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Erstes Earthship in Deutschland gelandet!

Die Earthships verbinden nachhaltiges Wohnen mit dem Recyclinggedanken, dem Wunsch nach vollkommener Autarkie sowie dem Luxus zeitgemäßen Wohnens. Seit 2006 werden jährlich rund 2.000 Earthships gebaut. Nun entsteht das erste in Deutschland.

Die Immobilien-Redaktion hat schon über {{article_open::625}}Earthships{{link_close}} berichtet, die statt mit Ziegeln und Steinen aus recycelten Materialien wie Autoreifen, Dosen oder Flaschen gebaut werden. Das Passiv-Gebäude ist ein in sich geschlossenes, völlig autark funktionierendes System, das sowohl Strom als auch Zu- und Abwasser selbst produziert und für dessen Zu- und Ableitung sorgt.

Earthship am Schloss Tempelhof

In Schloss Tempelhof bei Kreßberg– zwischen Nürnberg und Stuttgart– entsteht das erste genehmigte „Earthship“ in Deutschland. Ende September startet die Gemeinschaft Schloss Tempelhof den Bau in Zusammenarbeit mit dem Earthship-Gründer Michael Reynolds. Das „Earthship“ soll Inspiration für alternative, ökologische Bauprojekte in Deutschland sein.

Weltweit wurden bereits hunderte Earthships gebaut. Eine Realisierung in Deutschland war bisher am Baurecht gescheitert. Durch intensive Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden konnte die Gemeinschaft Tempelhof in diesem Jahr eine Genehmigung erwirken, so dass die Pionierarbeit beginnen kann. „Mit energetischer Autarkie und radikal nachhaltigem Bauen setzt das Projekt Maßstäbe“, so Roman Huber, Vorstand der Stiftung Schloss Tempelhof und Bauherr. „Wir wollen Leben und Lernen verbinden.“

Der Aufbau des Earthships

Das lehmverputzte Haus wird passiv durch Solarwärme geheizt. Gebrauchte Autoreifen dienen, aufgeschichtet und mit Erde gefüllt, als Wand und thermaler Speicher. Die elektrische Energie wird durch Photovoltaik erzeugt und der Strom in Batterien gespeichert. Die Räume werden im Sommer durch Kamineffekte mit Lüftungsfenstern und Ventilationsschächten klimatisiert. Die der Sonne zugewandte Fassade des Earthships ist vollständig verglast und beherbergt das innen liegende Gewächshaus, das die Luft mit Sauerstoff und Wasserdampf anreichert. Gleichzeitig wird hier das Grauwasser gefiltert. Gedacht ist hier an den Anbau von Kräutern, Gemüse und Obst.

Geplant ist das Earthship als Teil eines Wohnkomplexes. Es soll Küche, Duschen, Toiletten und Wohn- und Esszimmer für 25 Menschen bieten. Deren individuelle „Zimmer“ werden als Bauwagen und Jurten hufeisenförmig um das Earthship als Haupthaus stehen.

Die Kosten belaufen sich auf 298.500 Euro. Zwei Drittel bringt die Gemeinschaft Tempelhof auf, ein Drittel soll aus Spenden finanziert werden.

„Reallabor“ für ökologisches Bauen

Die Entstehung des Earthships soll während des Bauprozesses von Vorträgen, Blogs und Schulungen für interessierte Bauherren und Handwerker begleitet werden. Später soll das Earthship für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Das Projekt wird im Rahmen einer Masterarbeit wissenschaftlich begleitet. Die gesammelten Daten über die Erstellung und den Betrieb des Gebäudes sollen in den Bau weiter entwickelter, vollautarker und mitteleuropäischen Verhältnissen angepasster Earthships einfließen und frei verfügbar gemacht werden.

Die bauphysikalische Umsetzung des Gebäudes wird von Architekt Ralf Müller im Rahmen seiner Masterarbeit an der Uni Stuttgart, Lehrstuhl für Bauphysik, in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut wissenschaftlich begleitet. Die gewonnenen Daten sollen in die künftige Entwicklung fortschrittlicher, autarker Earthships einfließen.

Durch das Zusammenwirken des Earthship-Visionärs Michael Reynolds, Earthship Biotecture USA, wird Schloss Tempelhof nun zum „Reallabor“ für ökologisches Bauen.

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Über den Autor

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Dieter D. Kendler

Dieter D. Kendler hat Philosophie und Psychologie an der Universität Wien und Berlin studiert. Während seines Studiums arbeitete er in einer Privatdetektei und einer Hausverwaltung. Aus dieser Kombination entspringt auch seine Vorliebe für Journalismus und Immobilien. Er lebt derzeit in Bielefeld und ist selbständiger Journalist. In seinen Texten behandelt er vorwiegend philosophische, psychologische und wissenschaftliche Themen – und ab und zu auch immobilienspezifische.

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