Post

Dubai – die Superlative-City?

Die Zeiten, als Dubai noch eine Siedlung von Perlentauchern und Fischern war, sind schon lange vorbei. Heute verbindet man eher Ausdrücke wie „Superlative-City“ oder „Boomtown“ mit ihr, doch langsam stellt sich die Frage, ob diese noch adäquat sind.

Dubai galt lange Zeit als die Stadt, in der sich alle Immobilienwünsche erfüllen lassen, die sich in den schillerndsten Bauten manifestieren. Generell ist die Metropole bekannt für ihre vielen spektakulären Bauprojekte, die oft aber auch ein hohes Spekulationspotenzial beinhalten. Der bisherige Bauboom profitierte nicht von der staatlichen Förderung, sondern eher von privaten Investoren, die über Immobilienfonds meistens breit gestreut waren. Des Weiteren gibt es bis heute wenige Bauvorschriften, was Projekte wie beispielsweise das segelförmige Hotel Burj al Arab schnell durchführen ließ.

Dazu gesellen sich auch unglaubliche Wohnprojekte, Siebensternhotels, eine riesige Mall mit fast einer Million Quadratmeter Verkaufsfläche oder auch die künstliche Inselgruppe, die als „the world“ bekannt ist. Damit die Dubaier auch den Schnee und den Pistenspaß nicht missen müssen, wurde eine Skihalle errichtet, in der es konstant vier Grad minus hat. Außerdem schneit es darin jede Nacht, damit die Skifahrer und Snowboarder immer ideale Pistenverhältnisse vorfinden, während es außerhalb der Skihalle– nämlich in der Wüste– um die 45 Grad hat.

Des Weiteren verfügt Dubai seit 4. Jänner 2010 offiziell über das höchste Gebäude der Welt– den Burj Chalifa. Der unter dem ursprünglichen Namen Burj Dubai gebaute Turm soll zirka zwei Milliarden Dollar gekostet haben und wurde in nur sechs Jahren errichtet. Er ist nun 828 Meter hoch (mit Spitze 830 Meter) und stellt definitiv eine technische Meisterleistung dar, da auf den letzten 200 Metern sogar Fertigelemente aus Stahlbeton auf den Turm gehievt werden mussten. Heute befinden sich auf den insgesamt 163 nutzbaren Etagen ein Hotel sowie zahlreiche Büros und Suiten.

Der Burj Chalifa ist das neueste Wahrzeichen der Stadt und kann bei guter Sicht sogar aus 100 Kilometern Entfernung gesehen werden. Diese Bauprojekte zeigen, wie prunkvoll sich Dubai darstellen möchte, und unterstreichen den Gedanken, dass nichts unmöglich zu sein scheint. Auch weiterhin verfügt die Stadt über hohe Fertigstellungszahlen von neuen Büro-, Shopping- und Wohnflächen und lässt die Preise unter Druck bleiben. Allerdings stehen auch viele Areale noch immer oder schon wieder frei; so sind es bei Büroflächen in Downtown bereits 12% und in ganz Dubai rund 38%, die nicht genutzt werden. Das gleiche Phänomen kann auch bei Shoppingcentern beobachtet werden, denn obwohl bis 2013 keine neuen Flächen in diesem Segment mehr vorgesehen sind, sind nun auch die letzten in Bau befindlichen Center fertiggestellt und erhöhen das Angebot.

Potenzielle Käufer haben zunehmend Angst, da es kaum Transaktionen gibt, und dies wirkt sich auch auf den Markt der Eigentumswohnungen oder Ferienhäuser aus. Deswegen sind die Preise für Eigenheime nach dem Hoch 2008 um zirka 50% gefallen und es kann ein weiterer Rückgang um 20% angenommen werden. Diese Zahlen belegen, dass der glorreiche Burj Chalifa zwar steht und das Zentrum des Stadtentwicklungsgebietes Downtown darstellt, die Stadt aber noch lange nicht fertig ist. Die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt ist vor allem auf die häufigen „Off plan“-Käufe zurückzuführen. Das heißt, dass die ursprünglichen Käufer ihre Anteile nicht behielten, sondern weiterverkauften, wodurch sich der Wert der Immobilien bereits vervielfachte, bevor sie überhaupt gebaut wurden. Laut Marktkennern wurden bis zu 80% der Käufe mit dieser Form der Spekulation abgewickelt und viele Projekte mussten demnach auch eingestellt werden– und werden aktuell– Stand: Ende 2010– nicht weitergebaut.

Allerdings soll alleine durch diejenigen, die fertig gestellt werden der Bürobestand bis 2012 um rund 50 Prozent zunehmen. Wer diese Büros beziehen soll ist unklar, denn die Mietnachfrage ist weiterhin flau. Um die Krise zu überwinden, braucht es neue Konzepte, damit die zahlreichen begonnenen und halbfertigen Projekte doch noch zu einem Ende gebracht werden können. Deswegen ist auch die Vergabe öffentlicher Bauten wie Kraftwerke, Kläranlagen, Krankenhäuser, Schulen, Straßen oder Brücken sehr wichtig für die Branche, die sich gerade umorientieren muss. In den nächsten Jahren sollte sich Dubai eher auf nüchterne Architektur besinnen statt weitere Prestigebauten zu realisieren– denn das Zentrum steht ohne Stadt ganz schön glanzlos da.

  • bewerten
  • Sags weiter:

Über den Autor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

*