers in Gstaad. Der allgemeine Trend zu krisensicheren Investments in Sachwerte sowie die strikten Bauvorschriften und die dadurch bedingte limitierte Neubautätigkeit in Gstaad verstärken diese Tendenz. Es war daher zuletzt insgesamt etwas weniger Bewegung am Markt, „denn der Großteil der Eigentümer hochwertiger Zweitwohnsitze ist selbst während turbulenter Zeiten an den Kapitalmärkten nicht gezwungen, seine Immobilie zu veräußern, sondern möchte seine stabile Wertanlage lieber behalten“, sagt Crespí.

Premium-Immobilien teilweise nur wenige Tage am Markt.

„Zehn Minuten Anfahrt bis ins Stadtzentrum von Gstaad empfinden viele Käufer bereits als eine große Distanz. Besonders begehrt sind deshalb Wohnimmobilien rund um das legendäre Palace Hotel, die einen einzigartigen Blick auf das Dorf und die Berge bieten“, sagt Crespí. Bei der Ausstattung werden häufig eine Garage und ein Aufzug, ein Schwimmbad, ein Weinkeller und ein Entertainment-Room gewünscht. Besonders anspruchsvolle Kunden mit entsprechender Kapitalausstattung legen darüber hinaus Wert auf eine sehr große Wohnfläche, die Platz für Personalwohnungen und Gästequartiere bietet. Die Vermarktungsdauer für Zweitwohnsitze in guten und sehr guten Lagen beträgt laut Crespí zurzeit durchschnittlich sechs bis zwölf Monate: „Besonders hochwertige Immobilien in sehr attraktiver Lage finden allerdings vereinzelt schon innerhalb weniger Tage einen neuen Eigentümer. Vorausgesetzt, die Immobilien werden zu einem angemessenen Preis angeboten.“ Ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau befinden sich die Preise in den angrenzenden Gebieten Wispile, Gruben und Bissen sowie in den umliegenden Gemeinden Schönried, Saanen Unterbort, Saanen und Rougemont. Für Eigentumswohnungen werden dort bis zu ca. 20.500 Euro (25.000 CHF) pro Quadratmeter Wohnfläche erzielt. Auch authentische Bauernhäuser mit Entwicklungspotenzial im Umland gehören zu den begehrtesten Immobilien, sind allerdings aufgrund der starken Nachfrage nur sehr selten am Markt.

Internationale Käufer dominieren den Markt

Die Mehrheit der Käufer sucht Immobilien zur Eigennutzung als Zweitwohnsitz und als wertstabilen Sachwert. Die gut entwickelte Infrastruktur in Gstaad ermöglicht die Nutzung oder Vermietung einer Ferienimmobilie während des gesamten Jahres. In den Wintermonaten bietet Gstaad eines der schönsten Skigebiete der Schweiz, im Sommer besticht es durch unzählige Möglichkeiten zum Wandern oder Golfspielen. Darüber hinaus investieren auch institutionelle Anleger und Bauträger in hochwertige Neubauprojekte wie beispielsweise das hochklassige 7-Sterne-Hotel Alpina, das bis Weihnachten 2012 fertiggestellt werden soll und an das auch private Apartments sowie drei Chalets angeschlossen sein werden.

Internationale Käufer dominieren

Da die Schweizer zwar als reiches Volk gelten, aber so viele es dann doch nicht sind, und auch als sparsam, wird der Markt vor allem von internationalen Käufern dominiert. Sie kommen vorrangig aus Griechenland, Italien, Spanien und Belgien, was aufgrund der aktuellen Probleme in der Euro-Zone überraschen mag. Dadurch sieht man, dass Vermögen nichts mit dem Volk zu tun hat, denn ein griechischer Taxifahrer oder ein italienischer Lehrer wird sicherlich nicht in den Schweizer Bergen kaufen. Eine deutliche Zunahme der Anfragen registrierte Engel Völkers Gstaad aber auch von Schweizern, Deutschen, Österreichern, Franzosen, Briten und Monegassen. „Viele Kunden kommen ursprünglich auch aus Nicht-EU-Staaten, beispielsweise aus dem Iran, haben ihren Hauptwohnsitz jedoch in Europa. Einige besitzen bereits eine Ferienimmobilie an der Côte d’Azur oder in einem anderen südeuropäischen Zweitwohnsitzmarkt und möchten zusätzlich in eine wertstabile Immobilie in einem bevorzugten Skigebiet investieren. Diese Kunden suchen meistens eine richtige ‚Vorzeige-Immobilie‘“, verrät Crespí. Kunden aus Russland hingegen würden hauptsächlich Mietobjekte nachfragen.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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