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Europas beste Bauten 2015

Bis 29. 8. zeigt das Architekturzentrum Wien – im Rahmen des Mies van der Rohe Award – 420 nominierte Projekte für 279 Orte in ganz Europa.

„Die Entscheidung für die Objekt-Auswahl wurde nur dann wahrgenommen, wenn die Jury auch dort war und das Gebäude besichtigt hat“, betont Dietmar Steiner, Direktor des Architekturzentrum Wien. „Die letzte Gruppe von fünf bis sieben Bauten besichtigt die Jury dann alle gemeinsam. Immer wieder stellt sich dabei heraus, dass ausgewählte Bauten doch nicht so herausragend sind“, so Steiner.

Zur Ausstellung im Architekturzentrum Wien

Alle zwei Jahre stellt das AzW in der Wander-Ausstellung „Europas beste Bauten. Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur. Mies van der Rohe Award“ herausragende visionäre Baukunst aus Europa in den Mittelpunkt und avancierte damit in den vergangenen Jahren zum Publikumsmagneten.

Der renommierteste Architekturpreis Europas

Der European Union Prize for Contemporary Architecture, bis 1998Mies van der Rohe Award for European Architecture, ist einArchitekturpreis, der 1987 von derEuropäischen Kommission, demEuropäischen Parlamentund der Stiftung Mies van der Rohe–Barcelona ins Leben gerufen wurde. Er ist nach dem ArchitektenLudwig Mies van der Rohebenannt.

Zum mittlerweile vierten Mal wird die Ausstellung des Architekturpreises in den Räumlichkeiten des Architekturzentrum Wien gezeigt. Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis ging seit seiner Entstehung 1988 an berühmte ArchitektInnen wie David Chipperfield, Zaha Hadid, Peter Zumthor oder Rem Koolhaas. Um junge Talente am Beginn ihrer Karriere zu fördern, wurde der Preis „Emerging Architect Special Mention“ für ambitionierte und aufstrebende Architektur ins Leben gerufen.

Architektur ist Lebensmittel

„Architektur ist Lebensmittel“, so Dietmar Steiner. Während seine Kollegin Anna Ramos, Direktorin der Mies van der Rohe-Stiftung, den Stellenwert der Architektur in Wien und Österreich positiv bewertet, sieht Steiner das eher kritisch: „Der Beruf des Architekten ist in allen europäischen Ländern in den letzten Jahren in Bezug auf die Arbeits- und Umsetzungsmöglichkeiten sowie den Entscheidungsspielraum immer mehr Einschränkungen unterworfen. Natürlich hat man immer die eigenen Probleme eher im Blick und glaubt, anderswo sei es besser. Das ist aber in Wirklichkeit nicht so. Auch das Berufsbild ist innerhalb Europas sehr unterschiedlich. Wofür ist ein Architekt zuständig? Was darf er tun? Was kann er tun?“

Aus den 420 nominierten Projekten an 279 Orten Europas wurden 2015 fünf FinalistInnen ausgewählt– die hochkarätige internationale Jury unter dem Vorsitz von Cino Zucchi überzeugen konnte schließlich die Philharmonie in Stettin, Polen, vom Architekturbüro Barozzi/Veiga. Der begehrte Nachwuchs-Preis „Emerging Architect Special Mention“ wurde an das Büro ARQUITECTURA-G für das Haus Luz in Cilleros, Spanien, verliehen.

Zwei Preisträger

Die Philharmonie Stettin in Stettin, Polen, wurde letztlich als Preisträger ausgewählt. Die Architekten: Barozzi/Veiga, Fabrizio Barozzi (IT) und Alberto Veiga (ES).

Als Begründung wurde folgendes Statement der Jury veröffentlicht:

Das neue Gebäude der Philharmonie beherbergt einen für 1.000 BesucherInnen ausgelegten Saal für symphonische Musik, einen Kammermusiksaal für 200 Personen, einen multifunktionalen Raum für Ausstellungen und Konferenzen sowie ein weitläufiges Foyer. Die von innen erleuchtete Glasfassade erlaubt unterschiedlichste Eindrücke und lässt das Bauwerk als Lichtelement erstrahlen. Die Strenge des äußeren Erscheinungsbildes und die Schlichtheit im Inneren kontrastieren mit der Expressivität der großen Halle und dem mit Blattgold geschmückten Konzertsaal. Der Grundriss wird durch einen umlaufenden Ring von Serviceeinrichtungen bestimmt. Während im Inneren alles auf den großen Saal und den Kammermusiksaal ausgerichtet ist, dient der Ring als Bindeglied zwischen dem Gebäude und seiner Umgebung.

FinalistInnen

Die weiteren FinalistInnen sind:

Den Preis EMERGING ARCHITECT erhielten ARQUITECTURA-G, Jonathan Arnabat, Jordi Ayala-Bril, Aitor Fuentes und Igor Urdampilleta (ES) für das Haus Luz Cilleros in Spanien.

Die Auftraggeberin des Hauses Luz wollte ein Haus mit viel natürlichem Licht und einem starken Bezug zu Außenraum und Hof. Die Lösung basiert auf lokalem handwerklichem Wissen und auf dem Einsatz natürlicher Materialien, die dem budgetären und geografischen Kontext angepasst wurden. Jedes der auf verschiedenen Ebenen um den Hof angeordneten Stockwerke hat eine bestimmte Funktion. Der Hof wird von einer Birke beherrscht, sodass Wohnzimmer und Küche zwischen dem grünen Inneren und dem Garten liegen. Die zwischen Hof und Hauptfassade angeordneten Schlafräume müssen dank der Treppe im Wohnzimmer und in der Küche nicht als Durchgang benützt werden. Die intensiv rote Keramik und das helle Grün der Birke prägen den Ort, und das Licht verleiht den Materialien im Lauf des Tages unterschiedliche Farbtöne.

Ludwig Mies van der Rohe-Stiftung in Barcelona

Die Stiftung, die den Preis vergibt, ist in Barcelona ansässig und verwaltet zudem eines der berühmtesten Bauwerke Mies van der Rohes: den sogenanntenBarcelona-Pavillon, der als Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona von 1929 gedient hat und danach vertragsgemäß abgebrochen wurde. Die Stiftung wurde 1983 gegründet, um den Pavillon wieder neu zu erstellen und ab 1986 der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Besondere an diesem Pavillon ist, dass er bis heute quasi als Prototyp eines klassischen Messe- und Ausstellungspavillons gilt, und dass er fast zur selben Zeit wie die uns bekannten Museumsbauten errichtet wurde. Jeder, der schon einmal in Barcelona vor Ort war, sieht sofort die Genialität des Gebäudes, das seiner Zeit weit voraus war und bis heute modern ist, verglichen mit den Bauwerken in seiner Umgebung.

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Über den Autor

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Eva Brunnsteiner

Studienrichtung: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit Kunstgeschichte Forschungsinteressen: Dissertation: Visuelle Kommunikation der Aboriginals Australiens Berufserfahrung: Ich bin selbstständig als PR-Berater.

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