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Rund um den Globus

Nicht nur im Urlaub, sondern auch beim Wohnen verhalten sich die Deutschen wie Vogelschwärme; London und Paris sind Geisterstädte; Beton schwimmt, und im Vergleich zu Helsinki wächst Wien langsam.

Die Deutschen schwärmen aus

Junge Deutsche zeigen ein interessantes Verhaltensmuster, was ihre Wohnwünsche betrifft. Regelrecht in Schwärmen bewegen sich viele junge Menschen aus bestimmten ländlichen Regionen in die Städte. Im Gegensatz zu früher verteilt sich die Bevölkerung allerdings nicht mehr großräumig um, etwa von Ost nach West, sondern kleinräumiger, wie eine Studie des Empirica-Instituts zeigt, wobei Berlin und München aus ganz Deutschland „angeflogen“ werden. Am stärksten von diesem Schwarmverhalten profitieren Leipzig, München und Frankfurt/Main.

Der Nachteil: Im Gegensatz dazu leeren sich weniger beliebte Städte und vornehmlich Landkreise. Vor allem in den neuen Bundesländern ist diese Entwicklung besonders stark zu spüren.

Helsinki – 40 % mehr Einwohner

Sie glauben, Wien sei eine schnell wachsende Stadt? Nichts gegen Helsinki. Die Prognosen gehen davon aus, dass bis 2050 die Bevölkerung der finnischen Hauptstadt von derzeit 600.000 auf 860.000 (mehr als 40 %!) und im Großraum Helsinki von heute 1.400.000 auf mehr als 1.800.000 Einwohner anwachsen wird. Helsinki dehnt daher seine Wohngebiete in der Innenstadt erheblich aus – auf Land, das zuvor von der Industrie und für den Hafenbetrieb genutzt wurde. Viele der größten urbanen Entwicklungsprojekte Europas finden derzeit in Helsinki statt. Das Marktvolumen für Immobilienanlagen hat in rasantem Tempo zugenommen, angetrieben durch einen außergewöhnlichen Zufluss an Kapital. Finnland ist – dank seiner Nachhaltigkeit und des Bevölkerungswachstums – ein interessanter Markt für ausländische Investoren. Ende August betrug das Transaktionsvolumen in Finnland mehr als drei Milliarden Euro.

Berlin konkurrenzlos günstig für Studenten

Für Studierende ist Berlin sozusagen das Mekka. Savills hat nämlich beim Vergleich von 22 akademischen Zentren weltweit herausgefunden, dass es sich in Berlin am günstigsten studieren lässt. Einschließlich eventueller Studiengebühren kommt man in der deutschen Hauptstadt mit umgerechnet 1.000 Dollar pro Monat aus. Das ist ein Schnäppchen im Vergleich zu Boston, wo man mit rund 5.500 Dollar im Monat rechnen muss! Bei den Preisen schlagen sich natürlich nicht nur die Mieten, sondern vor allem die Kosten für den Universitätsbesuch zu Buche. Entscheidend ist nämlich, ob man die Universitäten gratis besuchen kann, wie in Berlin, oder – wie in den USA – im Schnitt zwischen 3.100 und 3.700 Dollar im Monat zahlen muss. Das wird letztendlich über Kredite finanziert und führt am Ende dazu, dass diejenigen, die fertig studiert haben, bereits mit einem enormen Kredit ins Berufsleben einsteigen.

Beton geht schwimmen

Beton schwimmt – und das sogar recht gut. Wie gut, wurde wieder einmal im Sommer bei der seit 1986 stattfindenden deutschen Betonkanu-Regatta in Brandenburg an der Havel bewiesen. Mehr als 1.000 Studierende aus rund 50 europäischen technischen Universitäten traten in diesem einzigartigen Wettbewerb an. Die Regatta wurde in zwei Klassen ausgetragen. In der Wettkampfklasse waren leichte und gleichzeitig robuste Kanus mit Wanddicken von wenigen Millimetern gefragt. In der offenen Wettkampfklasse konnte mit originellen und kreativ gestalteten Booten überzeugt werden. Insgesamt wurden 71 selbstgebaute Rennkanus und 13 fantasievolle Wasserfahrzeuge der offenen Klasse zu Wasser gelassen.

Das leichteste Beton-Kanu kam übrigens aus … Österreich. Das Team der TU Graz erhielt für das nur 16,65 Kilogramm leichte Boot einen Spezialpreis.

In der offenen Klasse erreichte die FH Kärnten, Spittal an der Drau, den 2. Platz. Fast 2,5 Tonnen bringt das kreative Wasserfahrzeug Typ Dumper der Fachhochschule Kärnten auf das Wasser. Die „RS Anaconda“ ist einem Baugerät nachempfunden, das schwimmfähig und über einen Schaufelradantrieb manövrierbar ist. Alle Teile sind aus Beton hergestellt, nur Gestänge, Ketten und Pedale für den Antrieb sind aus Metall. Die archaische Konstruktion im Wechselspiel mit filigranen Details überzeugte bei der Beurteilung.

London, Paris, Stuttgart – europäische Geisterstädte

China ist bekannt für seine Plagiate. Das betrifft nicht nur Elektronik, sondern auch ganze Städte und Stadtteile. Der österreichische Ort Hallstadt wurde 2012 als Luxusviertel der Kreisstadt Boluo in der Provinz Guangdong eröffnet. Das ist jedoch kein Einzelfall. Man kann in China auch in anderen „europäischen Städten“ wohnen.

Little London oder auch Thames Town ist der Name eines 2006 eröffneten, einen Quadratkilometer großen Stadtteils der Satellitenstadt Songjiang, etwa 30 Kilometer vom Zentrum Shanghais entfernt. Außerhalb von Hangzhou in der Provinz Zhejiang gibt es seit 2007 eine Stadt, die Paris nachempfunden ist, inklusive einem 108 Meter hohen Eiffelturm. Aber ganz so rund läuft die Sache nicht: Statt der geplanten 100.000 Einwohner leben bis dato nur knappe 4.000 hier. Ähnliche Bevölkerungsprobleme gibt es in „Hallstadt“ und „London“. Auch deutsche Städte ziehen nicht: In einem Neubaugebiet in einem Vorort von Shanghai, das sich am deutschen Stuttgart orientiert, herrscht Tristesse. Die meisten Wohnungen wurden zwar verkauft, dienen aber offenbar nur als Spekulationsobjekte. Bezogen wurden sie jedenfalls nicht. Von den geplanten 50.000 Menschen lebt nur ein Bruchteil hier.

Gelernt hat man nicht viel daraus, denn jetzt soll in Changde, einer Provinzstadt mit rund sechs Millionen Einwohnern, wieder ein deutsches Viertel entstehen, für das Hannover als Vorbild dient.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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