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1 Euro ist 11 Schilling

Die Immobilienpreise– und nicht nur diese– sind auf einem historischen Hoch! Und so hört man immer wieder den berühmten Satz: „Na, in Schilling darf man das ja gar nicht mehr umrechnen.“ Das stimmt vermutlich, aber ganz so schlimm ist es dann auch wieder nicht.

Wenn man sich in Wien umsieht, sind die Preise hoch wie noch nie. Außerhalb des Gürtels bewegen sich die Preise für einen Quadratmeter bei 2.000 bis 3.000 Euro, wobei sie in den Nobellagen natürlich um ein Vielfaches nach oben gehen. In den klassischen Lagen innerhalb des Gürtels sind zwischen 3.000 und 5.000 Euro zu zahlen, und innerhalb des Rings gibt es sowieso eigene Gesetze.

Die Preise sind atemberaubend, vor allem wenn man die hohen Euro-Preise in „alte“ Schilling umrechnet (mit dem Faktor 13,76). Aber ist das überhaupt richtig?

2002 hatten wir eine totale Währungsumstellung von Schilling auf Euro und damals war der Euro 13,76 Schilling wert. Danach benötigten wir drei bis vier Jahre, um uns auf den Euro neu „einzustellen“ und dabei kam es zu einem logischen Phänomen: Durch das jahrelange Kopfrechnen (EUR-ATS-EUR) haben wir uns den Schilling-Wert aus dem Jahr 2002 besonders stark eingeprägt. Nämlich 13,76. Die guten alten Schilling-Preise wurden im Laufe der Jahre in unseren Köpfen zum „Maßstab“!

Nun der Denkfehler

In Österreich betrug die durchschnittliche Inflation in den 60er-Jahren 3,3%, in den 70er-Jahren sogar 6,1%, in den 80er-Jahren waren es dann 3,8 und in den 90er-Jahren 2,4%. Seit der Euro-Einführung im Jahr 2002 ist die Inflation geringer– nämlich nur 2,0 Prozent. Die Inflation der 70er-, 80er- und 90er-Jahre ist uns deshalb nicht so sehr aufgefallen, weil wir alle dem Schilling verhaftet waren und es keine Währungsreform gab. Mittlerweile sieht es aber so aus, dass 100 ATS aus dem Jahr 2002 im Jahr 2012 tatsächlich nur noch ca. 82 ATS wert wären und damit müsste sich auch unser „innerer Umrechnungskurs“ verändern. 2002 entsprach 1 Euro 13,76 ATS und Anfang 2012 entspricht 1 EUR ca. 11 Schilling. Das heißt: Wer derzeit die Preise von Euro noch in Schilling umrechnet– und es gibt viele, die das tun–, darf nicht den alten Kurs von 13,76 verwenden, sondern muss die inflationsbereinigten 11 Schilling nehmen. 3.000 Euro pro Quadratmeter entsprechen also nicht 41.280 Schilling, sondern ca. 33.000 Schilling. Immer noch hoch genug für einen Quadratmeter, aber doch eine kleine Beruhigung. Aber vielleicht sollte man doch lieber in Euro rechnen.

Eine Tabelle zum Nachrechnen:

(Berechnung 2001 bis 2011 lt. Statistik Austria)

VPI 2000 Indexstand Inflation% inflationsbereinigt ATS
2001 102,7 2,7 13,76
2002 104,5 1,8 13,51
2003 105,9 1,3 13,34
2004 108,1 2,1 13,06
2005 110,6 2,3 12,76
2006 112,2 1,5 12,57
2007 114,6 2,2 12,29
2008 118,3 3,2 11,90
2009 118,9 0,5 11,84
2010 121,1 1,9 11,61
2011 125,0 3,3 11,23

Die weitere Entwicklung bei angenommenen 3% Inflation*

(*Annahme des Autors)

Jahr Inflation% inflationsbereinigt ATS
2012 3 10,89
2013 3 10,56
2014 3 10,25
2015 3 9,99
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Über den Autor

Walter Senk

Walter Senk ist Chefredakteur der Immobilien-Redaktion, die er 2010 gründete. Er ist seit 20 Jahren Journalist mit dem Fachgebiet „Immobilien“. Er konzipiert und betreut Newsletter und Magazine für Medien und Unternehmen, moderiert Veranstaltungen und leitet Podiumsdiskussionen.

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