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Auch private Investoren blicken über die Grenzen

Landesgrenzen sind für private Investoren längst kein Hemmnis mehr. Investiert wird in alle Assetklassen.

Arnold Immobilien war doch sehr stark im Zinshaus-Segment verankert. Jetzt reicht aber Ihr Tätigkeitsfeld weit darüber hinaus.

Im Interview
Markus Arnold
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Arnold: Gewerbe war zwar immer ein Thema, aber kein Ziel in dieser Dimension. Doch wir merken, wie wichtig das Investmentmakeln geworden ist. Die Mandanten, die nur eine Assetklasse suchen, werden immer weniger. Wir sehen tagtäglich, dass die Investoren auch über die Grenze schauen und ihr Portfolio optimieren und vergrößern wollen. Es werden Immobilien gesucht, die am besten in das Portfolio passen.

Howsepian: Menschen, die Geld auf der Bank haben, wollen investieren. Das ist der Grund, warum wir uns breiter aufstellen. Es gibt am Ende des Tages immer nur DAS Investment, und das muss sich natürlich rechnen, denn Investoren prüfen sehr genau. Der Anlagedruck steigt, daher begleiten wir unsere Investoren auch in neue Märkte und machen ihnen neue Assetklassen wie beispielsweise Gewerbeimmobilien zugänglich.  Denn unsere Kunden haben alles – außer Zeit.

Im Interview
Sewada Howsepian
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Arnold: Tatsächlich ist es eine Frage der Zeit, das ist bei Menschen mit Vermögen noch viel extremer. Wir ersparen daher den Investoren unnötige Wege, indem wir schon im Vorfeld prüfen, für welchen Kunden welche Objekte interessant sein könnten. Man muss bei Gewerbeimmobilien aber auch die Branche dahinter verstehen können. Bei Büro und Retail ist natürlich auch das wirtschaftliche Umfeld eines Landes entscheidend. Ebenso muss man bei einem Hotelinvestment die touristische Situation genau kennen. Das Zusammenspiel aller Faktoren ist wichtig.

Um welche Summe geht es bei den Investments?

Arnold: Das sind meistens Größenordnungen ab rund fünf Millionen Euro. Viele Investoren, vor allem Private, kaufen eher zehn Objekte um fünf Millionen als eines um fünfzig.

Welche Projekte sind gefragt?

Arnold: Es werden fast alle Assetklassen in Erwägung gezogen. Das ist von Investor zu Investor verschieden – je nachdem, welches Nahverhältnis zu einem Segment besteht. Wir haben Privatinvestoren, die sich überlegen, in Garagen zu investieren. Viele wollen kaufen, aber viele wollen auch verkaufen. Es wird mit allen Assetklassen geliebäugelt.

Howsepian: Die Breite ist unglaublich. Neben Retail geht es immer mehr in Richtung Distributions- und Logistikimmobilien. Auch Hotels werden immer interessanter und natürlich Hybridformen, also gemischt genutzte Objekte.

Arnold: Die Investoren sind reifer geworden. Auf der einen Seite werden in Segmenten wie Wohnen die Renditen immer niedriger und auf der anderen Seite gehen die Kunden auf Nummer sicher und setzen ihr Portfolio immer breiter auf. Gewerbe ist tatsächlich nicht so riskant, wie es früher wahrgenommen wurde.

Und in den Ländern Deutschland, Tschechien, Slowakei und Ungarn, wo Arnold Immobilien ebenfalls vertreten ist?

Howsepian: Prinzipiell muss man sagen, wenn Kunden fünf Millionen Euro und mehr in Assets investieren, dann tun sie dies eventuell auch im Ausland, um das Risiko zu diversifizieren. 

Gewerbeimmobilien sind „Commodities“ und funktionieren in den verschiedenen Ländern sehr ähnlich. In den Märkten, in die wir eintreten, wissen wir genau, was gesucht wird.

Arnold: Unabhängig von Österreich sind natürlich auch unsere Nachbarländer gefragt, und dazu gehört mittlerweile auch Italien. Immer interessanter wird auch Spanien oder Portugal. Unser nächster Expansionsschritt wird vermutlich in die beiden letztgenannten Länder sein. Aber den Schritt setzen wir vorsichtig und bewusst, da wir in jedem Land die Qualität bieten wollen, die wir in Österreich haben. In Berlin hatten wir zum Beispiel einen Vorlauf von einem Jahr, bis wir das richtige Team positioniert hatten.

Noch ganz ein anderes Thema: Bratislava wächst immer näher an Wien heran, und einige Menschen ziehen in die slowakische Hauptstadt und pendeln zur Arbeit nach Wien.

Howsepian: Wir kennen auch Käufer, die Wohnungen in Bratislava erwerben und nach Wien pendeln. Mit dem Pkw dauert das eine knappe Stunde. Die slowakische Hauptstadt hat eine ganz andere Preisstruktur und eine hohe Sicherheit. Zudem zählt die Slowakei zu einem der begehrtesten Wirtschaftsstandorte in Europa – allein die letzte große Betriebsansiedelung von Jaguar Land Rover in Nitra ist richtungsweisend.  Man kann in Bratislava für rund 4.500 Euro pro Quadratmeter wirklich tolle Penthäuser bekommen – das ist schon sehr attraktiv. Ich glaube auch, dass sich dieser Trend verstärken könnte.

Arnold: Es hat sich überhaupt sehr viel verändert. Die jungen Menschen in Europa sind heute viel internationaler ausgerichtet und die unter 30-Jährigen kennen keine Grenzen zwischen Ost und West. Sie reisen, sie arbeiten in anderen Städten und sind mobil. Das ist ihnen wichtig.

Wie lange hält der Hype an?

Arnold: Wir sind jetzt am Höhepunkt eines hohen Interesses angelangt. Das gilt immer bis zum nächsten Jahr.

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Über den Autor

wsenk

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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