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Architektur– Spiegel der Gesellschaft
Credits: © HD Architekten

Architektur– Spiegel der Gesellschaft

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Dieter Hayde hat als Architekt nicht nur das Stadtbild von Wien geprägt, sondern auch wirkliche Meilensteine gesetzt. Gemeinsam mit dem Büro Maurer+Partner war er federführend für das erste Passiv-Bürohochhaus der Welt verantwortlich. Weiters wurde mit der „Silbermöwe“ ein generalsanierter Bürogebäudekomplex zum ersten Mal in Österreich mit einem ÖGNI-Zertifikat in Gold ausgezeichnet. Und auch Österreichs erstes Jahrhundertwende-Green-Building im 1.Bezirk ist mit seinem Namen verbunden.

Wir gehen in ein Haus, über eine Brücke, arbeiten in einem Büro– „alles ist Architektur“, meint Dieter Hayde. Freiräume und Stadt. Außer einem Jahr in München zu Beginn seiner Karriere war der Architekt sein Leben lang in Wien tätig. Und das äußerst erfolgreich. Er hat Wien– eine Stadt, die in den vergangenen 25 Jahren erfolgreich zur Metropole avancierte– stilistisch mitgeprägt. Eigentlich schon seit dem Studium, denn bereits 1967 arbeitete er am Institut für Stadtplanung TU-Wien unter Professor Wurzer. „Man sieht Dinge entstehen und hinterlässt sichtbare Spuren in der Stadt, und wenn diese noch halbwegs attraktiv sind, dann macht einen das stolz.“ Zusätzlich hat er einen der wichtigsten Zukunftsaspekte in der Architektur– nämlich die Energieeffizienz– ganz wesentlich mitgeprägt und dabei zwei österreichweite und auch ein weltweites Unikat geschaffen.

Das Besondere am Beruf

Der Wohnbau war und ist immer noch eine große Liebe, wobei „ich auch andere Projekte sehr gerne umsetze. Das ist das Besondere an unserem Beruf, dass wir verschiedene Aufgaben zu lösen haben. Man bleibt dadurch frisch im Kopf, und es erweitert den Horizont.“ Neben dem Wohnbau setzt sein Büro– die HD Architekten– unter anderem auch Verwaltungsgebäude, Hotels, Industriebauten, Einkaufszentren oder Parkgaragen um. Eine Parkgarage war schließlich auch sein erstes eigenes Projekt, das zur Errichtung gelangt ist. Allerdings ist das Gebäude mittlerweile schon wieder abgerissen, denn es musste dem neuen Hauptbahnhof weichen. Die Parkgarage war aber schon „bei ihrer Realisierung als temporäres Objekt geplant“, denn den Stadtverantwortlichen war klar, dass es am damaligen Südbahnhof in der Zukunft zu weitreichenden Veränderungen kommen würde.

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Das Entstehen einer Idee auf einem leeren weißen Papier

„Ganz egal ist es einem ja nicht, wenn ein Projekt abgerissen wird, noch dazu, wenn es das erste war“, meint Hayde, der hinter all seinen Projekten steht: „Es fließt in alle Herzblut hinein, und es steckt sehr viel Arbeit dahinter.“ Er vergleicht das mit Eltern, die gefragt werden, welches ihrer Kinder sie am liebsten haben– die Antwort kann nur lauten: alle. Dafür nimmt er auch Arbeitszeiten von 24 Stunden pro Tag in Kauf, denn letztendlich „arbeite ich ohnehin rund um die Uhr– die Ideen und Lösungen von Problemen begleiten einen.“ Trotz seiner jahrzehntelangen Arbeit als Architekt ist er, der noch mit Reißbrett, Lineal und Aquafix seine Arbeit begann, immer noch beeindruckt von der Transformation eines leeren Papiers zu einem Entwurf: „Das Entstehen einer Idee auf einem leeren weißen Papier hat eine große Faszination. Früher habe ich oft einfach einen Strich auf das Papier gemacht, als ersten Schritt, damit es mir nicht so leer vorkam.“

1973 die Konsequenzen gezogen

Energieeffizienz ist seit Jahrzehnten ein starker Trend, der für Hayde bereits mit der ersten Energiekrise 1973 begann: „Wir haben damals für uns die Konsequenzen gezogen.“ Bis die Entwicklung dann auch wirklich „gegriffen“ hat, sind weitere Jahrzehnte vergangenen, aber jetzt ist der Siegeszug unaufhaltsam. „Beeindruckend ist alles, was sich im Hinblick auf Ökologie entwickelt hat, und da ist noch viel mehr zu machen.“ Der erfahrene Architekt weiß, wovon er spricht, denn er hat in Wien in diesem Zusammenhang Meilensteine gesetzt: Gemeinsam mit dem Büro Maurer+Partner war er federführend für das neue Raiffeisenhaus am Donaukanal verantwortlich– das erste Passiv-Bürohochhaus der Welt! Die „Silbermöwe“, auditiert durch sein Planungsbüro HD Architekten, wurde als erster österreichischer generalsanierter Bürogebäudekomplex mit einem ÖGNI-Zertifikat in Gold ausgezeichnet, und bei Österreichs erstem Jahrhundertwende-Green-Building in der Biberstraße im 1. Bezirk übernahm sein Atelier die Planung und die örtliche Bauaufsicht.

„Man muss allerdings dazusagen“, so der Pionier, „dass auch die Auftraggeber in diesem Bereich sehr viel zum Gelingen beigetragen haben. Ohne entsprechendes Verständnis beim Auftraggeber wären solche Projekte nicht möglich.“ Für die Zukunft wird sich seiner Meinung nach der Energieverbrauch der Immobilien ohnehin gegen null bewegen– vor allem fossile Energie wird kein Thema mehr sein.

Wie wird sich die Gesellschaft entwickeln?

Alternativenergie ist aber nur ein Aspekt künftiger Architektur. Die anderen? Auf dieses Thema lässt sich Hayde nicht gerne ein: „Es gibt sehr viele Dinge, die einem durch den Kopf gehen, und man stellt Überlegungen an, wohin sich etwas entwickeln könnte– damit würde ich mich gerne theoretisch auseinandersetzen. Die Theorie habe ich bisher nur ambulant behandelt.“ Und da gäbe es für ihn viele Überlegungen, die es in Kombination mit der Architektur oder rund um die Architektur wert wären, niedergeschrieben zu werden. „Architektur ist immer nur ein Spiegel der Gesellschaft. Das heißt, was die Architektur hervorbringt, ist durch die Gesellschaft beeinflusst. Daher ist eine der wesentlichsten Fragen: Wie wird sich die Gesellschaft entwickeln? Denn daraus ergeben sich die Notwendigkeiten für die Architektur.“

Neue Ideen und Input

Um sich Zeit für diese Überlegungen zu schaffen, war es ein wesentlicher Schritt, das Atelier Hayde, das mit seinem Namen untrennbar verbunden ist, in HDArchitekten umzuwandeln: „Meine Intention ist es, aus dem Atelier Hayde die partnerschaftlichen HDArchitekten zu machen– mit jungen Kollegen samt neuen Ideen und Input und kombiniert mit meiner Erfahrung.“ Dann hätte er auch Zeit, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Von jemandem mit solchem Engagement darf man sich daher auch in Zukunft noch einiges erwarten: „Alles ist Architektur– alles ist durch die Architektur beeinflusst.“

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Ein Beitrag von:

Walter Senk Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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