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Ein Hektar Land gratis

Ein Drittel der russischen Staatsfläche ist faktisch nicht oder nur sehr dünn besiedelt. Auf einen Quadratkilometer kommt lediglich ein Einwohner. Mit einer Initiative möchte der Staat diese Region jetzt entwickeln und schafft damit noch einen weiteren Vorteil.

„Die Fläche ist riesig, Menschen gibt es wenige“ – so ist die Region „Ferner Osten“ in Russland am besten umschrieben. Der ferne Osten ist einer von acht Föderationskreisen Russlands mit einer Fläche von mehr 6,2 Millionen Quadratkilometern, was rund ein Drittel der gesamten Staatsfläche ausmacht. Diese Region ist ein riesiges, aber gleichzeitig auch eines der am dünnsten besiedelten Gebiete der Erde. Leidglich sechseinhalb Millionen Einwohner leben in diesen unendlichen Weiten. Das heißt, dass ein Einwohner auf rund einen Quadratkilometer kommt.

Ein Gratis-Hektar Land

Mit dem Gesetz „Über die Besonderheit der Vergabe von Bodengrundstücken an Bürger im Föderationskreis Ferner Osten“ – im Volk kurz „Fernöstliches Hektar Land“ genannt – soll dieser Landstrich mit seinen Ressourcen künftig belebt und sinnvoll genutzt werden. Kurz und gut: Es soll für jeden Interessenten ein Hektar Land „im fernen Osten“ auf Lebenszeit geben. Gratis.

Gesetz und Kontrolle

Laut Gesetz wird das Grundstück aus staatlichem oder Gemeindeeigentum mit seinen 10.000 Quadratmetern den Bewerbern – Familien oder einzelnen Menschen – für fünf Jahre zur Nutzung überlassen. Der Interessent muss allerdings nach drei Jahren Rechenschaft darüber ablegen, wie er dieses Land nutzt. Wird es nämlich nicht bewirtschaftet, so ist der Bürger oder die Bürgerin verpflichtet, es wieder an den Staat zurückzugeben. Fällt die Überprüfung positiv aus und das Land wird gut gepflegt, kann es nach fünf Jahren vom Staat ins Eigentum übertragen oder zur Pacht überlassen werden.

Im Gegensatz zu früheren Gesetzen, mit denen russischen Bürgern und Bürgerinnen steuerfrei Grund für den Gemüseanbau zur Verfügung gestellt wurde, gibt es im fernen Osten auch die Möglichkeit, ein Haus auf diesem Stück Land zu errichten.

Am 1. Februar 2017 offizieller Start

Am 1. Juni 2016 startete das Projekt, und zwar vorerst nur in Pilotgebieten und nur für Bewohner des fernen Ostens. Die Aktion war jedoch dermaßen erfolgreich, dass seit dem 1. Februar 2017 alle Bürger Russlands die Möglichkeit haben, ein Hektar Land im fernen Osten in Nutzung – und in weiterer Folge ins Eigentum – zu übernehmen.

Vorteil für den Staat

Mit dieser Aktion werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Einerseits soll die entlegene und spärlich besiedelte Region Russlands mehr Einwohner bekommen und damit auch für wirtschaftlichen Aufschwung sorgen. Andererseits geht es bei der Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe auch darum, den Staat von Lebensmittelimporten aus dem Ausland unabhängig zu machen. Gefördert werden nämlich auch kleine Agrar- und Forstwirtschaftsunternehmen. Auch gehen die Verantwortlichen davon aus, dass zahlreiche neue und kreative Ideen im Bereich Land- und Forstwirtschaft von den (künftigen) Eigentümern umgesetzt werden.

Großes Interesse bei jungen Menschen

Das Interesse für diese herausfordernde Aufgabe ist relativ groß. Über acht Millionen russische Staatsbürger haben sich gemeldet, die ab dem 1. Februar zu starten bereit sind. Vor allem jüngere Menschen zwischen 18 und 24 Jahren sollen an dieser einmaligen Chance interessiert sein. Die russischen Behörden sind allerdings realistisch. So weiß man, dass erst die Praxis beziehungsweise die Jahre zeigen werden, ob das System wie geplant funktioniert.

Aber eine sinnvolle Idee ist es allemal.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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