Facility_Management

Verantwortlich für (fast) alles

– Lesedauer: 3–4 Minuten

In keiner Branche sonst müssen so krasse Gegensätze miteinander kombiniert werden wie beim Facility Management. Auf der einen Seite lässt die Digitalisierung verwendete Techniken in kürzester Zeit alt erscheinen, auf der anderen Seite sollen mit Hilfe von FM auch die besten Köpfe in ein Unternehmen geholt werden. Zur Frage, wie dieser Spagat geschafft werden soll, treffen sich am 22. März um die 150 strategische Entscheider, Geschäftsleiter und IT-Verantwortliche von Bau- und Immobilienunternehmen im Rahmen der „DIGITALIZE 2017“ (siehe Kasten unten).

Der FM-Markt ist dynamisch und entwickelt sich weiter. Das betrifft auch das Verständnis für Zusammenhänge und Gesamtheit. „Man denkt nicht mehr nur in einzelnen Phasen wie Errichtung und Betrieb, sondern im gesamten Lebenszyklus“, stellt Manfred Völker, Geschäftsführer von Siemens Gebäudemanagement & -Services G.m.b.H., fest. Die Sinnhaftigkeit dieser Herangehensweise hat sich vor allem im öffentlichen Bereich in Form von PPP-Projekten durchgesetzt, „wir sehen jedoch auch, dass immer mehr private Unternehmen auf dieses Modell setzen.“

Auch Brigitte Fiedler, Geschäftsführerin der WISAG, sieht, dass „vor allem Unternehmen erkannt haben, dass sie mit dem nachhaltigen und ganzheitlichen Betreiben der Gebäudeinfrastruktur viel an Energiekosten einsparen können“. Allerdings muss insbesondere bei Städten und Gemeinden noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Trotzdem zeigt sich Fiedler zufrieden, da die letzten Jahre gezeigt haben, „dass das Interesse, Leistungen auch im kommunalen Bereich auszulagern, stetig steigt“.

Besseres Verständnis

Begünstigt wird dieser Wandel durch das geänderte Umfeld der letzten Jahre, ist Michael Moshammer, Geschäftsführer der IFM Immobilien Facility Management und Development GmbH, überzeugt: „War es vor der Wirtschafts- und Finanzkrise gelebte Praxis, dass Gebäude sehr rasch wieder zu veräußern seien, und kein ausgeprägtes Augenmerk auf ein langfristiges ,Funktionieren‘ der Liegenschaften gerichtet wurde, ist nunmehr ein gestiegenes Verständnis für Kosten und Ressourcen festzustellen.“

Mehr Bewusstsein schaffen

Allerdings gilt es noch mehr Bewusstsein bei Entwicklern, Eigentümern und Investoren zu schaffen, was ganzheitliches Facility Management leisten kann, wenn es richtig angewendet wird. Für Fiedler stellt sich daher ein eindeutiger Trend dar: „Facility Manager und die künftigen Nutzer werden in Zukunft von Beginn an in Neu- und Umbau-Projekte eingebunden werden, um bereits vor dem Spatenstich ein ganzheitliches Gebäudekonzept mit optimierten Prozessen entwickeln zu können.“

Frühzeitige Einbindung

Moshammer sieht ebenfalls ein wichtiges Potenzial in der frühzeitigen Einbindung des Facility Managements in der Planungsphase, denn hier werden bereits die entscheidenden Weichen für einen Großteil der Gesamtkosten während der späteren Nutzung von Gebäuden gestellt. „Diese Überlegung würde dem ganzheitlichen Ansatz von Facility Management im Sinne einer Lebenszyklusbetrachtung entsprechen“, so Moshammer.

Fehlende Vergleichsmöglichkeiten

Trotz dieser umfassenden Aufgaben, die FM hat, ist der Druck auf die Dienstleistung größer geworden. Völker: „Wir stehen einem preisgetriebenen Markt gegenüber.“ Und das, obwohl die Technik immer anspruchsvoller wird und immer mehr Fachwissen und Kompetenz erfordert. Da bei den Auftragsvergaben kaum Normen und Standards verwendet werden, „erschwert dies die Preis- und Leistungsvergleiche“, so Fiedler.

Welche Dienstleistung ist sinnvoll?

Die Aufgabenbereiche des FM sind letztendlich so vielfältig, dass sich in vielen Ausschreibungen auf den ersten Blick gar nicht erkennen lässt, ob und in welcher Form eine Dienstleistung für das Unternehmen sinnvoll ist. Beim Reinigen ist das schon klar, aber wie sieht es bei der sozialen Dimension aus? Laut einer Studie der französischen Sodexo Group und den Chartered Surveyors haben „die Dienstleistungen des FM einen entscheidenden Einfluss auf die Verbesserung der Lebensqualität am Arbeitsplatz“.

Holt die besten Leute!

„Das Thema Arbeitsplatz wird immer wichtiger. Unternehmen investieren immer mehr in diesen Bereich, um Mitarbeiter vor allem aus der Generation Y zu gewinnen, produktiver zu machen und an das Unternehmen zu binden“, meint Alexander Redlein, Professor für FM an der TU Wien. Dies wird eine der wesentlichen Herausforderungen der kommenden Jahre sein, die sich im Facility Management stellt. „Neue Arbeitswelten und ihre optimale Unterstützung: Das heißt, nicht nur teure Möbel, sondern Bedarfsanalysen und Trends zu berücksichtigen, um dann geeignete Bürowelten zu schaffen.“

Unternehmer im Bedarfsfall

Das neue Arbeiten wird seiner Meinung aber nicht nur die Büros, sondern auch unsere Wohnungen verändern, da die meisten Personen auch zu Hause arbeiten werden – „Einzelunternehmer“, sprich „Ein-Personen-Unternehmen“, werden im Bedarfsfall vom Unternehmen für eine bestimmte Zeit oder Aufgabe beschäftigt. „Im Jahr 2020 werden 40 % der Beschäftigten als Einzelunternehmer arbeiten“, ist Alexi Marmot, Professor für Facility and Environment Management und Head der Bartlett School of Graduate Studies, überzeugt.

Mensch oder Maschine?

Im Facility Management sind bereits jetzt viele Prozesse und Leistungen automatisiert, und der Anteil wird sicherlich zunehmen. Roboter, die aber tatsächlich Instandhaltungsaufgaben übernehmen, „sind meiner Einschätzung nach viel weiter von einer Realisierung entfernt als beispielsweise selbstfahrende Autos“, meint Moshammer, aber was die Technik betrifft, so ist er überzeugt: „Was auf jeden Fall immer wichtiger wird, ist die zunehmende Digitalisierung.“ Für den Bereich Facility Management werden vor allem das industrielle Datensammeln und Auswerten dieser Daten zu Themenbereichen wie Gebäudeleittechnik oder Energiemanagement ein wichtiger Aspekt sein.

Ein weiteres Potenzial liegt in der konsequenten Weiterentwicklung von „Computer-Aided Facility Management“-Systemen beziehungsweise Programmen, die das integrierte Bearbeiten von Defekten und Störungen sowie die Erneuerung von Anlagen und Komponenten unterstützen. „Ebenso werden wir immer mehr individualisierte Prozesse, Lösungen und Services benötigen und dem Kunden zur Verfügung stellen müssen“, so Völker, ist aber überzeugt: „Auch wenn Roboter und Digitalisierung die Zukunft sind, ist der Mensch nicht außen vor.”

Digitalize Bau+Immo-Konferenz

22. März 2017 von 9 bis 18 Uhr
Palais Hansen Kempinski
Teilnahme: kostenfrei!

Die Ghezzo GmbH ist spezialisiert auf Immobilienkonferenzen und widmet 2017 erstmals einen ganzen Tag der Digitalisierung. Innovationen werden vorgestellt, praktische Beispiele für Projekte der Digitalisierung gezeigt, und es wird über strategische Ziele und Gefahren diskutiert.

Vier Themenschwerpunkte bilden den Spannungsbogen der Digitalize Bau+Immo: die Digitalisierung der Immobilienbranche, Web- und Mobility, Bau und Betrieb sowie Veränderungen im Gebäude selbst.

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