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Die teuersten Gebäude der Welt

Wer das höchste Gebäude der Welt besitzt, ist stolz darauf. Bei den Kosten verhält sich das schon etwas anders. Viele prahlen damit, dass sie bei den teuersten Immobilien dabei sind, einige wenige müssen es zähneknirschend zur Kenntnis nehmen.

Da haben sie sich aber ordentlich verkalkuliert! Bei der ersten Kostenrechnung wurden 77 Millionen Euro für die Elbphilharmonie in Hamburg veranschlagt. Weit daneben. Letztendlich kam das Bauwerk dann doch auf 866 Millionen Euro. Berichten zufolge könnte die Gesamtsumme sogar noch höher liegen, da die Kosten für Luxuswohnungen, die noch nicht verkauft wurden, nicht enthalten sind.

Ein klassischer Konkursfall

Ein kleines Beispiel, um das Drama etwas zu veranschaulichen: Ein Häuslbauer hätte für ein auf 320.000 Euro veranschlagtes Haus dann etwa 3,5 Millionen Euro hingelegt, und für ihn hätte das im klassischen Konkurs geendet. Wobei vermutlich keine Bank einer Überziehung des Kredits von 900 Prozent tatenlos zugesehen hätte. Für die Hansestadt war es aber kein Problem, denn immerhin stehen nicht die Verantwortlichen dafür gerade, sondern die Steuerzahler. Dafür ist aber Hamburg seit 2017 um eine Sehenswürdigkeit reicher – und um eines der teuersten Gebäude der Welt. Daher ist man wohl in der Stadtverwaltung stolz auf das Projekt, wenn auch nicht auf den Preis. Aber was soll man jetzt tun? Man ist dabei.

Zu den teuersten, also den wirklich teuersten Immobilien gehört die Elbphilharmonie allerdings nicht. Da gibt es noch ganz andere Kaliber.

Start bei einer Milliarde Dollar

Die Reihung der „Teuersten Gebäude der Welt“ beginnt überschlagsmäßig bei rund einer Milliarde Dollar aufwärts. Nimmt man den aktuellen Wechselkurs zum Euro, so geht sich das für die Elbphilharmonie knapp aus. Wobei die teuersten Gebäude der Welt nicht unbedingt mit der Höhe zu tun haben. Sonst wäre der Burj Khalifa in Dubai mit seinen 828 Metern an der Spitze. Aber der derzeit höchste Turm der Welt hat lediglich 1,5 Milliarden Dollar gekostet. Er gehört zwar zu den teuersten Gebäuden der Welt, ist aber definitiv nicht unter den Top Ten zu finden. Das teuerste Gebäude der Welt findet sich aber trotzdem auf der arabischen Halbinsel.

Mammon für Gott

Es handelt sich dabei um die Moschee Al-Masdschid al-Harām in Mekka. Sie ist nicht nur die wichtigste Moschee des Islam, sondern auch die größte der Welt und beherbergt in ihrem Inneren das Zentralheiligtum des Islam, die Kaaba. Derzeit finden rund 820.000 Gläubige an der heiligen Stätte Platz, nach dem aktuellen Umbau sollen es rund 1,2 Millionen Menschen sein. Nach der Erweiterung sollen sagenhafte 100 Milliarden Dollar in dem Bauwerk stecken – finanziert von zahlreichen gottgläubigen Gönnern. So gesehen ist die Moschee ja nicht einmal teuer, wenn rund 1,2 Millionen Menschen darin Platz finden. Rechnet man das auf eine europäische Großstadt um, sind die Kosten geradezu minimal.

Allerdings wird die Moschee nur einmal im Jahr von so vielen Menschen gleichzeitig bevölkert. Der Hadsch, die fünftägige Pilgerfahrt nach Mekka, ist für viele Muslime der religiöse Höhepunkt des Jahres, und jeder muss zumindest einmal in seinem Leben in Mekka gewesen sein.

Nur einen Steinwurf entfernt

Das nächstteuerste Gebäude der Welt ist nur einen Steinwurf entfernt: die Abraj Al Bait Towers. Die Hochhausgruppe mit dem zentralen Wolkenkratzer, dem Mecca Royal Clock Tower Hotel mit der größten Uhr der Welt, steht direkt neben der Heiligen Moschee. Das Hotel ist dafür ausgerichtet, den muslimischen Pilgern, die nach Mekka kommen, ein Dach über dem Kopf zu bieten. Und da das nicht wenige sind, muss auch das Hotel entsprechend groß konzipiert sein. Der Gebäudekomplex besteht aus sieben Türmen und hat rund eine Million Quadratmeter Nutzfläche. Bei Vollbelegung der knapp 900 Suiten und weiteren Hotelräume können etwa 30.000 Menschen untergebracht werden. Außer den Hotelzimmern befinden sich unter anderem noch 4.000 Geschäfte in dem Riesenkomplex.

Die Kunst der reibungslosen Abwicklung

Neben all dieser Gigantomanie und der Technik ist die logistische Bewirtschaftung beeindruckend. Auf der Fläche von einem Promille einer typischen Kleinstadt mit der gleichen Bevölkerungszahl soll eine reibungslose Abwicklung gewährleistet werden – inklusive Versorgung, Infrastruktur, Strom und Abwasserregulierung. Überhaupt ist es nicht einmal die Größe der gigantischen Bauten, die für die Betreiber eine Herausforderung darstellt, sondern die Bewirtschaftung.

Der beliebteste Teil von Mekka

Aber sie wird bei den Abraj Al Bait Towers bestens bewältigt, denn laut unabhängigen Gästebewertungen ist der Hotelkomplex der beliebteste Teil von Mekka. Womit sich die Frage stellt, ob die Pilger wegen der Moschee oder wegen des Hotels nach Mekka kommen? Aber die Kosten von 15 Milliarden Dollar waren es wohl wert.

Baden auf höchstem Niveau

Fast zehn Milliarden Dollar günstiger war der dritte Platz. 5,5 Milliarden hat der Gebäudekomplex Marina Bay Sands in Singapur gekostet. Die drei Türme mit jeweils 55 Stockwerken werden als gemeinsamer Komplex gehandelt. Der Grund ist ein 340 Meter langer Dachgarten in luftiger Höhe, der die drei Bauwerke miteinander verbindet. Im 1,2 Hektar großen Sands SkyPark können die Besucher in knapp 200 Metern Höhe zwischen 250 Bäumen und 650 Pflanzen flanieren – und baden: Ein 146 Meter langer Infinity-Pool – der größte der Welt – lässt die Illusion erzeugen, man würde direkt im Himmel schwimmen oder könnte den zumindest erreichen. 

Gebäude für die Volkswirtschaft

Da der Komplex ein Casino beherbergt, sind die Betriebskosten zumindest schon einmal zum Teil gedeckt. Es ist klar, wer hier die Zeche zahlt – der Casino-Gast. 600 Tische und 2.500 einarmige Banditen sorgen für einen steten Geldfluss. Der bringt dem Resort jährlich bei einem Umsatz von 3,2 Milliarden Dollar einen Gewinn von 1,7 Milliarden. Mit den Einnahmen lässt sich nicht nur der Betrieb erhalten, sondern das Marina Bay Sands trägt auch knapp ein Prozent zur Volkswirtschaft des Stadtstaates Singapur bei.

Ein geschichtsträchtiger Platz

Weniger spektakulär in seiner Ausführung, aber dafür auf einem geschichtsträchtigen Platz findet sich unter den teuersten Gebäuden der Welt mit 3,5 Milliarden Dollar Kosten das erste Bürohaus: das One World Trade Center. Errichtet wurde es auf dem Ground Zero, wo einst die beiden Türme des World Trade Center standen, die im September 2001 durch einen Terroranschlag zerstört wurden. Ursprünglich hieß das Gebäude Freedom Tower, wurde jedoch später aus Vermarktungsgründen umbenannt. Es ist mit 524 Metern das höchste Gebäude in New York. Die Höhe wurde nicht zufällig gewählt, denn dies entspricht 1.776 Fuß. Im Jahr 1776 erfolgte die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. So wie damals soll das Gebäude ein Statement für die Einheit und die Größe der Nation sein.

Apple – dem Unternehmen ist nichts zu teuer

Dass ein teures Gebäude nicht hoch sein muss, beweisen einige sehr außergewöhnliche Objekte wie Krankenhäuser, Sportstätten oder der Firmensitz von Apple. Dieser befindet sich in einem riesigen ringförmigen Gebäude mitten im Silicon Valley. Das Gebäude hat einen Durchmesser von 461 Metern und soll rund viereinhalb Milliarden Dollar gekostet haben. Dafür gibt es aber innerhalb des Bürorings – der übrigens alle technischen Stückerln spielt – auch einen zwölf Hektar großen Park zur Entspannung. Nur zum Vergleich: Der Wiener Stadtpark ist rund sechs Hektar groß. Eine Herausforderung war für den Technikgiganten allerdings der Umzug. Die über 12.000 Mitarbeiter benötigten rund sechs Monate, um vom alten Stammsitz in das neue Firmengelände zu übersiedeln.

Sportstätten und …

Mit jeweils 1,5 Milliarden Dollar Kosten sind das Yankee Stadium in der New Yorker Bronx und das Wembley Stadium im Londoner Stadtbezirk Brent die beiden teuersten Stadien der Welt. Sie repräsentieren auch den jeweiligen Nationalsport des Landes. In Wembley wird Fußball gespielt, in den USA Baseball. In London ist Platz für 90.000 Zuschauer, im Yankee Stadium für 50.000. Beide Stadien sind Neubauten, und interessanterweise wurden ihre jeweiligen Vorgänger im Jahr 1923 errichtet.

… Krankenhäuser

Während bei der älteren Generation in Österreich noch die AKH-Glocken schrillen, wenn von teuren Krankenhäusern die Rede ist, ist man in der australischen Stadt Adelaide stolz: 2017 wurde hier das teuerste Krankenhaus der Welt eröffnet. 2,1 Milliarden Dollar kostete der Neubau des Royal Adelaide Hospital. Der war auch schon längst fällig, denn das alte Gebäude war bereits 1856 entstanden.

Ein Stück Regenwald

Mit 1,4 Milliarden Dollar ist das CapitaGreen in Singapur unter den teuersten Gebäuden und vermutlich das umweltfreundlichste. Beim CapitaGreen ist mehr als die Hälfte der Fassade mit Grünpflanzen bedeckt. Auf dem Dach des Wolkenkratzers gibt es zusätzlich einenSky Forest. Die dort produzierte kühle Luft wird durch einen zentralen Schacht in die Büros geleitet. Der Nachfolger des Hochhauses in Singapur steht schon in den Startlöchern. Die Basis des neuen Bauwerks ist ein großer öffentlicher Platz mit einem Park, der wie ein Stück Regenwald aussieht. In dem 280-Meter-Turm sind Pflanzen ein fixer Bestandteil, wobei die Architekten weitläufige Räume für die üppige tropische Vegetation auf verschiedenen Höhen entworfen haben. 2021 soll er eröffnet werden.

Antilia – das Einfamilien-Hochhaus

Das Antilia zählt zwar nicht zu den teuersten Gebäuden der Welt, ist aber doch ein Unikat: Es handelt sich hierbei nämlich um ein Einfamilien-Hochhaus. Es gehört dem indischen Milliardär Mukesh Ambani. Die Spekulationen über die Baukosten bewegen sich zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar. Das ist natürlich bei einem Hochhaus mit 27 Stockwerken und 37.000 Quadratmetern Wohnfläche sowie jeder Art von Extravaganzen schwer zu schätzen. Aber egal, welchen Kostenrahmen man für das Gebäude veranschlagt, es ist definitiv das teuerste „Wohnhaus“ der Welt. Der indische Geschäftsmann hat im Herzen der Finanzmetropole Mumbai für sich und seine Familie einen Wolkenkratzer errichten lassen. Der Komplex verfügt unter anderem über ein sechsstöckiges Parkhaus, drei Hubschrauberlandeplätze, einen Spa-Bereich, Schwimmbäder, ein Kino, einen Tempel und eine Bibliothek. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern bewohnt Mukesh Ambani die oberen vier Etagen. Und da die Dame des Hauses die 27 Stockwerke nicht alleine in Schuss hält, ist in den unteren Stockwerken das Personal untergebracht – laut Medienberichten mehrere hundert Menschen.

Auf eigene Kosten

Immerhin hat der Eigentümer nicht die Steuerzahler damit belastet, sondern nur seine eigene Brieftasche. Für Mukesh Ambani keine große Sache. Er ist unter anderem Vorstandsvorsitzender der Petrochemiefirma Reliance Industries. Mit einem Vermögen von fast 45 Milliarden Dollar steht Ambani 2018 ganz oben auf der Liste der reichsten Menschen der Welt des „Forbes Magazine“.

Leistbares Wohnen für (fast) jeden

Es gibt kaum jemanden, der sich ein so teures Monster in der Top-Liga auch leisten kann. Darin wohnen ist allerdings vielen möglich. Sind doch einige Hotels unter den Top Ten. Vom Cosmopolitan, Las Vegas (3,1 Milliarden Euro), bis hin zum eher günstigen City of Dreams Casino in Macau. Um 1,9 Milliarden Euro wurden ein 1.400-Betten-Hotel, ein Einkaufszentrum und … natürlich ein Casino hingestellt. Ab 220 Dollar pro Zimmer und Nacht ist man schon dabei.

Und Europa?

In Europa steht mit „The Shard“ in London nicht nur das höchste Gebäude der EU, sondern auch das teuerste. Für den Bau der Glaspyramide mussten die Engländer jedoch tief in die Taschen greifen. Der Wolkenkratzer kostete stolze 1,9 Milliarden Dollar. Bezeichnenderweise gehört auch der Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main zu den teuersten Bauwerken Europas. Dabei beliefen sich die ursprünglichen Preisvorstellungen der EZB Daumen mal Pi auf 600 bis 700 Millionen Euro. Die Kosten des EZB-Hauses betrugen letztendlich aber 1,3 Millionen Euro, also rund 1,5 Milliarden Dollar. Die Mehrkosten übernimmt in dem Fall nicht eine Stadt, sondern gleich ein ganzer Kontinent.

Europa vs. USA

Mittendrin in den teuersten Gebäuden auf unserem Kontinent: die Elbphilharmonie. Damit wären wir wieder beim Ausgangspunkt unserer Reise. Und noch ein kleines Gedankenexperiment: Hätte der One World Trade Tower die Kosten so überzogen, wie es bei der Elbphilharmonie geschah, dann wäre das Gebäude mit 35 Milliarden Dollar vielleicht das zweitteuerste der Welt. „Vielleicht“ deshalb, weil es vermutlich unter solchen Umständen in den USA gar nicht gebaut worden wäre.

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Über den Autor

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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