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Crazy Houses

Außergewöhnliche Häuser kennen wir langsam schon zur Genüge– aber gerade deswegen ist es bemerkenswert, wie viele Gebäude weiterhin entstehen, die uns in Staunen versetzen. Allerdings passt zu diesen Bauwerken die Bezeichnung „crazy“ fast schon besser, denn die dahinterstehenden Ideen sind wirklich verrückt: ein Auto-Museum „ohne“ Autos, ein Gebäude in Form eines Pianos, das aber nichts mit Musik zu tun hat, oder ein Restaurant in den Baumwipfeln ohne echten Baum. Die „crazy houses“ sehen zwar von außen so aus, als ob deren Nutzung offensichtlich wäre, jedoch wird man dabei recht schnell eines Besseren belehrt.

Da wundert einen dann langsam (fast) gar nichts mehr, und die Architektur zeigt ein weiteres Mal, wie viel oder wie wenig Aussagekraft und Bedeutungszuschreibung sie bieten kann.

Wo die Herzen der Auto-Fans höherschlagen

Im Ferrari-Museum dreht sich alles um die Nobelmarke und die Autos– sollte man denken. Doch in Wahrheit ist das um 18 Millionen Euro umgebaute Museum eine Hommage an Gründer Enzo Ferrari, der in Modena geboren und aufgewachsen ist. Auf rund 5.000 Quadratmetern wird dem mysteriösen Exzentriker gehuldigt, wobei jedoch nur relativ wenige Autos ausgestellt sind. Um die Präsenz Enzo Ferraris zu unterstreichen, gehört zur Ausstellungsfläche auch sein Geburtshaus. Doch das ist nicht das einzige Highlight des Gebäudes: Der für Ferrari (und auch für Modena) typische Gelbton findet sich nämlich auch im Dach wieder, das als besonderer Eyecatcher in Form einer Motorhaube gebaut wurde. Dieses vom tschechischen Stararchitekten Jan Kaplicky konzipierte Dach hätte dem schillernden Ferrari-Erfinder sicherlich gefallen, hatte er doch auch selbst seine Eigenheiten. Wer sich also dem 90-jährig verstorbenen „Commendatore“ nähern oder den Anblick eines außergewöhnlichen Daches genießen möchte, ist im Ferrari-Museum gut aufgehoben.

Kuriosität aus Glas

Mitten in der stark wachsenden Stadt Huainan sticht eine auffällige Kuriosität aus Glas hervor. Das neue Gebäude besteht aus zwei wesentlichen Elementen– einem Piano und einer Violine. Man könnte meinen, dass es sich hierbei um eine Konzerthalle, eine Musikschule oder ein Museum der Musik handelt. Doch weit gefehlt: In dem gläsernen Bauwerk sind Bau- und Stadtpläne zu finden, die das rapide wirtschaftliche Wachstum der chinesischen Region zeigen sollen, es hat somit eigentlich nichts mit Musik zu tun. Auch bei näherer Betrachtung der ländlichen Umgebung findet sich kein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem Glasgebäude und musikalischem Einfluss. In der Anhui-Provinz gibt es zwar die „Huiju“-Oper, allerdings werden keine Instrumente verwendet. Die Idee für dieses Bauwerk hatten Studenten einer technischen Universität in China, die einfach ein Gebäude für Musikliebhaber schaffen wollten, auch ohne tatsächlichen Bezug zu Musik. Die zwei Instrumente bieten zumindest teilweise einen Blick ins Innere– in der Violine befindet sich zum Beispiel die Rolltreppe, die aufgrund der gläsernen Transparenz auch von außen sichtbar ist. Dadurch wirkt das ohnehin schon auffällige Gebäude noch spektakulärer, und das spricht normalerweise dann doch an.

Gesundheit– verpackt in einem Kubus.

Bilbao ist vor allem aufgrund seines Guggenheim-Museums bekannt, jedoch hat seine einzigartige Form Konkurrenz in Form eines edelsteinähnlichen Kubus bekommen. Von außen wirkt das Gebäude sehr futuristisch und nüchtern– im Sinne von klaren Linien und großen Glasflächen. Im Inneren geht es jedoch um das sehr lebensnahe Thema Gesundheit. Es handelt sich bei dem Kubus nämlich um das Gesundheitsministerium der baskischen Stadt, das in dem Bezirk New Town situiert ist. Die außergewöhnliche Fassade besticht mit unterschiedlichsten Aspekten, die je nach Jahres- und Tageszeit bzw. Wetter variabel sind. Die Fläche von 9.200 Quadratmetern verteilt sich auf neun Stockwerke, wo Platz für zahlreiche Büro- und Besprechungsräume sowie ein Auditorium für 150 Personen ist.

Delikate Speisen inmitten von Baumwipfeln

Alle Liebhaber der japanischen, chinesischen, indischen oder thailändischen Küche mit dem Hang zu außergewöhnlichen Locations sollten das „Naha Harbor Diner“ in der japanischen Stadt Okinawa besuchen. Einmal die Treppe um den Baumstamm hinauf oder den Aufzug im Baumstamm nehmen und voilà, schon sind die Besucher im Restaurant inmitten eines Baumwipfels. Dort können delikate Speisen und der Ausblick auf das Meer sowie natürlich das naturverbundene Restaurant selbst genossen werden. Leider gibt es dabei aber einen Haken, denn der Baum ist nicht einfach natürlich gewachsen. Obwohl das Gebilde verblüffend echt aussieht, besteht der Baumstamm aus Beton, der gekonnt mit Braun- und Grüntönen kaschiert wurde. Trotz dieser Ernüchterung ist es sicherlich ein Erlebnis, „inmitten von Baumwipfeln“ zu speisen, und eine witzige Art, Aufmerksamkeit für ein Restaurant zu wecken.

Und Aufmerksamkeit erregen sie alle.

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